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Liebe Leserinnen und Leser,

wir alle freuen uns, dass der Frühling nun endlich da ist, es draußen grünt und blüht und die Sonne uns mit ihrer Wärme wieder verwöhnt. Auch die Anwesenheit von Jugendlichen trägt an vielen Orten zum "Blühen" bei, wie zum Beispiel kürzlich am Goetheanum in Dornach oder auch im Freien Jugendseminar Stuttgart. Sie kommen aus vielen Ländern der Welt – aber ihre Fragen sind doch überall dieselben: Wie können Menschen zu einer Gemeinschaft werden und damit überall in Frieden zusammenleben? Und wie findet der Einzelne seinen Platz in der Welt und den Sinn, der sein Leben über den Alltag hinaus erfüllt?

"Verbundenheit" war das große Zauberwort, das viele dann von der Schülertagung mit nach Hause nahmen – mit der Welt, den Mitmenschen, der Natur und mit sich selbst durch den Blick in die eigene Innenwelt. 

Zu vielfältigen (Ver-)Bindungen möchte auch unser Newsletter anregen: neben dem Jugendthema geht es dieses Mal um den Artenschutz, um das öffentliche Wirken und um ein besonderes Mutter-Kind-Verhältnis.

Viel Freude beim Lesen wünscht
Ihre Newsletter-Redaktion!

3 Fragen an... Alexander Schupp

1. Was genau ist Ihre Aufgabe in der Waldorfwelt?
Ich bin seit April vergangenen Jahres vom Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) damit beauftragt, Menschen, die an Waldorfschulen als Lehrer tätig sein möchten, dabei rechtlich zu unterstützen. Dabei geht es im wesentlichen um die Frage der richtigen Ausbildung für die gewünschte Unterrichtstätigkeit. Dies ist nicht nur eine Angelegenheit persönlicher Vorlieben, sondern immer auch mit rechtlichen Fragen verbunden, da es in Deutschland 16 unterschiedliche Schulgesetze mit teilweise sehr eigenen Regelungen zur Lehrbefähigung an Schulen in freier Trägerschaft gibt. In diesem Bereich stehe ich auch den Schulen für deren Fragestellungen zur Verfügung, wenn es z.B um die Beurteilung der Qualifikation neu einzustellender Lehrer geht oder es Meinungsverschiedenheiten mit den zuständigen Behörden über die Eignung eines Lehrers gibt. Weiterhin stehe ich in Kontakt mit Seminaren und anderen Ausbildungsstätten, die Waldorflehrer ausbilden und berate sie im Hinblick auf die genehmigungsrechtlichen Anforderungen an die Ausbildungsgänge. Insoweit ist auch das Hochschulrecht Teil meiner Tätigkeit für den BdFWS.
 
Neben dieser sehr umfassenden und ausfüllenden Tätigkeit berate ich – als Rechtsanwalt in einer auf geistige Schutzrechte ausgerichteten Kanzlei – den BdFWS auch in markenrechtlichen Fragestellungen. Hier geht es im wesentlichen darum, der missbräuchlichen Nutzung der Namen „Waldorf“ und „Rudolf Steiner“ durch Dritte entgegenzuwirken und so auch den gemeinsam erarbeiteten guten Ruf unserer Einrichtungen zu schützen.

2. Woran arbeiten Sie gerade?
Derzeit bearbeite ich zahlreiche neue Anfragen von Menschen, die sich für die Waldorfpädagogik interessieren und sich über Ausbildungsmöglichkeiten in dem Bereich informieren möchten. Viele davon haben bereits ein Staatsexamen für das Lehramt an staatlichen Schulen bestanden, können sich aber dennoch eine Tätigkeit im staatlichen Schulsystem nicht vorstellen und suchen nach Alternativen, die die Individualität der Schüler stärker in den Mittelpunkt stellt und dem Lehrer pädagogische Freiheiten lässt. Dies führt sie zu den Waldorfschulen.
 
Im Bereich des Markenrechts geht es derzeit darum, den markenrechtlichen Schutz für unsere Einrichtungen abzusichern, was z.B. im Wege von Lizenzverträgen erreicht wird, die jedoch nicht in die pädagogischen und geistigen Freiheiten der handelnden Menschen vor Ort eingreifen sollen. Hier geht es vor allem darum, den Sinn und Inhalt des Markenrechts zu kommunizieren, was zunehmend zu gelingen scheint.
 
3. Wie sieht Ihre Zukunftsvision für die Waldorfpädagogik aus?
Als Nicht-Pädagoge steht mir zu dieser Frage eigentlich keine Antwort zu. Als ehemaliger Schüler und heutiger Vorstand einer Waldorfschule wünsche ich mir allerdings für die Schulbewegung, dass die Zusammenarbeit im BdFWS weiterhin aktiv gestaltet und noch intensiviert wird, da nach meiner Überzeugung nur in der Gemeinschaft das Ziel der rechtlichen und finanziellen Gleichstellung mit den staatlichen Schulen und die Bewahrung des eigenen pädagogischen Profils in einer zunehmend von ökonomischen Interessen dominierten Bildungslandschaft erreichbar sein wird. Insbesondere die Lehrerausbildung wird in den kommenden Jahren eine bedeutende, wenn nicht sogar überlebenswichtige gemeinsame Aufgabe sein, die keine Einrichtung alleine wird bewältigen können. Wir haben also allen Grund für praktizierten Gemeinsinn!

Anruf in: Frankfurt/Main – Die größte Waldorfschule

Hauptgebäude der Frankfurter Schule
Im Werkhaus bieten sich viele Möglichkeiten
Die Bibliothek ist das "soziale Herz"

(CU) Die derzeit größte unter den deutschen Waldorfschulen mit 957 Schülern ist nicht in Berlin, Hamburg oder München zu finden, sondern im Rhein-Main-Gebiet: „Anruf in“ gilt heute der Freien Waldorfschule Frankfurt. Die Newsletter-Redaktion sprach mit Geschäftsführerin Eva Wörner, die seit rund zehn Jahren an der Schule tätig ist. Sie ist auch eine ehemalige Schülerin.

Mit unseren letzten beiden Interviews erreichten wir kleinen Schulen entweder auf dem Land oder in einer Grenzlage, Ihre Schule ist dazu ein echtes Kontrastprogramm, was meinen Sie?

Wörner: Mit rund 90 Lehrern, ca. 40 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 8,5 Mio. EUR sind wir schon so etwas wie ein mittelständisches Unternehmen. Wir haben allein acht Mitarbeiter in der Verwaltung und sieben Festangestellte in der Schulküche. 

Die Schulküche fällt einem als „Wirtschaftsbetrieb“ schon auf der Homepage der Schule auf. Wie viele Essen werden denn da täglich gekocht?

Wörner: Die Schulküche liefert täglich im Schnitt vierhundert Essen, Hort und Kindergarten mitgezählt. Das sind andere Dimensionen als an einer kleinen Schule. Inzwischen müssen wir da sehr genau unterscheiden zwischen dem Zweckbetrieb Schule und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, und dass man das nicht mehr so handgestrickt abwickeln darf. Die Finanzämter schauen schon sehr genau hin bei gemeinnützigen Einrichtungen. Die Essen für die Schüler und Lehrer kocht die Schulküche als Zweckbetrieb, Mahlzeiten für Gäste, z.B. Eltern gehören in den Wirtschafsbetrieb, sie müssen gesondert aufgeführt und versteuert werden. Das wird alles immer komplizierter, das liegt wohl auch an Gesetzesänderungen.

Heißt die hohe Essenszahl auch, dass Sie eine Ganztagsschule sind?

Wörner: Ja, eine sogenannte offene Ganztagsschule, die freiwillig ist. Hier gibt es Betreuung ab der fünften bis zur siebten Klasse. Die Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse kommen am liebsten zum Spielen und zur Hausaufgabenbetreuung in das sogenannte Hausboot, so heißt dort unsere schulinterne Nachmittagsbetreuung von 11 bis 13 Uhr. Viele Schüler haben schon außerhalb der Schule Verpflichtungen, wie Musikunterricht oder Sport. Außerdem gibt es noch den Hort, der ist allerdings ein eigener Verein auf unserem Gelände. Er betreut ebenfalls Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse den ganzen Tag über.

Frankfurt ist ja diejenige deutsche Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil, wie wirkt sich das auf Ihre Schule aus?

Wörner: Die Eltern mit Migrationshintergrund finden nicht den Weg zu uns, nur ein ganz geringer Anteil unserer Schüler gehört zu dieser Gruppe. Es gibt aber andere ausländische Eltern, die aus beruflichen Gründen aus dem Ausland nach Frankfurt kommen, Engländer oder Spanier, die eine Waldorfschule suchen. Solche Anfragen haben wir immer öfter. Die Waldorfschule ist eine von vielen Blumen im bunten Strauß von freien Schulen in Frankfurt, es gibt ein Riesenangebot, bilinguale, japanische z.B. Das ist sicher auch der Grund, warum wir keine zweite Waldorfschule hier haben.

Was sind denn pädagogische Schwerpunkte?

Wörner: Ein Schwerpunkt ist auf jeden Fall die Musik, wir haben ganz tolle Orchester auch bei den kleinen Schülern, außerdem Chöre, die mit den Orchestern gemeinsame Konzertprojekte durchführen. Das ist schon beeindruckend, wenn da 80 Personen auf der Bühne stehen. Außerdem haben wir alle künstlerischen Fächer in einem Werkhaus zusammengefasst. Wir hatten auch schon überlegt, dort Ausbildungen anzubieten, für die Schüler, die kein Abitur machen wollen, aber die Genehmigungsverfahren dafür sind sehr schwierig. Und bundesweit bekannt ist ja wohl auch unsere Bibliothek mit ihren rund 16.000 Büchern und CDs. Da findet sich alles – vom Bilderbuch bis zum Speziallexikon.

Wie ist sie denn entstanden?

Wörner: Eine Sprachlehrerin, Barbara Schad, hat sie aufgebaut und betreut sie auch heute noch im Alter von 70 Jahren. Ein Teil der Bücher wurde gespendet, wir haben aber auch ein Budget, um regelmäßig welche dazu zu kaufen. Die Bibliothek ist eine Art soziales Herz der Schule. Da sitzen die Abiturienten an den zwölf PCs und arbeiten, auf dem Sofa findet sich ein krankes Kind mit Wärmflasche und ich bekomme immer einen Kaffee, wenn ich reinkomme....

Apropos PC – es ist sicher kein Zufall, dass mit Ihrem Oberstufenlehrer und Experten Dr. Edwin Hübner das Thema Medienpädagogik u.a. von Frankfurt aus für die deutschen Waldorfschulen entwickelt worden ist, oder ?

Wörner: Frankfurt ist eine progressive Schule, wir müssen uns hier den Fragen der Stadt stellen, die bestimmt ist von Banken, von Werbung usw. Wir sind hier alles andere als eine heile Welt. Wir haben zwar einen Schulgarten, aber keine grüne Wiese, alles ist umbaut von der Stadt, es gibt auch kein Gelände für eine Erweiterung.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft der Schule?

Wörner: Unser großes Thema ist der Generationenwechsel bei den Lehrern, wir brauchen in den nächsten zehn Jahren fünfzig neue Kollegen und es ist die Frage, wie wir sie finden sollen. Wir arbeiten an einem Personalentwicklungsplan und befassen uns gerade mit Einarbeitungsmodellen, die gewährleisten sollen, dass niemand wieder abbricht, der einmal angefangen hat. In unserem berufsbegleitenden Seminar hier in Frankfurt sind derzeit 20 Studierende, aber man weiß nie, ob die Absolventen auch hier bleiben wollen – Frankfurt ist ein teures Pflaster. Wir stehen schon vor einer großen Herausforderung und wollen in Zukunft eng mit dem Kasseler Seminar und dem Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität in Mannheim zusammen arbeiten. Aber ich bin optimistisch: der Zuzug ist immens, angeblich kommen pro Tag 70 neue Menschen dazu im Rhein-Main-Gebiet....

Dann hoffen wir, dass da auch viele Waldorflehrer oder Interessenten für den Beruf dabei sind! Vielen Dank für das Gespräch. 

450 WaldorfschülerInnen aus aller Welt zu Gast am Goetheanum

(MM) Was verbindet uns? What connects us ? Das Schicksal, ein Ideal, die Sprache, die globale Wirtschaft, die Kunst, die Schule oder einfach das Zusammenleben? Auf den ersten Blick schienen die sonnigen Wiesen rund um das Goetheanum von einem Open Air Festival belagert: Liedergesang und Klampfenmusik waren zu hören, Akrobatik und Jonglage zogen die Blicke auf sich, Hängematten und Schlafsäcke wurden in den Bäumen aufgehängt. Dazu erklang auf dem Hügel ein fröhlich-lachendes deutsch-englisch-portugiesisches Sprachengemisch.

Auf dem Programm freilich standen ernste Fragen: Die Jugendsektion am Goetheanum hatte zusammen mit der Schülervertretung im Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) vom 12. bis 16. April zu einer internationalen Schülertagung eingeladen. 450 TeilnehmerInnen aus zehn Ländern waren gekommen, die meisten aus Deutschland, eine große Gruppe aus Brasilien, kleinere aus Japan, von den Philippinen, Österreich und Australien. In den Vorträgen von Constanza Kaliks (Leiterin der Jugendsektion), Nana Goebel (Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners) und Klaus-Peter Freitag (BdFWS) ging es um die grundlegende Frage, was Menschen verbindet

Auch der bekannte Autor und Politiker, Dr. Ha Vinh Tho, sprach auf der Tagung, er war via Skype aus dem Königreich Bhutan im Himalaya zugeschaltet, wo er als Berater des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden tätig ist. Sein Vortrag hatte den Titel „Leben in der Gegenwart – Erfindung der Zukunft“. Er erläuterte den Jugendlichen die neue Definition von Entwicklung, die die Regierung für Bhutan formuliert hat. Sie basiert auf der Erhaltung der Umwelt, der Nachhaltigkeit und der Verbindung mit der Natur. Außerdem sollen alle Entscheidungen so getroffen werden, dass sie keine Belastungen nachfolgender Generationen mit sich bringen

Der „declaration of independence“ der Vereinigten Staaten setzte Ha Vinh Tho seine „declaration of interdependence“ entgegen, alles Lebende sei untereinander verbunden. Die Ursachen für die derzeitigen weltweiten Krisen sieht er auf verschiedenen Ebenen des Nicht-Verbundenseins: zwischen Mensch und Natur, zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen den einzelnen Menschen und, nicht zuletzt, auch die „disconnection from ourselves“. Einer großen Fülle von Wissen über die äußere Welt stehe eine ebenso große Ignoranz des inneren Lebens gegenüber. Ohne den Blick nach innen werde es aber keine Lösungen für die Probleme unserer Zeit geben, betonte er.

Ob Future Lab, Medienfreiheit, Poetry Slam oder Quantenphysik, ob Theater, Grundeinkommen, Bothmergymnastik oder Globalisierung, Singen, Eurythmie, ethischer Individualismus oder Zukunft der Schule, die angesprochenen Themen fanden regen Zuspruch bei den Jugendlichen, sowohl in Arbeitsgruppen als auch in Workshops. Regelrecht erobert wurde das Goetheanum dann von den abendlichen Vorstellungen. Hier begeisterten Freiburger Schüler mit einem eurythmisierten Schumann-Stück und eine temperamentvolle und farbenfrohe Darstellung des brasilianischen Schöpfungsmythos ebenso wie die »bösen Geister« Dostojewskis von theater total oder das  »Duo Libero« mit seinen Clowns. Bis in die Nacht hinein waren auf der Open Stage Darbietungen von jungen Menschen zu sehen und zu hören, hielten Trommeln und Gesang das beschauliche Dornach in Atem.

Wie immer wieder von den TeilnehmerInnenn hervorgehoben, hatten sich die SchülerInnen aus aller Welt fünf Tage lang als Gemeinschaft erlebt – eine globale Waldorf community, die sich vorgenommen hat, auch über die Tagung hinaus in Verbindung zu bleiben.

Orientierung finden in der Vielfalt der globalisierten Welt

(CU)  Das Freie Jugendseminar Stuttgart liegt ganz oben auf einem Hügel im Osten der Stadt nicht weit von der Uhlandshöhe – man sieht  über den Stadtteil Gablenberg und auch hinaus ins obere Tal des Neckar. Zwei Dutzend Jugendliche  sind gerade dabei, von dieser Höhe aus einen Blick auf ihr Leben zu werfen und Orientierung für ihren weiteren Weg zu finden.

Die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland, die anderen aus vielen Ländern der Welt, zur Zeit aus Japan, Korea, Georgien, der Schweiz und Österreich. Die SeminaristInnen leben als  interkulturelle WG zusammen in dem gelb gestrichenen Altbau, der eingebettet ist in einen liebevoll gehegten Garten. Das große Haus bietet auf zwei Etagen neben den privaten Zimmern auch Raum für gemeinsame Mahlzeiten, Begegnung und Austausch. Oft sind von irgendwoher Klaviermelodien, Singen, Pfeifen oder vielsprachige Stimmen zu vernehmen.

Wie kommt man nun aus dem Süden Japans hierher ins Jugendseminar? Daiki (24), seit September 2014 Seminarist, berichtet: „Durch die anthroposophische Gesellschaft in Tokyo bin ich aufmerksam geworden. Das Seminar ist bekannt bei den Waldorfschülern in Japan, da kommen immer wieder junge Leute nach Stuttgart. Für mich war es wichtig, etwas Künstlerisches zu machen – auch, um mehr innere Kraft zu entwickeln. Ich dachte, da ist eine wissenschaftliche Ausbildung nicht das Richtige.“ Franziska (19) aus München ist zeitgleich mit Daiki angekommen: „Ich habe großes Glück gehabt, den Flyer des Seminars zu finden. Ich war nach der Schule auf der Suche, wer bin ich und was will ich in der Welt? Außerdem wollte ich etwas mit Anthroposophie machen. Vielleicht auch etwas Waldorf nachholen – mein Bruder war auf der Waldorfschule, bei mir hatte das leider nicht geklappt.“ Anthroposophisches Gedankengut kannte sie durch ihren Vater, im Jugendseminar hoffte sie auf eine Vertiefung.

Das Jugendseminar, das vor rund 50 Jahren auf Wunsch von Jugendlichen eingerichtet worden ist,  bietet Orientierung nach der – heute eher altmodischen – Art eines Studium Generale: Mit Kunst, Schauspiel, Eurythmie, Musik, Bothmer-Gymnastik und einer Einführung in die Anthroposophie sollen die Jugendlichen zu sich selbst und zu ihrer Aufgabe in der Welt finden. Zum Programm gehören außerdem die Morgenkurse mit wöchentlich wechselnden Themen und Dozenten, dazu berufspraktische Anteile, hier arbeitet das Jugendseminar mit Ausbildungsstätten in der näheren Umgebung und auch mit dem Campus A Projekt zusammen.   

Die Förderung der sozialen Kompetenzen nimmt neben dem Studium einen großen Raum ein, wie Daiki und Franziska berichten: „Zu unserem Stundenplan gehören auch gemeinsame Aktionen, z.B. Saubermachen im ganzen Haus oder auch Bauwochen, in denen wir die Möglichkeit haben, Dinge am Gebäude zu verändern, zu erneuern oder selbst zu gestalten.“ Beide loben die gute Atmosphäre, die zwischen den jungen Leuten und den Dozenten herrsche, es sei eine „offene und warme Stimmung“, dies schließe nicht aus, dass bei einer solchen Vielzahl verschiedener Persönlichkeiten schon auch einmal Konflikte auftreten. Die Begegnungen seien intensiver als anderswo und beide haben die Hoffnung, dass sie ihre Mit-SeminaristInnen später einmal wiedertreffen – vielleicht irgendwo aktiv in der anthroposophischen Bewegung. Nach Beginn des zweiten Trimesters haben beide sich für eine Richtung entschieden, die sie nach dem Jugendseminar einschlagen wollen: Bei Daiki ist es die Musik, bei Franziska ein pädagogischer Beruf. „Es ist ein guter Ort, um sich mit sich und der Welt auseinander zu setzen“, ziehen beide das Fazit ihres Aufenthalts.

Finanziert wird das Jahr – das auch verlängert werden kann – zu zwei Dritteln von den SeminaristInnen selbst, die inklusive Zimmer und Verpflegung ca. 700 EUR im Monat aufwenden müssen. Den Rest steuern Sponsoren bei. Bisher kommen die finanziellen Mittel hauptsächlich von Stiftungen, aber der Geschäftsführer des Jugendseminars, Hans-Jörg Barzen, bemüht sich zusätzlich um Fördermitgliedschaften. „Wenn viele Menschen nur einen kleinen Betrag im Jahr geben, können wir jungen Leuten den Aufenthalt hier ermöglichen“. Benötigt werden ca. 80.000 EUR jährlich. Die Aufgabe des Jugendseminars, jungen Leuten dabei zu helfen, den „roten Faden“ in ihrem Leben zu finden und dementsprechend berufliche Entscheidungen zu treffen, ist aus der Sicht von Barzen heute aktueller denn je: „Früher wurde ein Jahr hier oft als verlorene Zeit angesehen und auch ein bisschen belächelt. Heute sieht man besser, wie wichtig die Orientierung ist angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten, die in der globalisierten Welt gegeben sind“. In jeder größeren Stadt sollte es aus seiner Sicht ein Jugendseminar geben.

"öffentlich wirken": zum 3. Mal hochkarätig besetzt

(CMS) Dieses Jahr bietet die Kommunikationsfachtagung "öffentlich wirken" noch mehr Themen, noch mehr Möglichkeiten zum Netzwerken und Austausch, viele Best Practice Beispiele aus dem Non Profit Bereich und Prominente zum Greifen nahe.
Die TagungsorganisatorInnen laden am 16. und 17. Oktober 2015 das dritte Mal zum Stelldichein der Kommunikationsszene nach Bochum ein. In Workshops und Vorträgen erfahren die TeilnehmerInnen Tipps und Tricks aus der Hand von Profis, die sich vor allem auf Institutionen mit kleinem Geldbeutel beziehen.

Diesmal zählen zu den Aktiven u.a. Prominente wie die bekannte Fernsehköchin und ehemalige Waldorfschülerin Sarah Wiener, der SPIEGEL ONLINE-Chefredakteur Florian Harms, die Strategieberaterin für Digitale Medien Kerstin Hoffmann, der ehemalige Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer, die Vorstandssprecherin von Mehr Demokratie Claudine Nierth, der Vorstand der GLS Treuhand Nikolai Fuchs sowie die beiden EU-Parlamentarier Sven Giegold und Gerald Häfner. Für das erstmalig angesetzte Forum „Medizin & Therapie“ konnte der leitende Artz des Paracelsus-Krankenhauses in Unterlengenhardt, Dr. med. Thomas Breitkreuz, gewonnen werden. Schirmherrin ist mit Carina Gödecke erneut die Landtagspräsidentin von Nordrhein-Westfalen.

Neu ist außerdem das „Forum international“ als Treffpunkt für englischsprachige BesucherInnen. Dazu ziehen zwei neue Diskussionsformate ins Plenum ein: die „Fish Bowl“ und das „Karussel der Standpunkte“, bei dem es um den Medienwandel bis 2025 geht. Gleichzeitig bleibt Bewährtes erhalten: Der Galaabend mit Top-Programm (die deutsch-brasilianische Sängerin und ehemalige Waldorfschülerin Be Ignacio wird rhythmisch ordentlich einheizen), die liebevolle Betreuung, die gute Verpflegung. Unterm Strich: „öffentlich wirken“ lohnt sich! 

Bis Ende Mai können noch 50,- Euro Frühbucherrabatt gespart werden. Baldiges Anmelden ist vor allem deshalb anzuraten, weil einige der Intensiv-Workshops nur begrenzte Teilnehmerzahlen zulassen. (www.oeffentlich-wirken.de)

Lola in der Waldorfschule – Interview mit Autorin Mahlstedt

(CU) Ihre Erfahrungen nach der Geburt ihrer Tochter Lola, eines Kindes mit Down-Syndrom, hat Amelie Mahlstedt in einem viel beachteten Buch verarbeitet. „Lolas verrückte Welt“ heißt es und beschreibt das Leben mit dem Kind von der Geburt bis ins Kindergartenalter. Inzwischen ist Lola ein Schulkind, seit dem Schuljahr 2014/15 besucht sie die erste Klasse der Karl Schubert Schule in Leipzig, einer inklusiv arbeitenden Waldorfschule. Die Newsletter-Redaktion hatte bei der Leipziger Buchmesse die Möglichkeit, mit Amelie Mahlstedt zu sprechen.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, ein Buch über Ihr Leben mit Lola zu schreiben?

Mahlstedt: Das kam durch ein amerikanisches Buch, es heißt „Roadmap to Holland“, das mich sehr bewegt hat. Es ist ein ganz ehrliches Buch über das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom. Es gibt es nur auf Englisch und das brachte mich auf die Idee. Das Buch war wirklich ein Schlüsselerlebnis, weil es z.B. schildert, dass man auch negative Gefühle dem eigenen Kind gegenüber haben kann. Das Schreiben von meinem Buch hat mir dann viel Freude gemacht und es hat sehr dazu beigetragen, dass ich das Leben mit Lola so annehmen konnte, wie es ist. Mir ging es darum, zu beschreiben, dass das ein ganz normales Leben ist, aber auch eines mit vielen Herausforderungen.

Die Resonanz auf Ihr Buch war ja sehr positiv, worauf führen Sie das zurück?

Mahlstedt: Ich konnte meine Erfahrungen weitergeben, viele Eltern sind froh, wenn sie das lesen, denn es ist gut, wenn man merkt: Man ist nicht der Einzige, der mit dem Thema Down-Syndrom zu tun hat.

Sie beschreiben es ja sehr anschaulich, wie Sie entscheiden mussten, ob Sie Lola in die Kita um die Ecke schicken, wo die Mitarbeiter sich der neuen Anforderung mit Lola stellen wollten oder weiter weg in eine spezielle Kita mit heilpädagogischem Angebot. Wie beurteilen Sie denn heute Ihre Entscheidung für die „normale“ Kita?

Mahlstedt: Lola hatte eine ganz wunderbare Kita-Zeit, es war kein Thema bei den anderen Kindern, dass sie anders ist als sie. Manchmal haben sie sie geneckt, aber das passiert bei allen Kindern. Sie musste sich behaupten, es gab keinen Schonraum, aber ich würde das wieder so entscheiden. Integrationskind oder I-Kind ist ja so ein Label, das hatte sie dort nicht, weil sie das einzige behinderte Kind in der Einrichtung war. Allerdings würde ich meine Erfahrung nicht verallgemeinern, Lola ist körperlich sehr fit und sie ist neugierig und wollte selbständig sein. Es gibt sicher auch Kinder, mit denen das so nicht möglich wäre, die einen Schonraum brauchen.

Und wie war Ihr Weg zur Waldorfschule?

Mahlstedt: Ich habe durch meine Tagesmutter erfahren, dass eine neue Waldorfschule in Leipzig gegründet wird als inklusive Schule und ich kannte eine der Gründerinnen, Anne Peters, die auch ein Kind mit Down-Syndrom hat. Auch hier gab es eine Alternative, eine Förderschule, die mit einer Grundschule kooperiert, dort hatte ich auch einen Platz. Aber bei dieser Schule war der Hort getrennt von der Schule und ich fand, Lola sollte auch nach dem Unterricht mit ihren Klassenkameraden zusammen bleiben. Das hatte ich ja in der Kita erlebt, wie wichtig es für sie war, zu einer Gruppe zu gehören. Dieser Punkt gab dann den Ausschlag, über das Konzept der Waldorfschule wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so viel. Das habe ich später erst kennengelernt.

Und wie sind Sie damit zufrieden?

Mahlstedt: Lola ist in der Waldorfschule absolut am richtigen Platz. Da gibt es so viel, bei dem sie mitmachen kann, wo ihre Stärken gefragt sind. Da sind all die praktischen Tätigkeiten, Lola singt, sie bäckt und sie strickt. Die Waldorfpädagogik hat einfach mehr Bereiche, wo Lola ihre Fähigkeiten zeigen kann, z.B. auch beim Theaterspielen.

Was kann Lola, was andere Kinder nicht können?

Mahlstedt: Sie kann mehr erspüren und sie hat eine bessere Orientierung. Was auch immer wieder hervorgehoben wird von den anderen Menschen, die mit Lola zu tun haben, ist ihre Präsenz und Intensität. Das spüren auch die anderen Kinder, sie strahlt so eine Ruhe aus.

Ist es nicht eine große Herausforderung für die Lehrer, allen Kindern in einer inklusiven Klasse auch wirklich gerecht zu werden? Viele Lehrer haben ja große Bedenken gegen die Umsetzung der Inklusion....

Mahlstedt: Fünf sogenannte I-Kinder mit „wilden Jungs“ in einer Klasse zusammenzubringen, ist schon eine Aufgabe. Ganz reibungslos lief das auch in unserer Klasse nicht ab am Anfang. Aber jetzt sind wir gut ausgestattet mit zwei Klassenlehrern, zwei Assistenten und einem Helfer aus dem Bundesfreiwilligendienst. Aus meiner Sicht steht und fällt die Qualität des Inklusionskonzepts mit dem Personal. Wenn der Betreuungsschlüssel nicht stimmt, leiden alle. Und die praktischen Tätigkeiten sind wichtig, weil alle Fähigkeiten der Kinder in der Schule wertgeschätzt werden, nicht nur die kognitiven.

Das heißt aber auch, dass im bestehenden Schulsystem Inklusion eigentlich gar nicht möglich ist, wo es überwiegend auf diese kognitiven Fähigkeiten ankommt, wie sehen Sie das?

Mahlstedt: Wenn man I-Kinder in das staatliche Schulsystem integriert, so wie es ist, mit seinen einseitigen Leistungsanforderungen, sind Leiden vorprogrammiert, weil vorwiegend die kognitiven Fähigkeiten zählen. Man kann jedes Kind nur mit sich selbst vergleichen, es muss seine eigenen Lernziele formulieren dürfen und seinen eigenen Weg finden. Der ganze Reichtum des Kindes, den es in sich hat, auch im Sinnlichen und im Seelischen, muss Berücksichtigung finden. Wenn man die I-Kinder wirklich integrieren will, muss man das Schulsystem komplett umbauen. Das ist jedenfalls meine Auffassung...

Frau Mahlstedt, vielen Dank für das Gespräch! Man darf gespannt sein, wie es mit Lola in der Waldorfschule weitergeht.

Literaturhinweis: Amelie Mahlstedt, Lolas verrückte Welt – Diagnose: Down-Syndrom. Gütersloh 2014 

GEO-Tag der Artenvielfalt

Schüler beim GEO-Tag_Foto: Thomas Stephan
Zwei Experten_Foto: Jörg Engels

(CMS) Es ist wieder soweit: GEO lädt auch 2015 zu einer Entdeckungsreise in die heimische Natur ein, die den Wert der Artenvielfalt in der eigenen Umgebung erlebbar machen soll. Besonderes Anliegen dabei ist es, Kinder und Jugendliche für das Thema Natur und Artenvielfalt zu begeistern. Denn nur das, was wir kennen und achten, schützen wir auch.

Unter dem diesjährigen Motto "Wie viel Raum braucht die Natur: Wo stößt die Artenvielfalt an ihre Grenzen?" soll gemeinsam erforscht werden, wieviel Platz die Menschen der Natur einräumen bzw. wo ihr mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu gewähren sind.

Jede Schule kann sich am GEO-Tag der Artenvielfalt mit einer eigenen Aktion beteiligen, die für einen Projekttag im Freien entweder das Motto aufgreift oder ein selbst gewähltes Thema behandelt. Vor unserer Haustür sind schließlich eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren zu beobachten, also heißt es: Genau Hinschauen im Schulgarten, auf der Lieblingswiese, im Feldgehölz oder am nächstgelegenen Weiher. Die Schülergruppen und -klassen können danach ihre Aktionsberichte einreichen und spannende Preise gewinnen.

Für alle, die mitmachen wollen, gilt es, am 13. Juni 2015 – oder an einem beliebigen Tag in der Woche davor oder danach – innerhalb von 24 Stunden in einem begrenzten Gebiet möglichst viele verschiedene Pflanzen und Tiere zu entdecken und zu bestimmen.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |