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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

"Die Entwicklung unserer Kinder stärken – unterstützen – begleiten" ist das Thema des großen Waldorf-Kongresses vom 2.- 4. Oktober in Dortmund. Experten aus allen Bereichen kommen zusammen, um sich mit Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen darüber auszutauschen, was notwendig ist in der heutigen Zeit, damit Kinder gesund aufwachsen können. 

Und während in Dortmund darüber diskutiert wird, was Kinder heute brauchen, haben sich einige Pioniere aus der Waldorfschulbewegung auf ein neues Feld begeben, in dem sich die Kongress-Frage noch einmal ganz anders stellt: In Berlin haben zum neuen Schuljahr an drei Waldorfschulen die ersten Flüchtlingsklassen ihren Unterricht aufgenommen. Weitere Schulen, darunter auch die Emil Molt Akademie in Berlin und die Kasseler Waldorfschule, haben die Zuweisung von jungen Flüchtlingen beantragt. Die Newsletter-Redaktion hat sich darum bemüht, einen ersten Erfahrungsbericht aus dieser Pionierarbeit zu bekommen – die Gremien des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) haben ja alle Waldorfschulen dazu ermutigt, sich dieser neuen Aufgabe zu stellen.

Nach Beendigung unserer "Drei Fragen an..." haben wir für Sie nun die neue Rubrik "Waldorf inside: Das Porträt" ins Leben gerufen, um interessante Menschen aus der Waldorfwelt vorzustellen. Lassen Sie sich überraschen, wen Sie dieses Mal näher kennenlernen dürfen. Außerdem geht es in unserem schon herbstlich gestimmten Newsletter um den ersten bundesweiten Tag der freien Schulen, der "Anruf in" widmet sich diesmal einer Waldorfschule ganz in Meeresnähe. Wir berichten vom festlich begangenen 50. Jubiläum der Stuttgarter Mahle-Stiftung, die viele zukunftsweisende Projekte nicht nur in der Waldorfschulbewegung ermöglicht, und vom diesjährigen WOW-Day, den die Freunde der Erziehungskunst koordinieren und der sich weltweit immer weiter verbreitet.

So weht ziemlich viel frischer Wind durch unseren Oktober-Newsletter –
viel Spaß beim Lesen wünscht Ihre Newsletter-Redaktion! 

Waldorf inside: Porträt eines Hausmeisters

Waldorf-Hausmeister Roger Posner als Zauberkünstler in Aktion (Copyright: privat)
Die berühmt-berüchtigte, von Roger Posner neu kreierte, Preisliste
Der SWR filmt den Bildschirm der Öffentlichkeitsarbeiterin wegen der plötzlich so stark frequentierten Facebookseite (beide Fotos Copyright: Freie Waldorfschule am Kräherwald)

(CMS) Den Auftakt unserer neuen Newsletter-Rubrik „Waldorf inside“, die ab sofort jedes Mal einen interessanten Menschen aus der Waldorfwelt porträtiert, macht heute das Gespräch mit Roger Posner, dem Hausmeister der Freien Waldorfschule am Kräherwald, eine große zweizügige Schule mit über 900 SchülerInnen. Der gebürtige Saarländer Posner hat vor rund einem Jahr seinen Dienst in Stuttgart begonnen und bereits nach kurzer Zeit im Internet eine bundesweite Berühmtheit erlangt. Die Newsletter-Redaktion sprach mit ihm unter anderem über die Gründe dafür und über sein breit gefächertes Aufgabengebiet.

Herr Posner, was genau machen Sie eigentlich als Hausmeister einer Waldorfschule?

Posner: Mein Tag ist von bestimmten Tätigkeiten eingerahmt, so schließe ich zusammen mit meinen Hausmeisterkollegen morgens immer erst einmal die Schule auf, kontrolliere alle Heizungen und bestücke die Klassenzimmer mit Schwämmen, Besen und ähnlichem, je nach Anfragen der LehrerInnen. Dann kümmere ich mich noch um die Wartung unseres beheizten Schwimmbades, das unter dem Festsaal liegt. Ich kontrolliere auch hier die Heizung, messe die Wasserwerte, z.B. auf gebundenen und freien Chlorgehalt hin, und sauge einmal die Woche Schmutz ab. Das Schwimmbad dient nicht nur dem Schwimmunterricht für unsere SchülerInnen, sondern wird auch an externe Schwimmkurse vermietet.

In der großen Pause startet dann der Vesperverkauf von Brezeln, Croissants und ähnlichem. Am Nachmittag beschäftigen wir Hausmeister uns mit der Haustechnik und kleineren Reparaturen, wie Wasserhähne austauschen, Fließen kleben, oder Graffiti entfernen. Nach Feierabend um 16 Uhr prüfen wir dann, ob alle Fenster und Wasserhähne geschlossen sind, überall das Licht aus ist und schließen die Gebäude wieder zu. Außerdem kontrollieren wir noch die Arbeit unserer Putzfirma und der zwei fest angestellten Putzkräfte. Im Winter kommt dann noch der Winterdienst mit Schneeschippen dazu.

Sie sind ja erst seit einem guten Jahr an der Waldorfschule am Kräherwald tätig. Was haben Sie davor gemacht?

Posner: Ich war selbständig tätig in den Bereichen Abriss, Altbausanierung, Brandschutz, Hausmeisterservice, Garten- und Landschaftsbau.

Wie gefällt es Ihnen jetzt an der Waldorfschule?

Posner: Sehr gut. Mein Beruf hier hat mich ja quasi gefunden, denn ich hatte 2013 an der Mannheimer Akademie für Waldorfpädagogik berufsbegleitend mit der Ausbildung zum Gartenbaulehrer angefangen und mich dann gemäß den Stellenangeboten auf der Internetseite verschiedentlich beworben, doch die Bezahlung war zu schlecht. Dann habe ich die Anzeige für den Hausmeisterposten gesehen und dachte mir, das wär doch was. Beim Vorstellungsgespräch mochte mein jetziger Kollege mich sofort und ich wurde eingestellt.

Vor einem Jahr haben Sie es ja plötzlich schlagartig zu bundesweiter Berühmtheit gebracht und viel mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen (siehe z.B. Stuttgarter Nachrichten). Was genau war denn da passiert?

Posner: Ich fand unsere Preisliste, die über dem Pausenverkauf hing, etwas langweilig und wollte mal einen Scherz machen. Ich hatte das mit meinem Vorgänger abgeklärt und er fand es auch eine lustige Idee und so habe ich dann das „Bitte“ auf der Preisliste eingeführt. Unsere Kollegin von der Öffentlichkeitsarbeit hatte das abfotografiert und auf der Facebookseite der Schule gepostet, was innerhalb kürzester Zeit zu 238.208 Zugriffen, 157 Kommentaren, 4.825 Gefällt mir-Klicks geführt hat und 1.570 Mal geteilt wurde. Laut Facebook-Statistik haben wir damit jedes Land der Erde erreicht und die Popularität der Schule ist dadurch natürlich enorm gestiegen. Es rief dann kurz darauf ein Reporter von den Stuttgarter Nachrichten an und machte ein kurzes Interview mit mir, woraufhin der SWR für die Landesschau Baden-Württemberg einen kleinen Film produzierte. Als jedoch noch Antenne 1 und BILD regional anfragten, wurde bei uns schulintern entschieden, dass es nun gut sei und ihnen abgesagt – schließlich war ja von mir alles nur als Scherz gemeint gewesen.

Wie haben Sie sich gefühlt angesichts der heißen Debatten in den Social Media über Ihre „erzieherische Maßnahme“?

Posner: Ich fand es von vorne bis hinten einfach nur lustig. Wenn jemand von außen meint, das sei ernst gemeint gewesen, hat er falsch zwischen den Zeilen gelesen.

Würden Sie es wieder tun?

Posner: Ja, jederzeit und ich habe auch noch andere Flausen im Kopf. Für den nächsten 1. April habe ich zum Beispiel schon so einige Ideen;-)

Na, dann dürfen wir ja schon gespannt sein!
Jetzt noch einmal zurück zum Schulhof-Pausenleben, bei dem Sie ja ganz nah an den SchülerInnen dran sind. Welche Auswirkungen hat Ihrer Beobachtung nach die „Generation Smartphone“ auf das Miteinander?

Posner: Da wir eine handyfreie Schule sind, dürfen Smartphones erst außerhalb des Schulgeländes benutzt werden. Und auch dort habe ich nur bei älteren SchülerInnen der Oberstufe, also aus den 11., 12. oder 13. Klassen, gesehen, dass sie ihre Geräte in den Händen haben, bei jüngeren SchülerInnen habe ich das bisher nicht beobachtet.

Zu meiner Schulzeit war der Hausmeister eine Respektperson. Wie ist das heute?

Posner: Ne, nicht so direkt, obwohl... wenn der Hausmeister bei uns etwas sagt, dann spuren die Kinder jeden Alters. Letzte Woche Sonntag bin ich mit einer Bekannten über das Schulgelände gelaufen und habe gesehen, wie ein Schüler Quitten in die Lücken eines Zaunes gesteckt hat. Da habe ich gepfiffen und dann waren er und seine Freunde ganz kleinlaut und haben sofort aufgehört und das waren 8.-Klässler, die mitten in der Pubertät sind.

Was würden Sie davon halten, einmal Hausmeister von anderen Waldorfschulen kennenzulernen und wofür könnte so ein Austausch vielleicht fruchtbar sein?

Posner: So etwas gibt es schon regelmäßig: Hier in Baden-Württemberg haben wir zweimal jährlich eine Hausmeistertagung, die nächste ist am 21.10.2015 in der Freien Waldorfschule Überlingen. Auch bei der jährlich stattfindenden Hamburger Frühjahrstagung gibt es eine Hausmeistergruppe. Ich nehme gerne daran teil, weil ich diesen Austausch sehr interessant finde, z.B. zu schauen, wie es an anderen Schulen läuft. Unter anderem dadurch sind wir jetzt zu einer neuen Schließanlage gekommen, was bei über 200 Schlössern eine große Priorität hat, denn da passiert immer irgendetwas. In ein paar Jahren wollen wir alles auf elektronisch umgestellt haben. Für HandwerkerInnen lassen sich Schlüssel dann zeitlich begrenzt programmieren und für LehrerInnen können die Zugangsberechtigungen zu den naturwissenschaftlichen Räumen bis zum Ende ihrer Epoche eingerichtet werden. Wenn Schlüssel verloren gehen, kann das über die Hauptanlage programmiert werden, so dass dieser Schlüssel gesperrt wird und kein Finder Zutritt erhält.

Zu guter Letzt interessiert uns noch, womit Sie sich außerhalb Ihrer Tätigkeit als Waldorf-Hausmeister gerne beschäftigen?

Posner: Ich bin seit knapp 30 Jahren als Zauberkünstler auf Bühnen unterwegs und trete vor bis zu 1.800 ZuschauerInnen auf. Als Mitglied im magischen Zirkel Deutschland mache ich eine Art Sprechzauberei, mein normales Programm dazu heißt „Salonmagie“. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel auf einem Mittelaltermarkt zu sehen und zu hören, aber auch bei einer Musiklehrertagung in unserer Schule hatte ich schon einen 45-minütigen Auftritt – da waren alle sehr überrascht, so etwas von dem Schul-Hausmeister zu sehen!

Wer mich einmal für eine Veranstaltung buchen möchte, kann mich gerne anrufen, ich bin unter folgenden Nummern zu erreichen: Tel. 0711/3516 5043 oder Mobil 0177/3131 727.

Anruf in: Cuxhaven – Die niedrigstgelegene Waldorfschule

Der neue Oberstufenbau
Schulschiff der Waldorfschule (beide Fotos Copyright: Freie Waldorfschule Cuxhaven)

(CU) Im Januar galt der „Anruf in“ der höchstgelegenen Waldorfschule in Dachsberg-Urberg im Schwarzwald, die auf 950 Metern Höhe liegt und zu dem Zeitpunkt unter einer beachtlichen Schneedecke versunken war. Zu Beginn des Herbstes, während die Stürme wieder auffrischen, hat die Newsletter-Redaktion mit einer Waldorfschule direkt an der Küste gesprochen: Cuxhaven ist mit 2 mÜN die am niedrigsten gelegene Waldorfschule in Deutschland. Gesprächspartnerin war Geschäftsführerin Jutta Haupt.

Deichstraße ist die Adresse der Waldorfschule, das klingt so, als ob die Nordsee direkt um die Ecke läge, stimmt das?

Haupt: Ja, unser Schulhaus liegt gleich hinter dem Deich und hier die Straße hinunter kommt man zur sog. Alten Liebe, dieser bekannten Aussichtsplattform im Hafen von Cuxhaven.

Das habe ich vorhin schon im Internet angeschaut, von da fahren die Schiffe ab zur Insel Neuwerk und nach Helgoland und auch zu den Seehundbänken. Man kann schon sagen, dass das ein sehr maritimer Standort für eine Schule ist...

Haupt: Ja, seit 2005 sind wir hier in diesem alt-ehrwürdigen Schulgebäude am Deich, es stammt aus dem Jahr 1887 und wir haben 670.000 EUR aufgewendet, um es zu renovieren. Für die Oberstufe mussten wir ein kleines Oberstufengebäude neu erbauen. Gegründet haben wir die Schule 2001 mit einer 1. Klasse in einem Kasernengebäude, der Grimmelshörn Kaserne.

Sie gehören auch zum Gründungsteam...

Haupt: Genau. Wir als Initiative haben uns seit 1990 bemüht, hier im Elbe-Weser-Dreieck eine Waldorfschule auf die Beine zu stellen. Beim Treffen der Gründungswilligen in Mannheim wurden wir dann gefragt, wie wir die Schüler überhaupt zusammen bekommen wollen mit dem ganzen Wasser hier drum herum. Das ist wirklich nicht so einfach – wir haben ja nur auf der einen Seite Hinterland, auf der anderen ist die Nordsee. Und Cuxhaven ist eine Kleinstadt mit eben mal 50.000 Einwohnern.

Wieviel Schüler haben Sie denn jetzt? Und haben Sie alle Klassen?

Haupt: Wir haben immer zwischen 210 und 224 Schüler, ich würde mir allerdings wünschen, dass es mehr wären. Es ist immer nicht so einfach, die erste Klasse voll zu bekommen. Die Oberstufe endet bei uns nach der 12. Klasse, für die 13. Klasse haben wir eine Kooperation mit der Waldorfschule in Oldenburg, das funktioniert sehr gut. Das sind noch mehr Waldorfschulen, die dort ihre Oberstufenschüler hinschicken, z.B. die aus Osnabrück und Aurich.

Um Schüler müssen Sie sich immer stark bemühen, wie steht es denn mit der Lehrergewinnung?

Haupt: Da muss ich sagen, dass auf der Schule in dieser Hinsicht ein Segen liegt, wir hatten gerade sechs Stellen zu besetzen und haben unsere Lehrer gefunden. Wir müssen auch immer schauen, dass die Interessenten zu uns passen, ins Kollegium und auch hier in die Landschaft. Wir hatten schon Kollegen aus Süddeutschland, die haben sich hier dann doch nicht wohlgefühlt mit dem vielen flachen, weiten Land.

Welches sind denn die Hauptthemen, mit denen sich die Schule inhaltlich gerade befasst?

Haupt: Zum einen ist es uns wichtig, mehr Transparenz zu schaffen in der Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern, das ist nicht immer so einfach. Und am Thema Inklusion arbeiten wir auch, da geht es uns so wie allen. Wir haben immer schon Schüler aufgenommen, die – um mit Henning Köhler zu sprechen – besondere Kinder waren, ohne dass man das als Inklusion bezeichnet hätte. Um den immer höheren Anforderungen gerecht zu werden, haben wir jetzt z.B. eine Kollegin zum Bernhard Lievegoed Institut nach Hamburg zur Fortbildung geschickt.

Zum Schluss noch die Frage, schlägt sich der Schulstandort direkt am Meer auch im Lehrplan nieder?

Haupt: Unbedingt, die Schule hat von Beginn der 1. Klasse an ein maritimes Profil ausgearbeitet, z.B. Besuch des blauen Klassenzimmers oder der Insel Neuwerk. Darüber hinaus haben wir in der 10. Klasse statt des Feldmess- ein Nautikpraktikum im Lehrplan. Das fand lange auf unserem eigenen Schulschiff statt, jetzt machen wir es im Ijsselmeer. Auf dem Schulschiff bieten wir nun Touren an. Außerdem bauen wir gerade ein Holzschiff mit unseren Schülern. Und in Heimatkunde stehen Ökologie und Meereskunde auf dem Plan. Da gehen wir selbstverständlich auch zu Exkursionen raus ins Wattenmeer, das UNESCO Weltnaturerbe ist. Es liegt ja schließlich direkt vor unserer Haustür. 

Da würde bestimmt mancher Newsletter-Leser jetzt auch gerne die Gummistiefel anziehen und in den letzten Sonnenstrahlen durch die Wattlandschaft wandern. Wie ist es denn, können die anderen Waldorfschulen Ihr Schulschiff auch chartern?

Haupt: Nach Rücksprache mit unserem Bootsbaumeister steht das Schulschiff auch für andere Waldorfschulen zur Verfügung.

Das ist sicherlich für viele eine interessante Information aus Cuxhaven - Vielen Dank und alles Gute für Ihre Schule!

Tag der freien Schulen erstmals bundesweit


Beim Tag der freien Schulen in Hamburg (Copyright: Rauhes Haus/Gisela Köhler)
2000 SchülerInnen auf dem Rathausmarkt
Größte Schulstunde unter freiem Himmel (beide Fotos Copyright: Katholischer Schulverband Hamburg/Christoph Schommer)

(HKU/CU) Erstmals fand am 18. September bundesweit ein „Tag der freien Schulen“ statt, der die Vielfalt und Größe des freien Schulwesens in Deutschland auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg zum Ausdruck brachte. Inzwischen besucht jeder 11. Schüler in Deutschland eine freie Schule. Diese Zahl dokumentiert aus der Sicht des BdFWS, dass immer mehr Eltern nach einer Schule suchen, die sich „jenseits von Standards, Lehrplanvorgaben und Lernstandserhebungen darum kümmert, dass die Schülerinnen und Schüler individuell wahrgenommen und gefördert werden“, wie BdFWS-Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick in seinem Grußwort zum Tag der freien Schulen unterstrich. Diesem hohen Anspruch könnten Schulen nur dann genügen, wenn sie selbst lernende Gemeinschaften sind, die sich mit ihren SchülerInnen zusammen entwickeln und verändern. Eine „Kultur der Befähigung“ müsse im deutschen Schulwesen das alte obrigkeitsstaatliche System der Kontrolle ablösen, heißt es im Grußwort weiter.

Bedingungen dafür seien eine echte Wahlfreiheit der Eltern, eine staatliche Finanzhilfe, die den tatsächlichen Kosten entspricht, sowie personale und curriculare Freiheit der freien Schulen, sich unabhängig von staatlichen Vorgaben zu entwickeln. Kullak-Ublick zitierte auch Johann Wolfgang von Goethe, der diejenige Regierung als die beste angesehen habe, die „uns lehrt, uns selbst zu regieren“. Goethe habe damit einen wichtigen Grundsatz der Zivilgesellschaft vorweggenommen, „ohne den heute kein demokratischer Staat mehr gedacht werden kann.“ Das freie Schulwesen ist aus der Sicht des BdFWS ein wichtiger Ausdruck zivilgesellschaftlichen Gestaltungswillens.

Die Ministerin für Schule und Weiterbildung von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen), hob in ihrem Grußwort die Bedeutung des freien Schulwesens für Gesellschaft und Bildungswesen ebenfalls hervor. Die freien Schulen gewährleisten aus ihrer Sicht Vielfalt und Qualität im öffentlichen Schulwesen – eine Notwendigkeit in einer freiheitlichen Gesellschaft. Die Vielfalt dieser Traditionen, Profile und Wertorientierungen gelte es zu erhalten und zu fördern. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung pädagogischer Konzeptionen, die gleichwertig, aber nicht gleichartig zu denen im staatlichen Schulwesen seien, gingen von den freien Schulen Impulse für das gesamte Schulwesen aus.

Die zentrale Veranstaltung des Tages der freien Schulen fand in Berlin unter dem Titel „Nachdenken über Bildung“ statt. Veranstalter in den einzelnen Bundesländern waren die verschiedenen Verbände, die das freie Schulwesen in Deutschland repräsentieren, in Hamburg zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS). Sie versammelte rund 2.000 Schüler auf dem Rathausmarkt, wo mit einem Bühnenprogramm auf die politischen Forderungen des freien Schulwesens aufmerksam gemacht werden sollte. Dazu gehört vor allem die ausreichende Finanzierung im Vergleich mit dem öffentlichen Schulwesen. Eine große Lücke entsteht z.B. in Hamburg bei der Gebäudefinanzierung, wo nur 56-75 Prozent der Kosten vom Staat übernommen werden, wie ein Sprecher der AGFS hervorhob. In den letzten Jahren habe sich diese Lücke aufgrund der gestiegenen Baukosten und Mieten noch weiter vergrößert und drohe für manche Schulen einen existenzbedrohenden Charakter anzunehmen.

In Bundesländern wie Rheinland-Pfalz und Saarland wurde erstmalig ein Tag der freien Schulen veranstaltet, aufgerufen dazu hatten hier der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV), der Montessori-Landesverband, der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) und die Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen der beiden Bundesländer, zu denen auch die Luxemburger Waldorfschulen gehören. In den Viehmarktthermen in Trier konnten sich die Bürger über das Unterrichtsangebot der freien Schulen informieren, es gab ein buntes Programm, mit dem die Schüler – so die Tageszeitung “Trierer Volksfreund“ – einen „lebendigen Einblick in die Arbeit ihrer Schulen“ ermöglichten. Beteiligt waren die Waldorfschulen aus Ottersberg, Mainz und Trier.

Stuttgarter Mahle-Stiftung wirkt im Sinn der sozialen Dreigliederung

Gespräch am Stand
Über 3.500 Besucher bei den Begegnunstagen
Hermann und Dr. Ernst Mahle (alle Fotos Copyright: Mahle-Stiftung)

(CU) Über 3.500 Besucher kamen zu den Begegnungstagen unter dem Motto „Mensch-Zukunft-Entwicklung“, die die Mahle-Stiftung anlässlich ihres 50-jährigen Förderjubiläums vom 18. bis 20. September im Hospitalhof in Stuttgart veranstaltet hat. Ein Markt der Möglichkeiten sollte dabei die Breite der von der Stiftung geförderten Projekte präsentieren. „Wir wollten Perspektiven aufzeigen, wie wir zu einer menschlichen Welt kommen können, das ist uns gut geglückt, viele Projektpartner, die wir fördern, haben sich mit Ständen oder Vorträgen beteiligt“, berichtet Jürgen Schweiß-Ertl, geschäftsführender Gesellschafter der Mahle-Stiftung.

Entsprechend groß war die Palette der angebotenen Themen, sie reichte von Gesundheit und Pflege über Landwirtschaft und Ernährung, Bildung und Erziehung bis hin zu Kunst und Kultur. Über die Besucherzahl zeigten sich die Veranstalter ebenfalls sehr zufrieden, sie übertraf die Erwartungen um einiges. Vor allem habe sich gezeigt, dass ungefähr die Hälfte der Besucher nicht der anthroposophischen Szene zuzurechnen gewesen seien. „Es waren auch viele Mitarbeiter der Mahle Gruppe da, die mal sehen wollten, was mit dem erwirtschafteten Geld in der Stiftung genau gemacht wird“, erläutert Schweiß-Ertl. So selbstverständlich sei es ja nicht, in einem Unternehmen zu arbeiten, das einer Stiftung gehört und das einen Anteil seiner Gewinne jedes Jahr für die Zwecke dieser Stiftung verwendet.

Unter den Zulieferfirmen der Automobilindustrie belegt Mahle den 20. Platz weltweit, bei einigen Produkten ist die schwäbische Firma sogar ganz vorne mit dabei. Wie kommt es nun, dass die Gewinne aus diesem Wirtschaftsunternehmen mit rund 11,5 Mrd. EUR Umsatzerwartung in 2015 und ca. 75.000 Mitarbeitern weltweit jedes Jahr zu drei Prozent in die Anthroposophische Medizin, die biodynamische Landwirtschaft, die Waldorfpädagogik oder in den kulturellen Bereich fließen? Insgesamt 131,8 Mio. EUR hat die Mahle-Stiftung in den 50 Jahren ihres Bestehens ausgeschüttet, eines ihrer wichtigsten Projekte war die Filderklinik bei Stuttgart, ein anthroposophisch ausgerichtetes, gemeinnütziges Gemeinschaftskrankenhaus.

Wie schon der Gründer der ersten Waldorfschule, Emil Molt, so waren auch die Stuttgarter Unternehmer Hermann und Dr. Ernst Mahle, geboren in den Jahrgängen 1884 und 1886, erschüttert von den Folgen des Ersten Weltkrieges und suchten nach Wegen aus der Krise. Auch sie kamen mit den Ideen des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, in Berührung. Bei ihnen war es dann nicht eine Schulgründung, sondern die sog. Neutralisierung ihrer Firma, durch die sie die Ideen Steiners in die Praxis umsetzen wollten: „Es war die Konsequenz, die die beiden Brüder aus dem Ersten und dann später auch aus dem Zweiten Weltkrieg zogen: Ein dritter Weg jenseits von Kommunismus und Kapitalismus, wie ihn Steiner mit der sozialen Dreigliederung intendiert hatte, schien ihnen die richtige Antwort auf die beiden Katastrophen zu sein, die die Welt erschüttert hatten“, erläutert Jürgen Schweiß-Ertl. 1964 war es dann soweit: die Brüder Mahle übereigneten ihre damaligen drei MAHLE-Firmen an die Mahle-Stiftung, eine gemeinnützige GmbH, und verfügten, dass künftig drei Prozent des Gewinns in die Zwecke der Stiftung fließen sollten. Diese Mittel sollten der Förderung aller Bereiche von Rudolf Steiners Lebenswerk dienen.

Von ihren Ausschüttungen her ist die Mahle-Stiftung, so betont Jürgen Schweiß-Ertl, eher eine mittelgroße Stiftung. „Die Mahle-Brüder beließen 97 Prozent der Erlöse in der Firma, damit sie sich gut entwickeln kann, ein solcher Konzern braucht eine solide Kapitalausstattung“. Betrachte man dagegen das Stiftungsvermögen, so gehöre sie ganz und gar nicht zu den „kleineren Stiftungen“, da sie Inhaber einer großen Firma sei. Durch diese Teilhabe der Stiftung an den Erlösen des prosperierenden Autozulieferers braucht sich die Mahle-Stiftung auch keine Gedanken zu machen über niedrige Zinssätze, die bei anderen Stiftungen die Erträge gegen Null schrumpfen lassen.

Der MAHLE-Konzern expandiert ständig, er hat Niederlassungen in vielen Ländern der Welt und auch ein wichtiges Standbein im Schwellenland Brasilien, wo es mit dem Instituto Mahle eine Tochter-Stiftung gibt, die in Brasilien dieselben Ziele verfolgt wie die Mahle-Stiftung im Rest der Welt.

Wie sieht nun die Zukunft der Stiftung aus? „Da in allen Bereichen Bewegung ist, werden wir auch weiterhin Projekte aus all diesen Bereichen fördern,“ betont Jürgen Schweiß-Ertl. Neue Entwicklungen würden jedoch auch berücksichtigt: „Darauf haben wir immer reagiert – die Welt steht nicht still und wir auch nicht“. Eine Chronik zur Geschichte der Mahle-Stiftung kann bei der Stiftung in Stuttgart angefordert werden.

Der WOW-Day: Eine andere Form der Globalisierung

Schüler der Freien Waldorfschule Köln am Verkaufsstand
Musizieren in der Fußgängerzone in Braunschweig (beide Fotos Copyright: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.)

(OG/CU) Der WOW-Day (Waldorf One World) ist bei den Waldorfschulen weltweit zu einer beständigen Einrichtung geworden. In diesem Jahr findet er vom 29.9. bis zum 29.11. statt, er wird von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. koordiniert. Einen Tag lang arbeiten Waldorfschüler für einen guten Zweck oder denken sich Aktionen aus, die Geld in die Kasse bringen.

Die Freunde der Erziehungskunst leiten das von den Schülern erwirtschaftete Geld zu 100 Prozent an bedürftige Bildungsinitiativen weiter. 2014 kamen dadurch rund 353.608,71 EUR (Stand Juli 2015) zusammen. Beteiligt hatten sich 192 Waldorfschulen aus 31 Ländern. Der Erlös kam dann 61 Waldorf-Einrichtungen in 25 Ländern zugute. Es sei immer wieder beeindruckend, was die Schüler sich alles ausdenken, betont Olivia Girard, die Projektleiterin des WOW-Day bei den Freunden der Erziehungskunst.

2014 wurden Ernteaktionen und Flohmärkte veranstaltet, oder auch in Fußgängerzonen musiziert. Andere Schüler entschieden sich für die Arbeit in einem Betrieb oder beim Nachbarn im Garten. Verkauft wurde auch viel selbst Gebackenes oder Gedörrtes, z.B. Apfelringe aus dem Schulgarten. Auch Kulturdarbietungen wie Zirkusvorstellungen sind bei den Schülern beliebt, ebenso Sponsorenläufe und Müllsammelaktionen, bei denen die gefüllten Müllsäcke dann versteigert werden.

Mit ihrem Engagement zeigen die Waldorfschüler, dass die Menschen der heutigen Welt aufeinander angewiesen sind, findet Projektleiterin Girard. Der eigentliche Sinn des WOW-Day liege darin, dass jedes Kind sein Recht auf eine ganzheitliche Bildung wahrnehmen könne. Wie der WOW-Day u.a. in Brasilien dazu beiträgt, die pädagogische Arbeit für benachteiligte Kinder zu ermöglichen, zeigt ein Film der Freunde der Erziehungskunst über die Unterstützung eines Favela-Projekts in Sao Paulo durch die WOW-Day-Erlöse der nahegelegenen Waldorfschule.

2014 feierte der WOW-Day seinen 20. Geburtstag. Dabei zeigte sich, dass es über 3,3 Mio. EUR waren, die die Waldorfschüler mit ihren Aktionen von Beginn an zusammen getragen haben. Für den BdFWS steht der WOW-Day für eine andere Art der Globalisierung, bei der die stärkeren Partner den schwächeren helfen. Immer häufiger werden solche Schulen, denen mit dem WOW-Day einmal geholfen wurde, auch zu Veranstaltern für WOW-Day-Aktivitäten zugunsten anderer.

Als Waldorflehrerin in der Flüchtlingsklasse

An der Freien Interkulturellen Waldorfschulen Mannheim lernen seit über zehn Jahren Kinder unterschiedlichster Nationalitäten und Religionen zusammen (Copyright: Bund der Freien Waldorfschulen/Charlotte Fischer)

(CU) Drei Flüchtlingsklassen mit bis zu 12 Kindern haben zum Schuljahresbeginn an Waldorfschulen den Unterricht aufgenommen. Die Newsletter-Redaktion bat Klassenlehrerin Conny Bergengruen von der Rudolf Steiner Schule in Berlin-Dahlem um einen ersten Erfahrungsbericht.

Bergengruen: Bei diesem Text handelt es sich zunächst nur um Anmerkungen aus dem praktischen Alltag, einfach Beobachtungen, die mir besonders auffielen – wir stehen ja noch ganz am Anfang unserer Arbeit...

Wenn alle den Weg aus dem Bett mit dem Bus in die Schule schließlich einigermaßen im Zeitplan geschafft haben – vor allem das morgendliche Aufwachen ist noch eine große Herausforderung – machen wir einen ziemlich langen rhythmischen Anfang mit singen, Rhythmen klatschen und Sprachübungen, wobei es ausgesprochen fröhlich, munter und lustig zugeht. Wir sprechen auch einen Spruch, nicht den Morgenspruch, sondern einen ursprünglich indianischen, den ich bei einem Traumata-Seminar zur Notfallpädagogik kennen gelernt habe: „Über mir der Himmel, unter mir die Erde und in der Mitte ich“. Diesen Anfangsteil nehmen die Schüler sehr lebendig auf – und sprechen dann den Spruch, den sie höchstens ungefähr verstehen, sehr verinnerlichend mit. Das ist schon berührend, denn ich habe ja nun wirklich eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich heterogene Schülerschaft.

Unsere kleine Truppe besteht aus vier unterschiedlichen Nationen; ein bosnischer Junge ist mit 16 Jahren der Älteste und spricht – außer ein wenig Arabisch – nur Bosnisch, inzwischen natürlich auch schon etwas Deutsch. Er ist sehr gewitzt und fasziniert von der Eurythmie. Dann haben wir zwei afghanische Schwestern im Alter von 14 und 15 Jahren, die sehr fleißig, aufmerksam und klug dem Unterricht folgen, aber noch das lateinische Alphabet lernen müssen. Sie sprechen ausschließlich Dari, wobei die Schwierigkeit für das eine der beiden Mädchen darin besteht, dass sie nahezu gehörlos ist. Sie ist erstaunlich gut im Erfassen von Lauten über die Lippen, trotzdem ist hier erstmal auch eine Menge Sozialarbeit zu leisten, um dem Mädchen Förderung und eine medizinische Versorgung wie Hörgeräte oder Ähnliches zu verschaffen.

Ein weiterer afghanischer Junge ist ein wahres Sprachgenie: Er spricht und schreibt nicht nur Dari und Russisch fließend, er spricht auch Englisch und ein wenig Schwedisch – die Stationen einer langen Reise, die nun schon ein paar Jahre währt. Er möchte mit seinen 13 Jahren gerne richtig Boxen lernen. Mit ihm kann man durchaus schon eine einfache Unterhaltung auf Deutsch führen und er kann für mich viel in die verschiedenen Sprachen übersetzen, denn unsere Klasse besteht noch aus zwei turkmenischen Brüdern (12 und 14 Jahre alt), die Russisch und ein wenig Türkisch sprechen. Auch sie müssen erst noch das lateinische Alphabet verinnerlichen. Unsere beiden albanischen Mädchen (14 und 15 Jahre, keine Geschwister) schlagen sich mit ein wenig Englisch und etwas Spanisch durch. An manchen Tagen herrschen babylonische Verhältnisse, doch ist es erstaunlich, wie gut am Ende eine Kommunikation möglich ist – es dauert eben nur manchmal ein bisschen länger. Alle können schon ihre ersten kleinen Sätze sprechen. Und auch die ersten Schimpfwörter, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, schleichen sich ein.

Besonders war und ist aber auch, wie die Paten aus den Jahrgangsklassen unserer Schule in jeder Pause ihre Schützlinge am Klassenraum abholen, sie mit Sportzeug oder Essen versorgen, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Und auch die vierte Klasse hat uns zum Willkommen Bilder überreicht, die die Schüler für die neue Klasse gemalt hatten – um nur einige Beispiele zu nennen. Sie zeigen, mit wieviel Interesse die anderen Klassen auf die Flüchtlingsklasse zugehen. Und nicht zuletzt war es die Schülervertretung gewesen, die vor den Ferien die Vertreter des Schulamts und des Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) zum Gespräch in die Schule geladen hatte mit der Frage, warum bei uns bislang keine Willkommensklasse eingerichtet werden konnte.

Vor diesem Hintergrund durfte ich diese Arbeit aufnehmen, was ich schon als besondere Aufgabe empfunden habe. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden!

Zum Schluss noch eine kurze Überlegung zur Frage, was denn nun das Besondere ist, das die Waldorfschule möglicherweise im Umgang mit den Flüchtlingskindern leisten kann. 

Schon der Unterrichtsbeginn orientiert sich an dem Konzept der Rhythmisierung von Unterricht, er soll möglichst immer Kopf, Herz und Hand erfassen. Um den seelischen Bereich zu erreichen, beginnen wir immer mit einem Lied, das wir gemeinsam singen. Schon das ist für die Kinder ungewohnt, aber zunehmend kennen sie nun den Ablauf. Es folgen Klatsch- und Sprachspiele, die immer schneller werdend zum einen die Konzentration anregen, die Kreuzung von rechts und links üben und nebenbei die Sprache über den Rhythmus einprägen sollen. Wir schließen diesen morgendlichen Beginn mit unserem Spruch ab. Dann wird das Gelernte wiederholt: die Zahlen, die Wochentage, die Monate, Richtungen, Farben, etc. Wir sprechen sie gemeinsam und einzeln.

Danach beginnt erst der eigentliche Unterricht, der nun nicht spezifisch waldorfpädagogisch ist. Hier arbeiten wir mit den üblichen Lehr- und Arbeitsmaterialien für Deutsch als Zweitsprache. Aber in ihren jeweiligen Jahrgangsstufen, in denen sie sich teilweise nach dem Hauptunterricht befinden, haben die Schüler dann all die waldorfspezifischen Fächer wie Werken, Malen, Eurythmie, Handarbeit etc., so dass sie hier möglichst viel mitbekommen. Das Konzept ist eher ganzheitlich orientiert. Je nach Kenntnisstand haben sie auch Fremdsprachen wie Englisch und/oder Russisch. Es ist der Versuch, die Kinder stärker in Kontakt mit der Umgebungsgesellschaft zu bringen, auch wenn das Deutschlernen zunächst im Vordergrund steht.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |