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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

noch genießen wir alle die schönen Spätsommertage, doch Herbstanfang war bereits und die Tage werden kühler und vor allem schon spürbar dunkler. Es beginnt die Zeit der Häuslichkeit, in der wir uns an liebevollen Ritualen die Seele erwärmen können. Während die lebendigen Kräfte der Natur sich zurückziehen, wird unser Geist wieder lebendiger, wacher und klarer. Das ist genau der richtige Moment, um alte Gewohnheiten zu überprüfen und neue Schritte zu überdenken. Da kommt der Aktionstag Blauer Engel am 25. Oktober 2016 genau richtig, an dem auch Schulen sich mit Aktionen im Sinne des nachhaltigen Konsums beteiligen können.

Wir haben unseren Einsatz von Recyclingpapier für Produkte des Bundes der Freien Waldorfschulen auch überprüft und mit der Initiative Pro Recycling ein Gespräch darüber geführt. So möchten wir unsere Mitgliedsschulen dazu anregen, für ihre Printprodukte in Zukunft nach Möglichkeit ebenfalls auf Recyclingpapier umzusteigen, falls dies nicht ohnehin schon verwendet wird.

Vom 19. – 23. Oktober 2016 zeigen wir zum zweiten Mal Präsenz auf der Frankfurter Buchmesse – zum einen in Form eines von uns bestückten "Regalmeters" mit ausführlichem Infomaterial rund um Waldorfpädagogik und zum anderen durch zwei Vorträge am Sonntag (23.10.16) über Medienmündigkeit und phänomenologischen Physikunterricht.

Zu guter letzt wollen wir noch alle Waldorfschulen dazu aufrufen, sich mit ihrer spezifischen Besonderheit für unsere inzwischen sehr beliebte Rubrik "Anruf in" zu bewerben. Wir freuen uns auf viele spannende Themen und Gesprächspartner*innen, über die dann in den nächsten Newsletter-Ausgaben zu lesen sein wird.

Bis dahin fröhliches Lesen wünscht Ihnen Ihr
Newsletter-Team!

Waldorf inside: Waldorfunterricht in Japan mit Marcus Oberreuter

Waldorfschule in Tokio
Waldorfschule in Tokio
Waldorfunterricht in Japan
Marcus Oberreuter (33) unterrichtet in Japan (alle Fotos Copyright: Marcus Oberreuter)

(VS) Lost in translation? Von wegen. Marcus Oberreuter, Oberstufenlehrer der Freien Waldorfschule Cuxhaven (siehe auch "Anruf in" 10/2015), unterrichtete zwei Wochen an einer Waldorfschule in der Mega-City Tokio. In unserem Inside-Interview erzählt er über die asiatische Kultur, die Unterschiede zur europäischen Mentalität und wie es ist, den Morgenspruch auf japanisch zu sprechen.     

Hallo Herr Oberreuter, wie waren Ihre letzten Sommerferien?

Marcus Oberreuter: Aufregend und schön. Neben einem Besuch meiner Schwiegerfamilie in Schwaben habe ich in Fernost Geschichte unterrichtet.

Sie waren an einer Waldorfschule in Japan. Worin unterscheidet sie sich von der Schule in Cuxhaven?

Marcus Oberreuter: Obwohl die Schule in der Mega-City Tokyo liegt, ist sie gar nicht größer als unsere. Auch sonst gibt es wenige Unterschiede: die beiden Schulen sind fast gleich alt, rund 15 Jahre, und sind inzwischen fast durch die Pubertät hindurch. Beide Schulen liegen etwas abseits vom Zentrum, sind aber noch gut erreichbar. Ganz anders als die Gebäude der Freien Waldorfschule Cuxhaven sind jedoch jene der Kenji Steiner Gakko: mitunter etwas klapprig, zum Teil aus Containern bestehend, drängen sich die Schulklassen in niedrigen, kleinen Räumen mit Schiebetüren und dünnen Wänden.

Wie ist die Mentalität der Schüler*innen?

Marcus Oberreuter: Eine schwierige Frage [denkt nach ;-)]. Ich denke, im Allgemeinen gleicht sie der Mentalität aller Kinder und Jugendlichen weltweit im jeweiligen Alter. Die Jugendlichen stehen zum Beispiel vor der Herausforderung, das multimediale Rauschen sinnvoll zu filtern und damit zu leben, zu lernen und zu arbeiten. In Japan vielleicht noch etwas mehr als in Deutschland. Und die Schülerinnen und Schüler haben dort vielleicht einen gewissen Paradiesvogel-Status inne; weniger im Sinne eines Labels, wie es den Waldorfschülern in Deutschland anhaftet, sondern eher innerlich und versteckt, weil sich die Inhalte des Waldorf-Curriculums sehr vom japanischen Bildungskanon und der Kulturgeschichte Ostasiens unterscheiden.

Was ist am Unterricht anders als in Deutschland?

Marcus Oberreuter: Ich konnte kaum Unterschiede ausmachen. Das lag zum einen daran, dass ich selbst für meinen Unterricht verantwortlich war und so eine eigene Unterrichtskultur mitgebracht habe. Die „Kleinen” aus den ersten Klassen gehen auf Entdeckungsreise vor dem Schulhaus, die Mittelstufenschüler malen Tafelbilder in ihr Heft. Selbst meine Oberstufenschüler waren nicht derart diszipliniert, wie ich es aufgrund der Vorurteile vermutet hatte. Alles also ganz „normal"!

Wovon ist das japanische Schulsystem geprägt?

Marcus Oberreuter: Das Schulsystem in Japan gleicht dem der USA in gewissem Maße und ist in die drei Schulbereiche Elementary, Junior High und High School geteilt. Da die Schüler am Ende der Schulzeit alle den gleichen Abschluss machen können, gibt es je angestrebtem Abschluss an den Hochschulen mitunter sehr anspruchsvolle Aufnahmeprüfungen. Von diesen Prüfungen sind auch die Waldorfschüler nicht ausgenommen. Insofern ist das dort vielleicht ein Vorteil für die Anerkennung der Schulabschlüsse an der Waldorfschule.
Schenke ich den Aussagen der Lehrer Glauben, so folgt das öffentliche Bildungssystem in Japan der konfuzianisch-buddhistischen Geistestradition Ostasiens. Salopp formuliert wird an den Schulen vor allem auf Wiederholen und Auswendiglernen Wert gelegt. In Japan zählt es sicherlich zu den Tugenden, sich während seiner Ausbildung ganz in die Tradition einer bestimmten Denk- oder Handwerksschule zu stellen. Die Waldorflehrer in Japan beklagten mir gegenüber, Kreativität werde in diesem System nur wenig gefördert. Ich möchte jedoch gerne die Frage stellen, ob das in Deutschland völlig anders ist? Die Waldorfschulen bieten hier wie dort natürlich ganz andere Angebote an.

Ist Waldorfpädagogik mit der japanischen Kultur vereinbar? 

Marcus Oberreuter: Ich denke, in der Begegnung mit dem Fremden liegt für beide Seiten die Herausforderung. Im Moment kann man wohl von einer Koexistenz sprechen.
Anthroposophie und Waldorfpädagogik mögen in Japan fremd wirken. Jedoch gab es auch in Japan zur Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts allerlei alternative Denker. Ein Produkt dieser Zeit ist zum Beispiel Reiki, welches man auch in Deutschland als alternative Heilmethode kennt. Grundsätzlich gibt es sicherlich Hürden und Hindernisse in einer Vereinbarung von beidem.

Wie werden die Waldorfschulen in Japan finanziert?

Marcus Oberreuter: Durch die Eltern und durch Spenden. Es gibt keine öffentliche Unterstützung – vielleicht wegen der Unvereinbarkeit, von der ich eben sprach. Ich weiß es nicht genau. Formell betrachtet werden in Japan sicherlich ähnliche Argumente benutzt, wie in Deutschland: Wer sich nicht in den Lehrplan reden lässt und nicht alle Kinder aufnimmt, bekommt weniger bzw. keine Unterstützung.
In der Schule in Tokyo führt das zu einem mir unbekannten Engagement der Eltern, die häufig in der Schule anzutreffen waren, und das nicht nur, wenn sie für mich als Gastlehrer ein Mittagessen zubereitet haben [lacht].

Nehmen Sie etwas mit für den Unterricht an Ihrer Schule?

Marcus Oberreuter: Ich gelte an meiner Schule vermutlich als lockerer Lehrer. Und zufällig gebe ich jetzt gerade wieder in der 11. Klasse eine Geschichtsepoche, wie in Japan. Ich kontrolliere jetzt strenger die Hefte und weise mit mehr Nachdruck auf nicht erledigte Hausaufgaben hin. Aber dass ich die Schüler in der großen Pause die Hausaufgaben nacharbeiten lasse, dazu fehlt mir die Strenge und es ließe sich wohl in unserer Schulkultur nicht umsetzen.

Wie war es, den Morgenspruch auf japanisch zu sprechen?

Marcus Oberreuter: Den Spruch mit den Schülern zu sprechen, war nicht leicht. Etwas Japanisch kann ich ja, aber auch in Japan sprechen die Schüler schnell, ohne Punkt und Komma und ohne jede Inbrunst: da fiel es mir schwer, mitzuhalten [schmunzelt].
Durch die Übersetzung ins Japanische, die mir gut gefallen hat, konnte ich einen neuen Blickwinkel einnehmen, denn jede Übersetzung erweitert die Bedeutung der Worte. Die neue Haltung zum Morgenspruch nehme ich mit ins neue Schuljahr.

Werden Sie Japan und die Schule wieder besuchen?

Marcus Oberreuter: Das hoffe ich. Mein Aufenthalt war schön, die Menschen an der Schule liebenswert und auch die Schüler habe ich seit der Epoche ins Herz geschlossen. Außerdem habe ich vergessen, die japanische Spezialität Tempura zu essen. Aber nächstes Mal möchte ich nicht unbedingt wieder in der hochsommerlichen Regenzeit dorthin fahren.

Anruf in: Freiburg-Wiehre – Die erste Waldorfschule mit späterem Unterrichtsbeginn

Nora Baumann, Öffentlichkeitsarbeiterin
Neubau Waldorfschule Freiburg-Wiehre
Schüler*innen im Musikunterricht (Alle Fotos Copyright: FWS Freiburg-Wiehre)

(VS) In Freiburg läuten die Schulglocken etwas später, denn seit gut einem Jahr beginnt der Unterricht erst um 8.30 Uhr statt zuvor um 7.45 Uhr. Wir haben in der Freien Waldorfschule Freiburg-Wiehre angerufen und mit Nora Baumann telefoniert – sie erklärt uns, warum sich die Schule für den späteren Unterrichtsbeginn entschieden hat und wie die Schulgemeinschaft das neue Konzept umgesetzt hat. In erster Linie geht es dabei um die Gesundheit der Schüler*innen (siehe auch Artikel aus der Erziehungskunst 07/2015).

Hallo Frau Baumann, warum hat sich die Freie Waldorfschule Freiburg-Wiehre zu einem späteren Unterrichtsbeginn entschieden?

Nora Baumann: Die Entscheidung dazu beruht auf zwei Ausgangspunkten, die wir festgestellt haben. Zum einen beobachteten wir eine gewisse Müdigkeit bei den Oberstufenschülern und zum anderen hat das Kollegium unserer Schule an einem Prozess zur gesunden Unterrichtsrhythmisierung gearbeitet. Durch die Waldorfschule in Klagenfurt wurde der Kontakt zu Professor Dr. Moser, einem Chronobiologen aus Graz, hergestellt. Aus der Arbeit mit ihm entwickelte eine Delegation von 12 Menschen – Eltern, Lehrer und Schüler – ein geeignetes Konzept für unsere Schule.

Und wie sieht das Konzept aus?

Nora Baumann: Der Unterricht beginnt jetzt um 8.30 Uhr und damit 45 Minuten später als zuvor. Dafür ist der Hauptunterricht um 15 Minuten verkürzt worden und wir verzichten auf die fünf-Minuten Pause zwischen der dritten und vierten Unterrichtsstunde, dafür gibt es zwei längere Pausen von 20 und 15 Minuten nach der zweiten und vierten Stunde. Insgesamt ist der Schulschluss am Tag 20 Minuten später als vor der Umstellung. Da es nur 20 Minuten sind, sind auch die Freizeit und Nachmittagsaktivitäten der Schüler nicht beeinträchtigt.

Hat sich die Umstellung auf die neuen Unterrichtszeiten einfach gestaltet?

Nora Baumann: Im Grunde ja, weil der Prozess sehr gut vorbereitet war. Alle Beteiligten wurden gut mit eingebunden, es gab viele Elterngespräche und Informationsveranstaltungen für die Schulgemeinschaft. Schwierigkeiten gab es eher an anderer Stelle, so kam es zum Beispiel zu Kollisionen beim gemeinsamen Abitur der Freiburger Waldorfschulen. Hier kooperieren die Schulen miteinander und die Unterrichtszeiten waren durch die Umstellung nicht mehr gleich. Das musste alles neu koordiniert werden.

Wie wurde das neue Konzept in der Schulgemeinschaft aufgenommen?

Nora Baumann: Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen, die überwiegende Zahl sieht die Veränderungen aber sehr positiv. Vor allem die Schüler und Lehrer der Oberstufe kommen sehr gut mit den neuen Unterrichtszeiten zurecht,  weil die Umstellung sehr viel mehr Ruhe in den Unterricht gebracht hat. Die Klassenlehrer sind wegen des verkürzten Hauptunterrichts nicht ganz so begeistert.

Und wie kommen die Elternhäuser mit dem späteren Schulstart zurecht?

Nora Baumann: Wir haben eine Frühbetreuung an unserer Schule eingerichtet, das war zwingend erforderlich, da in manchen Familien eine spätere Anfahrt zur Schule schlicht unmöglich ist. Durch die Frühbetreuung entstehen keine Probleme in den Tagesabläufen der Familien.

Können Sie nochmal genau erklären, warum der spätere Unterrichtsbeginn so einen positiven Effekt hat? 

Nora Baumann: In der Oberstufe stellt sich die Schlafgewohnheit der Schüler um, sie werden zu „Eulen“, was auf die Dauer zu Schlafmangel führt. Wir haben festgestellt, dass sich durch einen späteren Unterrichtsbeginn die Aufnahmefähigkeit deutlich verbessert und der Unterricht ruhiger ist. Bei der Fülle an Aufnahmereizen in der heutigen Zeit sind wir hohem Stress ausgesetzt, deshalb ist Schlaf besonders wichtig. Stress hat eine negative Auswirkung auf den ganzen Organismus und dagegen wollen wir für unsere Schüler etwas tun. Erfreulich ist auch, dass heute die Sensibilisierung für solche gesundheitlichen Fragestellungen größer ist und damit die Akzeptanz,  die Unterrichtszeiten an den gegebenen Rhythmus der Schüler anzupassen.

Etwas anderes: Was bewegt die Waldorfschule Freiburg-Wiehre zur Zeit neben dem späteren Unterrichtsbeginn noch?   

Nora Baumann: Wir bauen gerade ein neues Schulgebäude, von dem bereits ein Teilabschnitt fertiggestellt ist und seit letztem Schuljahr genutzt wird. Durch besondere Brandschutzauflagen gab es kleine Verzögerungen, wir sind aber zuversichtlich, dass von nun an alles nach Plan verläuft, dann könnten wir in einem Jahr einziehen.

Gibt es in Freiburg besondere Aktionen zur Lehrergewinnung?

Nora Baumann: Wir hatten zweimal einen Tag des Waldorflehrers organisiert, in Zusammenarbeit mit allen Schulen in der Region Freiburg, der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg und den Lehrerbildungsstätten. Die Veranstaltungen waren immer gut besucht, vor allem für die berufsbegleitenden Ausbildungsmöglichkeiten gab es viele Interessenten

Vielen Dank für das informative Gespräch und alles Gute weiterhin für Ihre Schule. Vielleicht finden sich ja schon bald weitere Schulen, bei denen der Unterricht später beginnt.

Eurythmie auf Tournee: lebendig und farbenfroh

Eurythmieabschluss einer 12. Klasse an einer Waldorfschule


Aufführung eines profesionellen Eurythmieensembles (alle Fotos Copyright: Bund der Freien Waldorfschulen/Charlotte Fischer)

(CMS) Eurythmie ist bewegte Sprache und Musik – doch wer kann sich darunter eigentlich wirklich etwas vorstellen, wenn er noch nie Eurythmie erlebt hat? Und selbst alle Waldorfschüler*innen, die regelmäßig am Eurythmieunterricht teilnehmen, wissen vielleicht gar nicht so genau, dass auch eine faszinierende Bühnenkunst dahinter steckt. Um das erfahren zu können, hat eine kleine Arbeitsgruppe im Bund der Freien Waldorfschulen ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem die "Eurythmie – eine bewegte Begegnung" auf Tournee geht. So können Schüler*innen, Eltern und weitere Interessierte eindrucksvoll erleben, dass die Eurythmie nicht nur eines der besonders wichtigen Unterrichtsfächer an der Waldorfschule ist, sondern als Bühnenkunst auch auf Zuschauer*innen bewegend und begeisternd wirken mag.
 
Die Eurythmisten Sonja Zausch, Lea Tsangaris, Jona Lindermayer und Thomas Feyerabend werden – begleitet von Vincent Stange am Klavier – von Oktober 2016 bis Februar 2017 in ganz Deutschland unterwegs sein und hoffentlich auch den Weg an eine Schule in Ihrer Nähe finden. Für die Organisation einer Aufführung vor Ort und alle weiteren Informationen steht Petra Kazmeier als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

"Tropical soul" live erleben

CD-Cover von "Tropical Soul" (2016)
Be Ignacio singt und tanzt bei Live-Auftritten mit ihrer Band (dieses und nächstes Foto)

Be Ignacio am Strand von Rio de Janeiro (Brasilien), (alle Fotos Copyright: Be Ignacio)

(CMS) Pünktlich zu Michaeli am 29. September 2016, seit 21 Jahren traditionell der von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners ins Leben gerufene Waldorf One World (WOW)-Day, gibt unsere WOW-Day-Botschafterin Be Ignacio ihr erstes Clubkonzert der aktuellen Tournee, um ihr neues Studioalbum „Tropical Soul“ zu präsentieren. Und vielleicht ist das gar kein Zufall, denn michaelische Kräfte bewies die in der Favela Monte Azul in Sao Paulo aufgewachsene Sängerin schon als Kind: Wegen einer schweren Krankheit konnte sie nur auf Knien zu ihrer Waldorfschule rutschen und lernte erst später durch enorme Willenskraft das Gehen. Diese leidvolle Etappe ihres Lebens hat sie jetzt in dem Eröffnungssong „Run“ verarbeitet, der Mut machen soll, auch in besonders schwierigen Lebensphasen nicht aufzugeben.

Doch auch in die anderen Lieder des neuen Albums hat Be Ignacio viel Autobiografisches hineingewoben, weil sie beim Schreiben der Songs unbewusst Resümee zog. So handelt „You and I“ zum Beispiel von häuslicher Gewalt, die in Brasilien und zahlreichen anderen Ländern leider nach wie vor zum Alltag vieler Frauen gehört. Auch die ehemalige Waldorfschülerin erlebte in ihrer Ehe mit einem Brasilianer emotionale und physische Gewalt, bis sie den Mut fasste, die Polizei zu rufen. „Erst jetzt, knapp 17 Jahre nach dem Ende meiner Ehe, kann ich diese Lebenserfahrung in einem Lied verarbeiten. Wir haben zu dem Song in Brasilien ein Video gedreht, dessen Bilder das Ausmaß der gespürten Gewalt schildern. Der Zufall wollte es, dass es der 8. März 2016 war – der internationale Tag der Frau“, erzählt Be Ignacio im Gespräch.

Um diese Bandbreite an Lebenserfahrungen musikalisch zu verarbeiten, war auch eine bewegte Studiozeit an wechselnden Orten erforderlich, damit schlussendlich ein möglichst lebensnah klingendes Album entstehen konnte. Die Reise führte die Musikerin und ihren Lebens- und Arbeitspartner Marquinho da Silva zunächst nach Los Angeles in die Ballroom-Studios, wo sie mit Drummer Robin di Maggio (Paul Simon, David Bowie, Dr. Dre, Daft Punk) und Keyboarder Renato Neto (Prince) die Basic-Tracks für "Tropical Soul" aufnahmen. Weiter ging es nach Spanien, um einzelne Spuren neu aufzunehmen und wieder ins deutsche Domizil an den Bodensee zur weiteren Arbeit an Sound- und Textfragmenten, bevor die zweite Runde in Los Angeles begann. Von dort ging es in Be Ignacios Geburtsstadt Sao Paulo für den finalen Feinschliff des Albums, nach weiteren Zwischenetappen in Los Angeles und der Wiener Staatsoper, wo die Streicher aufgenommen wurden.

Herausgekommen ist mit „Tropical Soul“ fraglos das bislang persönlichste Album der „deutschen Stimme Brasiliens“, wie ein Freund sie kürzlich nannte. Die Künstlerin feiert damit den Mut zur Selbstbestimmung, zur Weiblichkeit und zur Willensstärke. „Es ist meine Lebensreise zu mir selbst und zur Musik, die mit ihrem farbenprächtigem Temperament jede Faser zum Schwingen bringt“, sagt Be Ignacio, die regelmäßig Teile ihrer Gage für Monte Azul spendet, „alles ist auf dem Weg, immerzu, so spielt mein Leben.“

Live wird Be Ignacio unter anderem die Songs „Run“, „Tropical Soul“ und „Enluarada“ präsentieren und aus ihrem Repertoire der letzten vier CDs schöpfen, doch auch ihre bekannten Hits wie „Sununga“ oder „Samba e“ dürfen natürlich nicht fehlen. Zum Schluss hat sie für die Empfänger*innen dieses Newsletters noch eine Überraschung parat: Es steht ein begrenztes Kontingent an vergünstigten Karten für die Live-Konzerte zur Verfügung. Dafür bitte einfach an eine Mail an Be Ignacio schicken, den gewünschten Ort, Kartenanzahl und Postadresse nennen und die Karten nach Hause geschickt bekommen;-) Außerdem verlosen wir noch unabhängig davon unter allen Einsendungen per Mail drei handsignierte CD´s des neuen Albums „Tropical Soul“.

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |