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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

eine interessante Tagungseinladung ist der Newsletter-Redaktion in diesen Tagen auf den Tisch geflattert. Um die "kräftige Brise" des Zeitgeistes geht es den DeutschlehrerInnen an den Waldorfschulen, die sich Anfang Oktober in Osthessen zur Fortbildung treffen wollen. "Überall sind Kräfte der Polarisierung spürbar, die zum Konflikt drängen – ob in den Vorstädten von Paris, an den europäischen Grenzen, aber auch in unseren Klassenzimmern", heißt es. Ein Hinweis auf die pädagogische Haltung dazu wird auch gleich mitgeliefert: "Vor dem düsteren Hintergrund einer Denkweise des Schwarz-Weiß suchen wir als Pädagogen Auswege. Aufmerksam zu werden auf Zwischentöne tut Not".  

Dem widmet sich auf eigene Weise auch die "Lange Nacht der Anthroposophie" am 26. September 2015 im Hamburger Rudolf Steiner Haus. Unter dem Motto "Sinne – Tore zur Welt" soll ein eigener Zugang zur anthroposophischen Sinneslehre mit ihren 12 Sinnen ermöglicht werden, die unter anderem Voraussetzung zum Wahrnehmen der Zwischentöne sind.

Neben der Vielfalt unseres Sommernewsletters, der auch dramatische Themen wie den einen Schulbrand behandelt, gratulieren wir dem Waldorfalumnus Florian Zech zu seinem Bundesverdienstorden für soziales und gesellschaftspolitisches Engagement in den Townships von Kapstadt.

Schließlich berichten wir noch von weiteren Waldorfalumni und -schülern, die so gar nicht den bekannten Waldorf-Klischees entsprechen. (Auch bei "öffentlich wirken" am 16. + 17. Oktober 2015 in Bochum können Sie einige von ihnen kennenlernen und mit ihnen sprechen – es sind noch Tagungsplätze frei). Lassen Sie sich überraschen!

Viel Freude beim Lesen wünscht
Ihre Newsletter-Redaktion!

Anruf in: Neuwied – Eine Waldorfschule in Not

Fotos vom Brand: Ralf Steube



Foto: Ulf Steffenfauseweh

(CU) „Anruf in“ des Newsletters gilt diesmal einer ganz besonderen Situation, einer Waldorfschule in Not. Am 5. Juli ist das Hauptgebäude der Freien Waldorfschule Neuwied bis auf die Grundfesten abgebrannt. 150 Feuerwehrleute kamen bei dem Schulbrand zum Einsatz. In Medienberichten war bald danach von Brandstiftung die Rede, die Staatsanwaltschaft in Koblenz nahm die Ermittlungen auf. Soweit die recht dramatische Nachrichtenlage in dieser ansonsten eher beschaulichen Region im Nordosten von Rheinland-Pfalz. Die Newsletter-Redaktion sprach mit der Geschäftsführerin der betroffenen Schule, Nicole Gomber.

Frau Gomber, wie geht es Ihnen denn gerade jetzt an der Schule in Neuwied? 

Gomber: Im Grunde hat sich jetzt alles beruhigt, die Ferien haben begonnen und am letzten Tag sind alle Schüler nochmal zusammengekommen und wir haben sie mit den Zeugnissprüchen in die Ferien verabschiedet. Am 10. August beginnen die Arbeiten am Containerdorf, in das die Klassen dann einziehen sollen.

Und was ist mit den Zeugnissen? Das war ja in den Medien zu lesen, dass sie mit verbrannt sind. 

Gomber: Wir werden die Ferien brauchen, um die Zeugnisse wieder zu erstellen, der Server der Schule wurde ja gerettet von der Feuerwehr, deswegen haben die Schüler erstmal nur einen Zeugnisspruch bekommen, die Zeugnisse gibt es dann am ersten Schultag. Bis dahin soll das Containerdorf stehen, so ist unser Plan. Das alte Gebäude soll dann auch komplett abgerissen sein, wir möchten, dass die Schüler keine Ruine mehr sehen, wenn sie am ersten Schultag wiederkommen.

Es gab ja verschiedene Medienberichte zum Brand, was ist denn jetzt Ihre persönliche Theorie zur Ursache?

Gomber: Offiziell weiß ich auch nicht mehr als das, was in den Medien steht, und das ist sehr wenig, weil die Staatsanwaltschaft ja auch nichts veröffentlicht wegen des minderjährigen Tatverdächtigen. Wir haben natürlich als Geschädigte auch einen Anwalt eingeschaltet, damit wir auf dem Laufenden sind und so wurde auch geklärt, dass es keine Schüler von uns sind, gegen die ermittelt wird. Ich persönlich gehe davon aus, dass es sich um eine Unachtsamkeit handelte und nicht um vorsätzliche Brandstiftung, aber das wird sich erst zeigen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? 

Gomber: Das Feuer ist von außen entstanden am Spielhäuschen und dem Hasenstall, einer Stelle, die nicht einsichtig ist, da haben wir schön öfter mal Zigarettenkippen gefunden. Es war ja tagelang sehr heiß und trocken und an dem betreffenden Nachmittag auch extrem windig. Oben im Dach hatte das Schulgebäude eine Holzständerkonstruktion, die brennt eben sehr schnell.

Wer hat den Brand denn entdeckt?

Gomber: Ein Lehrer war in einem anderen Gebäude – wir haben ja insgesamt sechs davon – er hat Arbeiten korrigiert und den Rauch bemerkt und direkt die Feuerwehr alarmiert. Durch die Wetterlage war dann das Löschen sehr schwierig, der Wind drehte von einer Richtung in die andere, die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, dass das Feuer nicht auf die anderen Gebäude übergriff. Dabei hatten wir Glück im Unglück, denn die Gewitter sind alle vorbeigezogen. Bei einem Gewitter hätte die Feuerwehr das Löschen ganz einstellen müssen und dann wären auch die anderen Gebäude in Gefahr geraten. Wir waren alle vor Ort an dem Sonntag, auch der Oberbürgermeister von Neuwied kam schnell. Und ich muss auch sagen, von überall ist uns eine große Welle der Hilfsbereitschaft entgegengebracht worden, auch außerhalb der Schulgemeinschaft, von der Nachbarschule, von den Behörden – die ganze Stadt war geschockt.  

Weil Sie vorhin den Hasenstall erwähnt haben – konnten die Tiere gerettet werden?

Gomber: Ja, die Tochter einer Schulmitarbeiterin hat die Hasen geborgen. Das war auch ganz wichtig für unsere kleinen Schüler, eigentlich die wichtigste Nachricht, dass den Häschen nichts passiert ist. Die Schüler waren sehr betroffen, als sie das abgebrannte Schulhaus sahen. Einer der Schüler hat es auch bei unserer Abschiedsfeier sehr schön formuliert – dieses Gebäude war schon das Herzstück unserer Schule. 

Und wie geht es jetzt genau weiter?

Gomber: Ziemlich schnell nach dem Brand habe ich den Architekten eingeschaltet, der die Bauleitung für unsere Mensa hatte und er hat sich auch direkt Zeit genommen und uns unterstützt bei der Planung für das Containerdorf – das muss ja auch geplant und genehmigt werden – und auch direkt schon mit den Arbeiten für einen neuen Entwurf begonnen, zusammen mit dem Kollegium. Da besteht ein gewisser Zeitdruck wegen der sogenannten Betriebsunterbrechungsversicherung, die nur 18 Monate lang die Kosten übernimmt. Wir werden bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember der Schulgemeinschaft dann die Pläne vorstellen und wenn alles so läuft wie geplant, könnten wir im Januar schon mit dem Neubau anfangen.

Noch eine Frage zum Schluss – wie hoch ist denn jetzt genau der Schaden?

Gomber: Die Gutachten sind noch nicht zu einer endgültigen Einschätzung gekommen, aber nur für das Gebäude, ohne Inventar und andere Kosten, wie z.B. denjenigen für das Containerdorf, wird die Schadenssumme auf ca. zwei Millionen Euro beziffert.

Vielen Dank für die ausführliche Information – wir waren auch sehr geschockt und haben uns gefreut, dass wir die Schule sofort unterstützen konnten, wenigsten zunächst in der Öffentlichkeitsarbeit.

Gomber: Es war für uns auch eine große Hilfe, dass wir auf die Beratung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BdFWS zurückgreifen konnten, denn ich hatte ja sofort ganz viele Medien hier am Telefon. Das war mir gar nicht so bewusst, dass wir Sie in so einem Fall ansprechen können, aber jetzt weiß ich es.

Dann alles Gute für Sie und die Schule – vor allem einen guten Start ins neue Schuljahr! Wir fügen noch das Spendenkonto bei, vielleicht wollen  ja auch noch andere helfen...

Spendenkonto:

IBAN DE 85 5745 0120 0030 2637 35
BIC  MALDE51NWD
Sparkasse Neuwied
Kto Nr. 302 637 35
BLZ 574 501 20

Comedy-Queen und Tennis-Champion aus der Waldorfschule

Idil Baydar & Figuren (Quelle: Pressefoto idilbaydar.de)

(CU) "WaldorfschülerInnen sind weltfremd und werden nicht richtig aufs Leben vorbereitet. Das kommt daher, weil in der Waldorfschule eine Kuschelpädagogik praktiziert wird, bei der vor allem Fächer wie Stricken und Basteln zählen". Vorurteile wie diese halten sich hartnäckig, man liest und hört sie immer wieder.

Gerade in letzter Zeit machten WaldorfschülerInnen in der Öffentlichkeit von sich reden, die den beschriebenen Klischees in keiner Weise Rechnung tragen. Allen voran Stanislas Wawrinka (30), der Schweizer Tennischampion, der vor kurzem das French Open in Paris gewonnen hat. Ein Spitzensportler, bei dem die Medien immer wieder seine Jugend auf dem Biobauernhof hervorheben. In den Sportgazetten wird dann darüber raisonniert, wie der ehemalige Waldorfschüler die beiden Welten zusammenbringt: Die sozialtherapeutische Gemeinschaft, in der er aufgewachsen ist und in der Helfen im Mittelpunkt steht auf der einen, und die des gnadenlosen Leistungssports auf der anderen Seite. Seine Eltern, die in der Gemeinschaft einen Biohof betreiben, sieht man auf den Pressefotos stets auf der Tribüne sitzen bei seinen Spielen.

Zu den „anderen Waldorfschülern“ gehört sicherlich auch Idil Baydar (39), die mit ihrer deutsch-türkischen Comedyfigur Gilet Ayse zunächst im Internet erfolgreich war. In Minutenschnelle verwandelt sich Baydar in die alles andere als softe Neuköllner Ghettobraut und sagt genau die Plattheiten, die alle von ihr erwarten. Eine zweite Kunstfigur, die sie darstellt, ist eine urdeutsche Rentnerin. So nimmt Baydar die wechselseitigen Klischees zwischen Türken und Deutschen kräftig auf die Schippe. Durch Humor etwas verändern ist ihr Motto. Ihr neues Bühnenprogramm „Deutschland, wir müssen reden“ ist derzeit in verschiedenen Städten zu sehen. Baydars Eltern sind türkische Einwanderer, sie wuchs in Celle bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf und besuchte die Waldorfschule bis zur 11. Klasse, bis sie nach Berlin zog.

Weltweite Popularität kann eine frühere Waldorfschülerin aus Kassel verbuchen: Durch ihre Rolle im türkischen TV-Epos „Muhtesem Yüzyil" (Das wunderbare Jahrhundert) wurde Meryem Uzerli (31) über Nacht zum Filmstar. 350 Millionen Zuschauer in 60 Ländern sahen Medienberichten zufolge die 100 Folgen der erfolgreichen Fernsehserie zur Geschichte der Türkei, die aus der Sicht der Frauen erzählt wird. In der Serie spielt Uzerli Hürrem Sultan, die Frau des Osmanischen Sultan Süleyman, für diese Rolle erhielt sie zahlreiche Preise. Der türkische Präsident Erdogan hatte die Serie als „unterträgliche Verunglimpfung der großartigen osmanischen Geschichte“ kritisiert, was aber ihren Siegeszug in und außerhalb der Türkei nicht aufhalten konnte. Uzerli, die aus Berlin stammt und Türkisch noch nachlernen musste für die Rolle, wurde aus 2.000 BewerberInnen ausgesucht.

Und nicht zuletzt widerlegen immer wieder WaldorfschülerInnen, die im naturwissenschaftlichen Bereich erfolgreich sind, das Bild vom „Basteln und Stricken.“ Zuletzt war es Lumen Haendler, der einen ersten Platz im bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“ in der Kategorie Chemie belegte. Der 18-jährige Schüler der Waldorfschule Überlingen spielt Waldhorn, betreibt Taekwondo und hat einen „ausgeprägten Hang zu Technik, Informatik und Forschung“, wie der Südkurier schreibt.

Ein neues "Waldorfklischee" vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Waldorf-Alumni und -schüler könnte also lauten: sportlich, humorvoll, weltweit erfolgreich, technisch und naturwissenschaftlich begabt und mitten im Leben...

Am Zeugnistelefon – ein Erfahrungsbericht

Anita Allmannsberger (Quelle: DKSB)

(CU) Auch zu diesem Schuljahrsende waren sie in allen Bundesländern wieder freigeschaltet, die Zeugnistelefone, an denen sich verzweifelte Schüler und Eltern Rat holen konnten. Die Newsletter-Redaktion wollte einmal wissen, wie die Beratung an einem Zeugnistelefon abläuft. Wir fragten die Familientherapeutin Anita Allmannsberger, die seit mehr als 15 Jahren das Zeugnistelefon beim Kreisverband des Kinderschutzbunds in Burghausen-Altötting in Bayern betreut.

Frau Allmannsberger, wie ist denn die Tendenz? Wird das Zeugnistelefon heutzutage mehr genutzt?

Allmannsberger: Die Tendenz ist gleichbleibend. Allerdings melden sich kaum Kinder und Jugendliche, es sind eher Eltern oder Großeltern, die anrufen. Wir haben ja zwei Termine, zu denen das Telefon geschaltet ist: wenn die Zwischenzeugnisse ausgeteilt werden und am Schuljahresende zu den Jahreszeugnissen. Verändert hat sich etwas anderes: Die Eltern oder Großeltern, die anrufen, haben regelrecht Angst, dass das Kind die weiterführende Schule nicht schafft. Für viele Eltern ist es nicht tragbar, dass das Kind diese Leistung nicht bringt.

Um welche Schulstufe geht es denn da?

Allmannsberger: Das fängt schon in der zweiten oder dritten Klasse der Grundschule an. Da wird dann gefragt, was könnten wir tun, damit das Kind den Übertritt in das Gymnasium schafft. Oder das Kind oder der Jugendliche ist schon auf dem Gymnasium und die Eltern haben Sorge, dass ihr Kind die Anforderungen dort nicht erbringen kann. Das Gymnasium wird als das Erstrebenswerte angesehen, die Eltern haben teilweise große Angst, dass das Kind später mal keine Berufsausbildung bekommt, als Arbeitsloser endet oder Hartz IV-Empfänger wird, wenn es nur die Haupt- oder Realschule besucht hat. Eltern fällt es oft schwer einzusehen, dass eine andere Schulform für ihr Kind besser wäre und dass „mehr lernen“ oft nicht den gewünschten Erfolg hat. Und dann ist da noch das Nachbarskind, das aufs Gymnasium geht oder die Verwandtschaft, die meint, es müsste es doch schaffen... Eltern und Kinder stehen oft unter einem besonders hohen Druck, allen Anforderungen und Ansprüchen gerecht zu werden.

Wie reagieren Sie denn auf diese Ängste?

Allmannsberger: Wir versuchen die Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Kind vielleicht auch andere Begabungen hat als Mathematik oder Deutsch, vielleicht ist es ja ein talentierter Künstler oder Sportler zum Beispiel. Die Frage ist doch auch, was macht das mit dem Kind, wenn solcher Druck ausgeübt wird, der treibt das Kind manchmal in eine Sackgasse. Ich hatte auch schon einen Fall, da hat das Kind seinen Suizid angekündigt. Man muss allerdings sagen, es gibt auch viele Familien, die das nicht so sehen, in der Beratung hat man eben immer nur die besonderen Fälle, die glücklichen melden sich nicht.

Werden auch andere Probleme angesprochen?

Allmannsberger: Ein zweites Thema ist die Kommunikation mit den Lehrern, da gibt es oft ganz verhärtete Fronten, z.B. wenn die Versetzung gefährdet ist und die Eltern es nicht einsehen. Sie haben oft ein ganz anderes Bild von ihrem Kind als die Lehrer. In solchen Fällen bieten wir hier vom Kinderschutzbund auch Gespräche mit allen an, um die Situation zu entspannen. Ein weiteres Thema sind die nicht erkannten Teilleistungsstörungen, wenn ein Kind z.B. Legastheniker ist und niemand hat es bisher gemerkt. Dann sind ganz andere Fördermaßnahmen notwendig.

Wenn ich das zusammenfasse, was Sie bisher gesagt haben, dann kommt der Druck auf die Kinder gar nicht so sehr von den Schulen, sondern vielfach von den Elternhäusern?

Allmannsberger: Die schulischen Leistungen sind heute so wichtig geworden, es gibt Elternhäuser, die zerbrechen fast an diesem Problem. Hier beobachte ich schon einen Wandel, aus meiner Sicht wird an den  Schulen inzwischen mehr auf die Kinder geschaut, wie es ihnen geht und wie sie alles psychisch verkraften. Die Schule hat in manchen Familien eine Bedeutung, die sie so nicht haben sollte. Da gibt es gar keine Entspannung mehr.

Kann es auch daran liegen, dass die Kinder inzwischen so etwas wie Prestigeobjekte geworden sind für manche Eltern?

Allmannsberger: Ich komme viel herum, ich sehe das schon in den Kindergärten, die Kinder sind kognitiv sehr entwickelt, aber das soziale Miteinander, das ist gar nicht ausgebildet. Das ist eine Entwicklung, die mir gar nicht gefällt. Kind sein heißt ja auch spielen, Freunde treffen, neugierig sein – das bleibt bei einer solchen Haltung auf der Strecke. Ich habe die Hoffnung, dass sich das doch nochmal ändert. Diese Sorgen muss man sich eigentlich nicht machen, die Kinder kommen schon dahin, wo sie hin wollen. Unsere Kinder brauchen die Unterstützung, die Fürsorge, den Halt und die Liebe der Eltern und dann werden sie schon ihren „eigenen Weg“ gehen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch! 

Wasserforscher werden

Quelle: momosu /photocase.com

(CMS) Wasser ist für uns überlebenswichtig und wir alle wissen, dass es gilt, sauberes Wasser in der Welt zu schützen und zu erhalten und dabei zählt jeder Tropfen. Um bereits Schulkinder für diese Thematik zu sensibilisieren, wurde das kostenlose, handlungsorientierte Bildungsprogramm "Wasserforscher" ins Leben gerufen. Es befähigt SchülerInnen auf der ganzen Welt dazu, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte des globalen Wasserverbrauchs zu verstehen, zukunftsorientierte Handlungsstrategien zu entwickeln und eigenes Verhalten zu reflektieren.

Teilnehmen können alle SchülerInnen zwischen 8-14 Jahren, entweder gemeinsam als Klassenverbund innerhalb eines der Unterrichtsfächer wie Geographie, Biologie, Chemie, Sozialkunde, Medienkunde oder Fremdsprachen oder in einer kleineren Gruppe im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft oder Projektwoche.

Auf der interaktiven Website können die Teams nach Anmeldung aus vier Wasserthemen verschiedene Aktionen auswählen und umsetzen. Dort finden sich weitere Hintergrundinformationen, Materialien und detaillierte Aktionsbeschreibungen sowie die Dokumentation der Ergebnisse in Form von Blogeinträgen und Fotos. Auch der Austausch mit teilnehmenden Schulen aus anderen Ländern ist möglich.

Da das Projekt vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) unterstützt wird, erhalten alle Schulteams nach Durchführung ihrer Aktionen ein UNEP-Zertifikat. Die besten Teams werden eingeladen, ein Wasserfestival durchzuführen und ihre Aktivitäten einem erweiterten Kreis vorzustellen. Die besten
Schulen auf nationaler und internationaler Ebene erhalten ebenfalls eine
Auszeichnung.

Spiritualität bei Kindern – Buchrezension

Buchcover

Loebell, Peter/Buck, Peter (Hrsg.): Spiritualität in Lebensbereichen der Pädagogik
Diskussionsbeiträge zur Bedeutung spiritueller Erfahrungen in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen
330 Seiten, 39,90 €
Leverkusen 2015

Es ist den Herausgebern und der Verlegerin zu danken, dass sie eine Publikation über Pädagogik und Spiritualität auf den Markt gebracht haben, ist doch der Begriff Spiritualität mit dem Geruch behaftet, eine Sondersparte der Religion, Frömmigkeit oder gar Esoterik zu sein und mithin nicht in den normalen Unterricht zu gehören.

Doch hier geht es nicht um die Vermittlung von Dogmen oder religiöse Infiltration, sondern „Spiritualität ist Aufmerksamkeit“ (F. Steffensky, 75ff.). Das bedeutet konkret, jenseits von Lernstandserhebungen, die Person der Schülerin und des Schülers in den Blick zu bekommen und auch als LehrendeR oder ErziehendeR für die SchülerInnen als Individuum erkennbar zu werden. „Junge Menschen brauchen nichts dringlicher, als dass andere sich ihnen zeigen und sie in ihrem Gesicht und in ihren Lebenskonturen erkennbar werden. Lehren heißt zeigen, was man liebt“ (83). Auch E. Hübner gibt sich zurückhaltend: „Spiritualität heißt sicher nicht, dass man sich in einem mystischen Wohlgefühl bewegt…(sie) ist wohl in der Regel eher das bescheidene Gewahrwerden eines zunächst Verborgenen innerhalb der gegebenen Wahrnehmung“(267).

Wenn man davon ausgeht, dass es keinen Konsens gibt über die Erkenntnis der Wirklichkeit, kann Spiritualität als Einübung in vertiefte Wirklichkeitserfahrung angesehen werden, die mit religiösen Vorstellungen kompatibel ist, aber auch unabhängig davon praktiziert werden kann.

Das mag sich etwas abstrakt anhören, aber die  unterschiedlichen Beiträge gehen z. T. sehr detailliert auf den (hauptsächlich schulischen) pädagogischen Alltag ein. A. Schmelzer etwa (leider fehlen zu allen Autoren nähere Angaben!) schreibt über Gewissensbildung im Geschichtsunterricht, E. Hübner über Spiritualität und technische Medien, M. Toepell über die spirituelle Dimension mathematischer Bildung, I. Classen-Bauer über die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für benachteiligte und Not leidende Kinder, um nur einige Beispiele aus 20 zum größten Teil sehr praxisnahen Beiträgen zu nennen.

Noch einmal Steffensky: „Die Welt interpretieren können und Gewissen haben, das ist der Grundsinn von Spiritualität“ (79). Diejenigen, die in diesem Sinne spirituell unterwegs sind, „werden ungleichzeitig mit der Gegenwart, sie sind nicht mehr nur Hiesige und Heutige; sie werden Fremde im eigenen Land, und so erst vermögen sie mit offenen Augen das eigene Land zu sehen.“ (ebenda).

Viele der AutorInnen sind der Waldorfpädagogik verbunden und sind sich der Umstrittenheit dieses Konzeptes bewusst. Daher werden im letzten Teil, „Epistemische Einordnung“, Möglichkeiten der Anschlussfähigkeit an die wissenschaftliche Auseinandersetzung vorgestellt.

Lehrende, die in Kindern und Jugendlichen mehr sehen als zu belehrendes und zu benotendes Humankapital, werden aus den Beiträgen großen Nutzen ziehen können, auch wenn sie sich weder der Anthroposophie, noch der Waldorfpädagogik, noch einer Religion verbunden fühlen.

Wir haben die verschiedenen Beiträge der Publikation gerne gelesen und empfehlen es allen, die daran interessiert sind, Kindern und Jugendlichen noch einmal anders und neu zu begegnen und mit ihnen und mit sich selbst existentielle Erfahrungen zu machen.

Sigrid Tschöpe-Scheffler und Helmut Tschöpe
(Selbst AutorInnen von "Große Kraft in kleinen Dingen. Spiritualität im Zusammenleben mit Kindern", Ostfildern 2012)

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