Waldorfschulen erproben eigenes Qualitätsverfahren

Seit 2011 wird im Bund der Freien Waldorfschulen ein eigenes Verfahren zur Qualitätsentwicklung im Unterricht durchgeführt. Dem voran ging ein zweijähriges Projekt ab 2008, in dem das Modell in der Praxis bis zum Herbst 2010 erprobt wurde. Prozessbegleitend erfolgte vom Institut für Empirische Sozialforschung der Alanus Hochschule eine Evaluation.

Jeder Qualitätsbegriff setzt voraus, dass geklärt ist, was man unter Bildung verstehen will. Der Bildungsbegriff der Waldorfpädagogik meint den Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten des Heranwachsenden, die die Entwicklung seiner gesamten Persönlichkeit umfasst. Dazu wird der Blick nicht nur auf die Schule, sondern auch auf die gesamte Lebenszeit mit all ihren beruflichen und privaten Herausforderungen gerichtet. Was bedeutet vor diesem Hintergrund Qualität im schulischen Lernprozess?

Unterrichtsqualität kann nur dann entstehen, wenn der Lehrer diese selbst anstrebt und er bereit ist, seine Arbeit fortlaufend zu reflektieren. Dazu treten der Blick und die Anregung von außen. Das waldorfeigene Qualitätsverfahren baut daher auf drei Säulen auf: Der Bildung von Intervisionsgruppen innerhalb des Kollegiums und externen wie internen Hospitationen. Für die Arbeit in den Intervisionsgruppen wird zu Beginn eine Fortbildung im gesamten Kollegium durchgeführt. Ein wesentliches Element dabei ist der Austausch von Kollegen auf Augenhöhe - unabhängig von Alter und Erfahrung. Die externen Hospitationen werden von einer Gruppe von Fachleuten durchgeführt, sie finden zweimal im Jahr statt. Die Gruppe setzt sich zusammen aus sowohl im Unterricht als auch in der Mentorierung erfahrenen Lehrern. Eine Fortführung dieser Arbeit und die Überführung in einen nachhaltigen Prozess wird durch die internen Hospitationen gewährleistet.

Erfahrungen mit dem Qualitätsverfahren an den drei Modellschulen zeigten, dass die Hospitationen im eigenen Unterricht von den Lehrern als „befreundeter Fremdblick“ grundsätzlich begrüßt wurden. Dabei wurde die Bedeutung guter Kommunikationsstrukturen für den Ablauf des Qualitätsverfahrens deutlich. Insgesamt führt der Einsatz des Qualitätsverfahrens dazu, dass viele der beteiligten Lehrer ihren Unterricht mit größerer Wachheit wahrnehmen und reflektieren und sich gegenseitig bei der Lösung ihrer pädagogischen Probleme helfen.

Das Verfahren hat zum Ziel, dass nach zwei Jahren ein Kollegium sich unter Anleitung so weit kompetent gemacht hat, dass anschließend in eigener Verantwortung die kontinuierliche Qualitätsarbeit fortgesetzt werden kann.

Im Jahre 2013 erhielt das Verfahren eine Produktzertifizierung auf der Grundlage der DIN/EN 45011.

Dr. Richard Landl