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Liebe Leserinnen und Leser,

nach einer stürmischen Michaeli-Zeit erfreuen sich in den Waldorfschulen gerade alle an den Wintermärkten, Martins- oder Weihnachtsbasaren und bereiten sich auf die Oberuferer Weihnachtsspiele vor. Bald beginnt für uns auf der Nordhalbkugel die äußerlich dunkelste und innerlich lichte Jahreszeit, die uns zum Innehalten und Zurückschauen bringt, aber auch freudige Impulse für das neue Jahr bereithält.
Die folgenden Beiträge blicken nun auf einige für uns wichtige Geschehnisse der letzten Wochen zurück. Wir hoffen, damit Ihren Lesegeschmack zu treffen!

Herzliche Grüße von Ihrem Hamburger Newsletter-Team!

3 Fragen an... Dalia Vido-Weber

1. Was genau ist Ihre Aufgabe in der Waldorfwelt?
Ich bin Justiziarin in der Rechtsabteilung, berate also den Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) in rechtlichen Fragen, die z.B. Markenschutz oder Patentrechte betreffen oder auch das Vereinsrecht wie bei der Überarbeitung der Satzung. Außerdem bin ich für die Schlichtungsstelle beim BdFWS zuständig, an die sich die Mitgliedsschulen, deren LehrerInnen und Eltern mit einem Schlichtungsantrag wenden können. Auch bin ich für Datenschutz, Fragen zur Verwaltungs Berufsgenossenschaft (VBG) und zur Künstlersozialkasse (KSK) verantwortlich, mache telefonische Rechtsberatung und verfasse regelmäßig fachliche Rundschreiben zu bestimmten juristischen Themen.

2. Woran arbeiten Sie gerade?
Ich arbeite gerade an fünf verschiedenen, teilweise sehr aufwändigen, Schlichtungsfällen. Dann verfasse ich gerade ein Rundschreiben zur Gefahr von Pikrinsäure in schulischen Chemielabors (s. auch Artikel weiter unten, Anm. d. Red.) und am Wochenende bei der Mitgliederversammlung werde ich Teile des Protokolls schreiben.

3. Wie sieht Ihre Zukunftsvision für die Waldorfpädagogik aus?
Insgesamt würde ich mir wünschen, dass sich die Kommunikation innerhalb der Waldorfschulen in Zukunft noch verbessert und dadurch weniger Schlichtungsbedarf entsteht. Schön fände ich auch, wenn wirklich alle Kinder, die eine Waldorfschule besuchen möchten, dort auch einen Platz bekommen könnten, und dass vor allem für Quereinsteiger ein Wechsel leichter möglich wird. Ich denke, sie haben sich aufgrund selbst gemachter Erfahrungen besonders viele Gedanken darüber gemacht, warum sie eine Waldorfschule besuchen möchten und damit eine sehr bewusste Entscheidung getroffen.

Eine Waldorfschule für das türkische Alanya

Cornelie Unger-Leistner (CU): Das klingt so ein bisschen wie ein Märchen aus 1001 Nacht, wenn man über die Waldorfinitiative an der südtürkischen Riviera liest.

Henning Kullak-Ublick (HKU): ... wobei vor allem der pragmatische Idealismus, mit dem die Schulgründung in Alanya vorangetrieben wird, für uns Deutsche märchenhaft ist. Das Interesse an der Waldorfpädagogik wächst bei den Eltern in der Türkei stetig und es gibt inzwischen Waldorfkindergärten in Bodrum, Alanya und Istanbul. Die türkischen Eltern suchen nach Alternativen zu dem staatlichen Bildungswesen in ihrem Land, das schon früh auf Selektion setzt. Bei dem wachsenden Interesse ist es naheliegend, dort auch eine Schulgründung ins Auge zu fassen und mit Ausbildungsgängen für gut ausgebildete WaldorferzieherInnen zu sorgen. Beim berufsbegleitenden Waldorferzieherseminar in Istanbul ist zur Zeit ein dreijähriger berufsbegleitender Aufbaustudiengang in Planung.

CU: Wie ist denn die Waldorfpädagogik überhaupt in die Türkei gekommen?

HKU: Es gibt schon seit einigen Jahren eine Kooperation zwischen der Waldorfschule in Hamburg-Bergstedt und einem Gymnasium in Istanbul, dadurch gelangten die ersten Informationen an den Bosporus.
Vor allem Orhan Demirtas hat den Stein in der Südtürkei ins Rollen gebracht. Er ist in Heilbronn aufgewachsen und schrieb seine Examensarbeit in Germanistik an der Universität von Ankara über den Fremdsprachenunterricht an Waldorfschulen. Herr Demirtas ist politisch, wirtschaftlich und kulturell bestens vernetzt und setzt sich seit Jahren mit einer unglaublichen Energie dafür ein, dass in Alanya eine Waldorfschule entstehen kann.

CU: Wie wird die erste türkische Waldorfschule denn von der Öffentlichkeit wahrgenommen?

HKU: Zunächst muss man sagen, dass es in der Türkei eine starke Zivilgesellschaft gibt, die sehr daran interessiert ist, die Bürgerrechte zu stärken und die von Kemal Atatürk durchgesetzte Trennung von Staat und Religion zu erhalten. Das ist ein wichtiger Motor für diese Initiative. Mit Beginn des laufenden Schuljahres hat ein Waldorflehrer in einer sehr angesehenen Privatschule in Alanya damit begonnen, die türkischen Kollegen in der Vorschul- und der ersten Klasse bei ihrer Arbeit zu unterstützen und sukzessive die Waldorfpädagogik einfließen zu lassen. Der Schulleiter dieser Schule ist sehr kooperativ und hat der Waldorfinitiative zugesagt, dass sie für einige Jahre unter seinem Dach arbeiten kann. Mit Peter Klingemann hat die Initiative einen tollen Gründungsberater gefunden und an einer gerade entstehenden Hochschule in Alanya werden wahrscheinlich bald WaldorflehrerInnen ausgebildet werden können. Das große Interesse an der Waldorfpädagogik zeigt sich auch daran, dass im Janaur 2014 eine hochrangige Delegation türkischer Politiker nach Deutschland und in die Schweiz kommen wird, um sich ein eigenes Bild über die Praxis der Waldorfschulen zu machen.

CU: Und wie sieht es mit Literatur zur Waldorfpädagogik in türkischer Sprache aus?

HKU: Die „Erziehung des Kindes“ von Rudolf Steiner gibt es auf türkisch, ansonsten wird auch vieles in Englisch oder Deutsch gelesen. Da ist noch einiges zu tun, denn die türkischen Freunde legen natürlich großen Wert darauf, dass die Waldorfpädagogik in der Türkei nicht einfach eine Kopie deutscher Traditionen wird, sondern sich innerhalb der türkischen Kultur weiterentwickeln kann.
Das ist weltweit eine ganz wichtige Frage, die beispielsweise im Haager Kreis, dem Internationalen Forum der Waldorfschulen, intensiv diskutiert wird. Die Pädagogische Sektion am Goetheanum arbeitet deshalb auch an einer Materialdatenbank, die grundlegende waldorfpädagogische Schriften international verfügbar macht.

Inklusion auf der diesjährigen Jahrespressekonferenz

(CU) Die Jahrespressekonferenz im September nach Beginn des neuen Schuljahrs, auf der der aktuelle Bericht der Bildungsökonomie vorgestellt wird, hat für die Öffentlichkeitsarbeit beim Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) bereits Tradition. Weil aber die Zahlen alleine eine trockene Sache sind, gilt es immer, ein zweites Thema und möglichst auch einen interessanten Ort für die Pressekonferenz zu finden. In diesem Jahr der Bundestagswahl und des großen Inklusionskongresses lag es nahe, Berlin und das Inklusionsthema auszuwählen. Zumal der BdFWS im Vorfeld der Bundestagswahl mit den "7 Kernforderungen zur Bildungspolitik" auch politisch Zeichen gesetzt hatte, auf die die Öffentlichkeitsarbeit an der richtigen Stelle aufmerksam machen wollte.

Als Experten waren Prof. Steffen Koolmann (Institut für Bildungsökonomie der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter), Dr. Thomas Maschke (verantwortlich für den Studiengang Inklusion am Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität, Mannheim) sowie die BdFWS-Vorstandsmitglieder Birgitt Beckers und Henning Kullak-Ublick anwesend.

Sie wiesen in ihren Statements darauf hin, dass die Umsetzung des Inklusionsgedankens entsprechend der UN-Behindertenrechtskonvention einen Paradigmenwechsel im deutschen Schulwesen voraussetzt, weil Inklusion mit den derzeit vorherrschenden Selektionsmechanismen nicht vereinbar ist.

In den Vorgesprächen mit den Journalisten zeigte sich, dass das Thema Inklusion den Redaktionen nicht so leicht zu vermitteln ist. Hier wird noch viel Engagement nötig sein, bis das Thema „nicht nur in aller Munde ist, sondern auch in den Herzen ankommt“, wie Kullak-Ublick es auf der Pressekonferenz formulierte.

Sehen Sie für weitere Informationen den Filmmitschnitt und lesen die Pressemitteilung des BdFWS zur Pressekonferenz.

Rumänische Barockmusik für Ihre Schule?

(CMS) Das "Ensemble Flauto Dolce" besteht aus den vier rumänischen MusikerInnen Maria Szabó, ihrem Mann Zoltán Majó, Ágnes Tóth und Mihaela Maxim. Majó, Musikprofessor an der Universität Cluj, gründete das Ensemble im Jahr 2000, seine Frau ist seitdem als Musiklehrerin an der Waldorfschule in Cluj tätig. Gemeinsam haben sie schon viele Konzerte in Europa gegeben und waren als "Ensemble Flauto Dolce" im April 2013 auch für eine längere Tournee in Deutschland unterwegs.

Währenddessen traten sie in verschiedenen Institutionen auf, unter anderem in Kirchen und auch in vielen Waldorfschulen. Dabei war das erfolgreichste Programm eine Mischung aus dem reichen multikulturellen musikalischen Erbe der rumänischen Barockzeit des 17. und 18. Jahrhunderts und wartet nun auf Fortsetzung. Denn die nächste Deutschland-Tour ist für den Zeitraum vom 20. bis 30. Juni 2014 geplant.

Fragen Sie einfach direkt bei Maria Szabó an, um ein individuelles Konzert für Ihre Schule zu buchen. Das Programm kann je nach Wunsch neben rumänischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert auch Jazzmusik, Volksmusik oder moderne Musik aus diversen Kulturen rund um den Globus beinhalten.

Bei Anfragen von Waldorfschulen spielt das "Ensemble Flauto Dolce" gerne zunächst ein Morgenkonzert für die Schülerinnen und Schüler und dann noch ein Abendkonzert für Eltern, Freunde, Lehrerinnen und Lehrer. Mit diesem Konzept hatten sie schon viel Erfolg in verschiedenen Einrichtungen wie den Rudolf Steiner Schulen in Hamburg-Bergedorf, Bochum und Ottersberg, der heilpädagogischen Karl Schubert Schule in Stuttgart und der Windrather Talschule in Velbert, dem Rudolf Steiner Institut Bad Boll-Eckwalden, dem Wohn- und Pflegeheim Haus Martin in Dornach und anderen.

Um Musik- und Videobeispiele des "Ensemble Flauto Dolce" zu hören, zu sehen und für weitere Informationen besuchen Sie die Internetseite www.flautodolce.ro

Chemikalie mit Gefahrenpotenzial

Foto: dpa

(CMS) Kürzlich gingen verschiedene Berichte durch die Presse, die vom Gefahrenpotenzial der Pikrinsäure handelten, weil diese an einigen Schulen in Chemielaboren gefunden worden war. Deshalb weist der Bund der Freien Waldorfschulen darauf hin, dass alle Waldorfschulen prüfen sollen, ob sich noch Pikrinsäre bei ihnen z.B. in den Chemielaboren befindet. Denn früher wurde diese Säure für Versuche noch verwendet und ist dann möglicherweise nicht ordnungsgemäß entsorgt worden. In trockenem Zustand ist Pikrinsäure hochexplosiv, weshalb unbedingt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (über die örtliche Feuerwehr) zu rufen ist, falls die Säure gefunden werden sollte. Bei weiteren Fragen können Sie sich an die Rechtsabteilung des Bundes wenden.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |