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Liebe Leserinnen und Leser,

nun hat der Herbst schon begonnen und mit ihm die deutlich kürzer werdenden Tage. Es ist die Zeit, in der einem stets das Gedicht "Herbsttag" von Rainer Maria Rilke in den Sinn kommt:
"Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr  groß./
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren,/
und auf den Fluren lass die Winde los." beginnt es. 

Die nachdenklichen Zeilen am Schluss, nach denen sich kein Haus mehr bauen wird, wer jetzt keins hat und in denen unruhig durch die Allein gewandert wird, verweist auf die Bedeutung von Gemeinschaft in der dunklen Jahreszeit. Fast zeitgleich zum Herbstanfang konnte die Waldorfschulbewegung durch den Kongress in Dresden ihren Gemeinschaftssinn leben und stärken und daraus viele gute Erinnerungen für die dunkle Jahreszeit mitnehmen. Auch das neu gestartete Alumni-Netzwerk trägt eine gemeinschaftsbildende Komponente in sich, der wir nicht erst fürs nächste Frühjahr ein farbenfrohes Erblühen wünschen! 

Der neue Reader "Struwwelpeter 2.0" beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Waldorfpädagogik zu den (neuen) Medien und hat eine individuell erarbeitete Medienmündigkeit der Heranwachsenden zum Ziel - auch dies eine wichtige Voraussetzung für wirkliche Gemeinschaftsfähigkeit!

Viel Freude und die nötige Muße zum Lesen wünscht
Ihr Newsletter-Team!

3 Fragen an... Klaus-Peter Freitag

1. Was genau ist Ihre Aufgabe in der Waldorfwelt?
Wie beim Eiskunstlaufen gibt es für mich eine Pflicht und eine Kür. Die Pflicht, die ich aber auch gerne mache, ist die Begleitung und Organisation der Gremienarbeit, konkret des Vorstandes und der Bundeskonferenz. Darüber hinaus die Vorbereitung und Durchführung der Delegierten- und Mitgliederversammlungen, der Bundesgeschäftsführertagungen, Kongresse und Open Space Konferenzen. Zum Alltag gehören auch Terminplanungen und allgemeine Anfragen, die in der Geschäftsstelle so „landen“. Zur Kür zähle ich die Begleitung der Arbeitsbereiche Oberstufengestaltungsfragen und Abschlüsse, Markenrechtsfragen, Qualitätsentwicklung und die Arbeitskreise (AK). Dazu gehören der AK Inklusion, der AK Schulärzte, der AK Medien, der AK Öffentlichkeitsarbeit, der AK Schulrecht und Bildungspolitik sowie die Zusammenarbeit mit der Kindergartenvereinigung und dem Bundesverband anthroposophisches Sozialwesen in der Koordinationsgruppe und dem -rat, der Kontakt zu den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners und die Mitarbeit im Bundesschülerrat (WaldorfSV). Besonders am Herzen liegen mir außerdem der Kontakt und die Zusammenarbeit mit der Pädagogischen-, der Jugend- und der Medizinischen Sektion in Dornach.

2. Woran arbeiten Sie gerade?
Ich bereite gerade mit Kollegen eine Open Space Konferenz vor, die persönliche Begegnungen zwischen Menschen aus Kindergarten, Heilpädagogik, Schule und aus den anthroposophischen Lebensfeldern wie Medizin, Pflege, Landwirtschaft, Bankwesen und weiteren Wirtschaftsunternehmen ermöglichen soll.  Dort kann dann ein Austausch über die uns aus der Anthroposophie heraus tragenden Visionen und Ideale stattfinden. Mit Schülern und der Jugendsektion planen wir zudem gemeinsam die große internationale Schülertagung zum Thema „Was verbindet uns?“, die im April 2015 in Dornach stattfinden wird.

3. Wie sieht Ihre Zukunftsvision für die Waldorfpädagogik aus?
Großartig! Ich kenne so viele engagierte und tolle Menschen in unserer Bewegung, seien es Lehrer, Eltern, Ärzte, Therapeuten, Geschäftsführer, Mitarbeiter in der Verwaltung usw., dass man nur stolz sein kann, hier mitwirken zu dürfen! Und natürlich habe ich eine Vision, aber nicht nur für die Waldorfpädagogik. Ich träume davon, dass es künftig keine Schulformen (Grund-, Haupt-, Real-, Sonder-, Waldorfschule usw.) mehr geben wird, sondern nur noch „Allgemeine Schulen“, von denen keine der anderen gleicht.. Jede Schule entwickelt ihr ganz individuelles Konzept und Profil aufgrund der Menschen vor Ort (Kinder, Jugendliche, Eltern, mitwirkende Erwachsene, aber auch gesellschaftliches Umfeld und räumliche Gegebenheiten). Das „Berechtigungswesen“ wird abgeschafft werden, denn das brauchen wir dann nicht mehr.
Menschen mit einer gleichen „Weltanschauung“, gleichen Grundüberzeugungen, Wertvorstellungen und Intentionen finden sich, um gemeinsam „Wege“ zu gehen. So wird es auch Einrichtungen geben, in denen Menschen wirken, die mit der Anthroposophie verbunden sind.
Die „Allgemeine Schule“ wird gesamtgesellschaftlich und unternehmerisch geführt. Das heißt, alle „Kosten“ oder „Ausgaben“ werden als „Investition“ in und für die gesamte Gesellschaft gesehen, ohne die sie nicht fortbestehen könnte. Ein mögliches Modell wäre die Abkehr vom „Bruttosozialprodukt“ hin zum „Bruttoinlandsglückprodukt“.
Ja, das träume ich!

Anruf in: Dresden – Die Waldorfschule mit der ungewöhnlichsten Geschichte

(CU) Die Freie Waldorfschule Dresden ist sicherlich die Waldorfschule mit der ungewöhnlichsten Geschichte: Sie wurde zweimal geschlossen und jeweils von Eltern, Lehrern und Schülern wieder begründet und zwar im gleichen Gebäude in der Jägerstraße. 1941 wurde sie vom NS-Regime geschlossen, 1949 von der gerade entstehenden DDR. Anfang Oktober war sie die Gastgeberin der Waldorf-Tagung „Zukunft anerkennen – Gegenwart wagen“ mit rund 1000 Teilnehmern. Wir sprachen mit Andreas Becker, Oberstufenlehrer für Mathematik und Geographie an der FWS Dresden.

Guten Tag, Herr Becker, wie ging es Ihnen allen denn mit dem großen Kongress? Die perfekte Organisation durch die Eltern, Lehrer und Schüler der Dresdner Schule wurde ja von allen hoch gelobt...

Becker: Als ich am Dienstag zur Generalprobe der Aufführung "Schöpfe Du" kam, begann sich die angespannte Atmosphäre der Vorbereitung in eine Freude auf die bevorstehenden Tage zu wandeln. Ich glaube, so ging es vielen Kollegen und auch die Schüler waren überrascht von der überwältigenden Reaktion der Teilnehmer auf ihre Aufführung. Dieser Beginn durchzog die gesamte Tagung. Viele herzliche Begegnungen, interessante Vorträge und eine gewisse Leichtigkeit prägten die Zeit. Ich bekam viele neue Impulse, war stolz auf das Zusammenwirken von Eltern, Schülern und Kollegen, eigentlich auf unsere gesamte Schule. Und dieses Gefühl trägt mich auch noch heute...

Und was wird die nächste Zukunft der Schule bringen?

Becker: Da steht uns ein Jubiläum ins Haus: 2015 ist es ja 25 Jahre her, dass die Dresdner Waldorfschule nach der Wende zum dritten Mal gegründet worden ist. Wobei es so sein wird, dass wir dann zwei Waldorfschulen hier in Dresden haben. Es wurde ja gerade die „Neue Waldorfschule Dresden“ mit zwei Klassen gegründet. Sie war zunächst unter unserem Dach, ist jetzt um die Ecke und auf der Suche nach einem eigenen Gelände. Wir haben diese Gründung begleitet, das war viel Arbeit, im Sommer wurde die Schule in die Selbständigkeit entlassen.

Das hört sich so an, als wäre in Dresden ein großes Interesse für Waldorfpädagogik...

Becker: Wir haben sehr hohe Bewerberzahlen und die Dresdner Waldorfschule ist ja schon zweizügig mit 800 Schülern. Also musste eine weitere Schule entstehen.

Das heißt, die erste Dresdner Waldorfschule ist gerade eine Art Keimzelle?

Becker: Ja, das kann man schon so sagen. Wir haben außerdem noch Görlitz als weiteres „Patenkind“, die Schule ist jetzt im vierten Jahr. Dort gibt es sieben Klassen und es wird zum Teil jahrgangsübergreifend unterrichtet. Einige Lehrer von uns waren dort im Einsatz, wir haben Gründungsberatung und Seminararbeit geleistet und auch beim Aufbau der Verwaltung die Schule unterstützt.

Wie weit ist das denn von Dresden entfernt?

Becker: Das ist kein Katzensprung, es sind über 100 Kilometer, dicht an der polnischen Grenze. Es ist ein interessanter Standort, bei dem pädagogisch viel möglich ist. Bisher ist die Schule im ländlichen Raum angesiedelt, aber jetzt wollen sie lieber in die Innenstadt und suchen Räume dafür. Sie sind gerade dabei, verschiedene Immobilien zu bewerten.

Wenn wir jetzt mal zum „Mutterschiff“ Dresden zurückkommen: Gibt es an der Schule ein Bewusstsein davon, dass man so eine besondere Geschichte hat?

Becker: Wir fühlen uns mit der Schulgeschichte schon verbunden. Wir waren die erste freie Schule, die nach der Wende gegründet worden ist. Der Waldorfimpuls war über die ganzen DDR-Jahre aufrecht erhalten worden, informell natürlich, da gab es verschiedene Gruppen oder auch im Rahmen der Christengemeinschaft. Nach der Wende machten sich dann viele auf die Suche nach einer neuen Pädagogik, so sind einige freie Schulen entstanden. Es war eine besondere Situation, man konnte viel bewegen in dieser Nachwendezeit. Die Waldorfschule konnte  dabei auf schon gewachsenes Wissen zurückgreifen.

Lebt dieser „Nachwendegeist“ denn heute noch in der Schule?

Becker: Man kann sagen, dass wir hier in der Stadt einen relativ eigenständigen Akzent gesetzt haben, wenn man die neuere Schulgeschichte nach 1990 anschaut. Etwas Besonderes sind auch die zwei Kollegien, die wir haben. Der zweite Zug ist ja so entstanden, dass es vor 16-17 Jahren schon eine weitere Schulgründung geben sollte, und durch Unklarheiten bei Standort und Zuschüssen wurde die Initiative in den Räumen der heutigen Marienallee ansässig. Dadurch kommt es, dass es zwei Kollegien gibt und auch verschiedene Konzepte z.B. beim bewegten Klassenzimmer oder den Praktika.

Das ist wirklich ungewöhnlich für eine Waldorfschule...

Becker: Wir finden das unheimlich befruchtend. Es gibt zwei Konferenzen und einen intensiven Austausch zwischen den Kollegien. Man schaut: Wie machen die anderen das denn und was können wir davon lernen? Das war und ist nicht immer einfach, besonders im Alltag, aber man kann sagen, dass wir dadurch innovativ geblieben sind. Entwicklungspotential, Beweglichkeit und Offenheit – ich denke mal, diese Aspekte verdanken wir auch unserer ungewöhnlichen Geschichte. Leichter gesagt als getan.

Es gab ja auch einen Workshop zur Schulgeschichte bei dem Kongress...

Becker: Ja, den hat mein Kollege Stahnke geleitet. Ich selbst war auf einem geologischen Rundgang mit Tagungsteilnehmern, da konnte man u.a. auf den Spuren des Romans „Der Turm“ von Tellkamp in Dresden wandeln, es ging es z.B. in den Stadtteil Weißer Hirsch hinauf...

Durch diese Exkursionen haben die Dresdner Lehrer den Tagungsgästen ihre Stadt nahe gebracht und man hörte von vielen zum Schluss: „ Ich muss nochmal nach Dresden, da ist noch so viel anzuschauen“. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Becker und an Sie alle in Ihrer Schule nochmal ein großes Dankeschön im Namen der Schulbewegung für diesen tollen Kongress!

Alumni-Netzwerk der Waldorfschulen ging an den Start

(CU) Bisher war es für ehemalige Waldorfschüler, -lehrer oder -eltern schwierig, untereinander und bundesweit miteinander in Kontakt zu kommen. Mit dem neuen Waldorf-Alumni-Netzwerk steht seit dem 15. Oktober 2014 eine Online-Plattform zur Verfügung, mit der das sehr viel einfacher möglich ist: www.waldorf-alumni.de. Pünktlich zu ihrem 95. Geburtstag hat die Waldorfschulbewegung ein Ehemaligen-Netzwerk geschenkt bekommen, das mit einem individuellen, sicheren und bedienungsfreundlichen Portal ausgestattet ist. Bisher hatten nur wenige Schulen ihre Ehemaligen systematisch erfasst und regelmäßig kontaktiert und es bedeutete einen erheblichen Aufwand, die Daten zu pflegen.

WaldorfAlumni ist ein Angebot des BdFWS. Es konnte durch die Unterstützung der GLS-Treuhand und weiterer Förderer realisiert werden und bietet für die angeschlossenen Waldorfschulen eine vielseitige und pragmatische Basis, um mit ihren Ehemaligen, Förderern und Sponsoren in Kontakt zu bleiben. 

Als Informationsmaterial gibt es zwei verschiedene Flyer, von denen sich einer an die Schulen richtet und an diese auch bereits per Post versendet wurde, denn Alumni "sind ein Schatz, der geborgen werden will.“ Der andere Flyer wendet sich direkt an die Ehemaligen und kann kostenfrei (zzgl. Versandkosten) über unseren Onlineshop bestellt werden; er animiert zu verstärkten Kontakten, die z.B auch beruflich genutzt werden können.

Frühere Schüler oder Lehrer von Waldorfschulen sind inzwischen in der Öffentlichkeit auf vielen Ebenen präsent: Von den bekannten SchauspielerInnen Karoline Herfurth, Marie Bäumer und Wotan Wilke Möhring oder der Sängerin Bé Ignacio über Unternehmer wie Prof. Goetz Rehn (Alnatura) und Dr. Andreas Kaufmann (Leica) reicht die Liste bis hin zu Medizin-Nobelpreisträger Prof. Thomas C. Südhof oder dem neuen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Wie man z.B. in den USA sehen kann, sind Alumni-Netzwerke ein wichtiges Instrument der gegenseitigen Hilfe und Vernetzung der Ehemaligen und spielen insbesondere bei der Finanzierung von Hochschulen eine große Rolle.

Ansprechpartnerin für sämtliche Fragen ist Angelika Lonnemann unter alumni@waldorfschule.de

Junge Menschen aus aller Welt performen Eurythmie – Mach mit!

(CMS) Oft sind es künstlerische Erlebnisse aus der Jugendzeit, an die man sich später erinnert, die prägend für das ganze Leben sind. So ein Erlebnis könnte auch die Teilnahme an yep! werden, dem neuen Eurythmie-Projekt für junge Menschen aus aller Welt im Alter von 18 bis 24 Jahren. Wer sich also für Kunst und Anthroposophie interessiert und für neue Wege in der Eurythmie begeistert, dem gibt yep! die Möglichkeit, an einer professionellen Eurythmie-Bühnen-Arbeit teilzunehmen. Dabei wird auf eine viermonatige Proben- und Einstudierungsphase eine große Tournee durch den deutschsprachigen Raum und Prag/Tschechien folgen.

Die Erfahrung des Zusammenwachsens mit einem spannenden Team von jungen Menschen, die gemeinsam eine Eurythmie-Performance erarbeiten, verlangt von jedem ganzen Einsatz, Kreativität und Gestaltungsfreude, um so das gemeinsame Ziel zu erreichen: eine junge, existenzielle Eurythmie-Performance zu erarbeiten, die an vielen Orten zur Aufführung gebracht wird. Die Anmeldung startet in Kürze am 1. November!

Anmeldezeitraum: 1. Nov. 2014 bis 25. Mai 2015
Projektzeitraum: 12. September 2015 bis 12. März 2016
Kosten: 800,- Euro + 50.- Euro Essensgebühr im Monat

YEP! young eurythmie performance
Ahnatalstraße 182
34128 Kassel
Tel. 0561-6027597
Mobil: 0160-93535837
Mail: info@yep-eurythmie.de
www.yep-eurythmie.de

„Archiv der Zukunft“-Kongress jetzt mit Waldorfpädagogen

(HKU) Das Netzwerk Archiv der Zukunft veranstaltet vom 31. Oktober bis zum 2. November 2014 im Festspielhaus Bregenz seinen fünften Kongress mit dem Titel "Orte und Horizonte – Bildung braucht Gesellschaft“. Der Kongress wendet sich an alle, die Bildung und damit auch Schule und Kindergarten als Bereiche sehen, die ständig in Bewegung sind und deren Entwicklung aus der Begegnung erwächst.

Solche "pädagogischen Inseln“ (Goethe nannte sie Provinzen) sind wichtig, aber sie brauchen auch Häfen, Brücken und seetüchtige Boote, damit sie aneinander lernen und sich austauschen können. Das Kongressprogramm bietet eine Fülle von Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen, die auf der Suche nach einer lebendigen Pädagogik sind; die Ideen haben, aber nicht exklusiv wissen, wie sie umzusetzen sind.

Neben vielen bekannten Persönlichkeiten (u.a. Remo Largo, Richard David Precht und Manfred Spitzer) und zahlreichen Initiativträgern interessanter pädagogischer Projekte, wirken erstmals auch viele Waldorfpädagogen mit Vorträgen und Werkstätten mit, u.a. Martin Ott, Peter Guttenhöfer, Dirk Rohde und Henning Kullak-Ublick. Der Philosophie des Kongresses entsprechend sind alle Teilnehmer auch aktive Mitgestalter des Geschehens, was sich in dem auf Partizipation angelegten Kongressablauf deutlich zeigt. 

So heißt es in der Einladung: „Und so wie die Menschen ihre Geschichten sind, so sind auch die Institutionen Geschichten – oder sollten es sein.“ Hinter diesem Gedanken stehe der Wunsch und die Überzeugung, dass die Praxis als eine “Landschaft von Vielfalt und Verschiedenheit“ blüht und fruchtbar wird. „Die Praxis soll souverän werden und nicht mehr die Magd der hohen Priester sein. Die Praxis sollte die Königin werden! Gewiss, an ihrem Hof nehmen Theorien, Analysen und Konzepte Ehrenplätze ein. Aber sie haben kein Recht mehr, Anweisungen zu geben“. Und auch umgekehrt habe niemand das Recht, Verantwortung nach oben zu delegieren und zu verlangen, dass ihm der Weg gewiesen wird. Mit den Philosophen Hannah Arendt und Immanuel Kant gesprochen, heiße das:  „Niemand hat das Recht zu gehorchen“. Die Praxis sei das, was „wir aus dem Gegebenen machen. Die Praxis ist wache Gegenwart. Die Praxis ist der ständige Übergang von Vorgeschichten und Problemen zu Geschichten. Dort entsteht Zukunft.“

Das Eröffnungsplenum, an dem auch Peter Guttenhöfer teilnimmt, befasst sich mit folgendem Thema: „Erdungen, Handlungen und Ideen – Die Wiederentdeckung von Gärten, Landwirtschaft, der Erde sowie der Sorge und dem folgenreichen Handeln.“ Auch der frühere dm-Chef Götz Werner hält einen Vortrag, in dem er erläutert, „was Freiheit, bedingungsloses Grundeinkommen, Kreativität und Bildung miteinander zu tun haben“. Die weiteren Beiträge von Waldorfpädagogen bzw. aus der anthroposophischen Bewegung sind hier zusammengestellt. 

Weitere Informationen, das detaillierte Kongressprogramm und Anmeldemöglichkeiten sind hier zu finden. Es wäre schön, in Bregenz auch viele Menschen aus der Waldorfwelt zu treffen!  

Islam als aktuelles Thema auch in den Schulen

(CU) Informationen zum Thema Islam als Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Thema im Schulunterricht bietet das Handbuch Islam & Schule, das jetzt von der Initiative "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ herausgegeben worden ist. Es beinhaltet Informationen zur Lebenswelt der Muslime in Deutschland, zur Geschichte des Islam und lässt auch kritische Themen wie den "islamisierten Antisemitismus“ nicht aus. Modellprojekte für den Unterricht werden ebenfalls vorgestellt, z.B. Theaterworkshops und kunstpädagogische Aktionen.

Die Publikation des Handbuchs wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert sowie vom Berliner Senat für Arbeit, Integration und Frauen, außerdem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Initiative "Demokratie stärken“. Das Handbuch soll auch Muslimfeindlichkeit entgegenwirken und eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser Glaubensrichtung ermöglichen. Es folge einem religionsübergreifenden, an den universellen Menschenrechten orientierten Ansatz, wird in der Verlagsankündigung zum Handbuch betont. Lernziel ist die Gleichwertigkeit aller Menschen.

Die Schule werde mehr und mehr zu einem Ort, an dem Konflikte ausgetragen werden, die ihren Kern in vermeintlichen oder tatsächlichen islamischen Geboten haben, heißt es weiter. Das Handbuch solle dazu ermutigen, diese komplexen Themen im Schulalltag aufzugreifen. Eine lebendige Streitkultur eröffne die Chancen, im Lernraum Schule "modellhaft vozuleben, wie wir in der Gesellschaft künftig interkulturelle Konflikte austragen und im günstigen Fall lösen.“

Der präventive Ansatz der "Schule ohne Rassismus“ gehe davon aus, dass alle Ideologien der Ungleichwertigkeit in den Blick genommen werden müssen, heißt es in der Einleitung. Sowohl im Bereich der islamistisch-politischen Radikalisierung als auch angesichts wachsender Muslimfeindlichkeit fehle es bisher an ausgearbeiteten Präventionskonzepten. Ziel schulischer Prävention müsse es sein, die SchülerInnen mit dem notwendigen, rationalen und emotionalen Rüstzeug auszustatten, damit sie entsprechende Ideologien erkennen und zurückweisen können, sowohl die islamistischer Prägung als auch solche mit muslimfeindlichen Inhalten.

Medienberichten zufolge sind auch ca. 400 deutsche Jugendliche muslimischen Glaubens in den Nahen Osten aufgebrochen, um sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Diese Nachricht unterstreicht, wie wichtig die Einbeziehung des Themas an den Schulen auch in Deutschland ist.

Das Handbuch wurde von einer ganzen Reihe von Experten erstellt, darunter Islamwissenschaftler oder auch Journalisten z.B. von der taz oder der ZEIT.

Es ist ist in Form einer Loseblattsammlung in einem DIN A4 Ordner erschienen. Es kann noch bis zum 31.12.2014 zu einem Sonderpreis von 19,95 EUR inkl.Versand per e-Mail oder per Fax: 030/ 2145 86 20 bestellt werden. Die Postanschrift für Bestellungen lautet:

Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
Ahornstraße 5
10787 Berlin
Tel. 030- 2145860

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |