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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

im Jahreslauf ist der Februar eine Zwischenzeit – einerseits regiert vom Kalender her noch der Winter, aber durch die stetig zunehmende Helligkeit keimt andererseits schon Frühlingshaftes auf. Diese Stimmung hat auch immer wieder die Dichter animiert, sie in ihren Texten aufzugreifen und in Worte zu fassen. So formulierte z.B. Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht "Vorfrühling" die folgende Zeile:

"Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau, greifen nach der Erde aus dem Raum."

So bleibt der Jahreszeitenwechsel zwar noch vage, deutet sich aber bereits an, wenn man nur aufmerksam genug hinschaut. Wir wünschen den Leserinnen und Lesern viele solcher aufscheinenden Vorfrühlingsmomente und auch viel Freude beim Lesen der Texte,

Ihre Newsletter-Redaktion!

P.S. Wer sich mit Gleichgesinnten dem Mut zum freien Geistesleben widmen möchte, kann vom 28. März bis zum 2. April 2016 im Goetheanum in Dornach die 10. Welt-Lehrer- und Erziehertagung besuchen.

Waldorf inside: Presseschauer Harm-Hagen Robbe

Quelle: Privat

(CMS) In unserem ersten Newsletter des neuen Jahres möchten wir Ihnen gerne den langjährigen Waldorf-Elternvertreter und Presseschauer Harm-Hagen Robbe vorstellen. Der waschechte Hanseat, der die Elbe, das Meer und die Schiffe liebt, steht werktags immer mitten in der Nacht für uns auf, damit die AbonnentInnen pünktlich um 6.00 Uhr die entsprechende e-Mail erhalten, die zu öffnen für viele zum allmorgendlichen ersten Ritual geworden ist.

Herr Robbe, wie sind Sie eigentlich zur Waldorfwelt gekommen?

Robbe: Das fing schon kurz nach meiner Geburt an. Mein Vater war Anthroposoph, ich bin in den Waldorfkindergarten gegangen und später auch in die Waldorfschule. Ich war ganz stolzes Gründungskind der Rudolf Steiner Schule Nienstedten, als ich dort in die 1. Klasse eingeschult wurde. Nach der Schulzeit gab es etwas Pause, bis meine eigenen drei Kinder kamen. Doch in der Zeit dazwischen habe ich mich an der Anthroposophie im Selbststudium versucht, Kurse im Rudolf Steiner Haus besucht und mit einem ehemaligen Klassenkameraden und Freund über die soziale Dreigliederung diskutiert – alleine fand ich es immer ganz schwer, gemeinsam war es wesentlich besser.  

Wie haben Sie Ihre Waldorfschulzeit denn erlebt?

Robbe: Oh, ich war wirklich ein sehr schlechter Schüler und bin damals auch nicht so gerne zur Schule gegangen. Als Linkshänder wurde ich noch auf rechts umgeschult und das hat mich ungeheuer viel Kraft gekostet, die mir an anderer Stelle fehlte. (Anm. der Redaktion: das wird zum Glück auch an Waldorfschulen schon lange nicht mehr gemacht)

Wie kam es dann, dass Sie Ihre Kinder trotzdem auf die Waldorfschule geschickt haben?

Robbe: Weil ich trotz allem der Meinung war und bin, dass die Waldorfschule die beste aller Möglichkeiten im Bildungswesen ist.

Im Laufe der Jahre hatte ich immer mehr Interesse an der Waldorfpädagogik entwickelt und als meine Kinder in den Waldorfkindergarten kamen, habe ich mich dort als Elternvertreter engagiert. Dabei blieb ich dann viele Jahre, auch während deren Schulzeit. Ich wurde Mitglied im Hamburger Landeselternrat der Waldorfschulen und dann auch im Sprecherkreis des Bundeselternrats (heute: Bundeselternkonferenz) und war seit 2007 einer der zwei Elternvertreter in der Bundeskonferenz. Das ging noch weit über die Schulzeit meiner Kinder hinaus bis Mitte 2014. Ich glaube, dadurch habe ich dann so einiges meiner schlechten Schulerfahrungen wieder aufgearbeitet, es war wie so eine Art „freiwilliges Nachsitzen“;-)

Mal so zwischendurch gefragt: was hat es eigentlich mit Ihrem Markenzeichen auf sich, der Kapitänsmütze, ohne die Sie nicht aus dem Haus gehen?

Robbe: Also, das ist keine Kapitänsmütze, sondern eine Seglermütze. Als Kind in Blankenese hatte ich immer schon den sog. Elbsegler auf (Anm. der Red. für Auswärtige: Eine flache blaue Mütze mit Schirm). Als Erwachsener bin ich dann ja zur See gefahren und habe viele Jahre „im Kontor“ einer Reederei gearbeitet. Mein Herz schlug schon immer für den Hafen und die Schiffe. So hatte ich dann auch immer eine derartige Mütze auf. Irgendwann verselbständigte sich das und ich erfüllte wohl auch die Erwartung der Anderen, die sie aufgrund der Macht der Gewohnheit an mich stellten.

Und welche Aufgabe erfüllen Sie inzwischen in der Waldorfwelt?

Robbe: Seit Dezember 2012 gebe ich werktags täglich die Presseschau heraus (Anm. d. Red.: sie ist hier zu abonnieren), in der ich Presseberichte zu den Themen Kindheit, Schule, Bildung, LehrerInnen, Erziehung, Umwelt und Gesundheit zusammenstelle. Dabei ist die Waldorfpädagogik ausdrücklich nicht das Hauptthema, sondern eher das, was sonst noch so in der Welt passiert.

Also ist die Presseschau Ihr Baby...

Robbe: Ja, ich empfinde sie als eine Dienstleistung für die Menschen aus der Waldorfwelt, damit sie die Möglichkeit erhalten, interessante Themen außerhalb ihres „Kosmos“ in gebündelter Form wahrzunehmen. Ich möchte auf diese Weise dem vorbeugen, dass „wir“ zu viel in unserem eigenen Saft schmoren könnten.

Die Presseschau ist nun schon ins vierte Jahr gegangen. Was ist Ihre schönste Anekdote aus dieser langen Zeit?

Robbe: Ich habe mal in der Presseschau einen Artikel gebracht, in dem zur Demo für die freien Schulen in Stuttgart aufgerufen wurde. Danach stellte jemand der Landesarbeitsgemeinschaft in Baden-Württemberg fest, dass der Artikel schon zwei Jahre alt war. Seitdem habe ich bei allen Artikeln immer das Datum mit dabei stehen, so kann jeder gleich sehen, dass alles immer möglichst „frisch“ ist und ich nichts mit abgelaufenem Verfallsdatum anbiete.

Welches Lieblingsthema würden Sie gerne einmal in der Presseschau vermelden?

Robbe: Ich würde mich freuen, wenn ich einmal melden könnte, dass viel mehr Geld für Kindererziehung, Schule und Bildung ausgegeben würde, als für Kriegswaffen, Verblödung des Volkes (schwachsinnige TV-Shows) etc. In Dinge, die sinnvoll und zukunftsgerichtet für die Menschheit wirken, sollte Kraft und Geld investiert werden.

Anruf in: Stuttgart-Uhlandshöhe – Die älteste Waldorfschule

Das Hauptgebäude der FWS Stuttgart-Uhlandshöhe
Der Schulgarten im Winterschlaf (beide Fotos Copyright: FWS Stuttgart-Uhlandshöhe)

(CU) Nachdem im letzten „Anruf in“ die derzeit jüngste Waldorfschule in Weilheim/Bayern vorgestellt worden ist, gilt die Rubrik jetzt der ältesten – der Freien Waldorfschule Stuttgart-Uhlandshöhe. Mit dem Neuen Jahr ist auch das große Jubiläum der Waldorfschulen näher gerückt – jetzt sind es nur noch drei Jahre, bis man auf der Uhlandshöhe das 100-jährige Bestehen der Waldorfschule feiern kann. Gesprächspartnerin ist Beate Kötter-Hahn, Lehrerin in Teilzeit an der  Schule und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Für sie verbindet sich auch eine persönliche Geschichte mit der Schule: Ihr Vater Friedhold Hahn war viele Jahre Lehrer an der Schule, ihr Großvater Herbert Hahn einer der Gründungslehrer.

Kann man sagen, dass die Waldorfschule auf der Uhlandshöhe aufgrund ihrer Geschichte etwas Besonderes ist?

Kötter-Hahn: So generell kann man das nicht sagen. Was uns auf jeden Fall unterscheidet von den anderen Waldorfschulen sind die unglaublich vielen Besucher aus der ganzen Welt. In der Weihnachtszeit war es zwar etwas ruhiger, aber zum Frühjahr hin nimmt es wieder zu, da stehen jede Woche Führungen durch die Schule an.

Wer sind denn die Besucher genau?

Kötter-Hahn: Das ist unterschiedlich. Bei vielen Reisegruppen gerade aus Asien steht die Waldorfschule auf dem Programm wie z.B. das Mercedes-Museum. Andere verbinden mit dem Besuch ein inhaltliches Interesse, wir haben auch immer wieder hochrangige Funktionäre aus dem Bildungswesen anderer Länder hier, die sich informieren wollen, z.B. gerade aus China und Japan. Asien ist derzeit sicherlich ein Schwerpunkt bei den Besuchern.

Dann wäre es eine Besonderheit, dass Ihre Schule eine(n) FremdenführerIn braucht... Kann man außerdem sagen, dass die Waldorfschule Uhlandshöhe besonders traditionsbewusst ist? 

Kötter-Hahn: Das ist eine häufig gestellte Frage! Die Antwort kann nicht lauten: Die Schule wurde vor fast 100 Jahren gegründet und heute machen wir immer noch die gleichen Sachen wie damals. Letztendlich geht es darum, dass Rudolf Steiner uns 1919 etwas Bleibendes mit auf den Weg gab, nämlich die Vorbereitungskurse und die Allgemeine Menschenkunde. So sind es einerseits universelle und allgemein gültige Gesetzmäßigkeiten, die unsere Pädagogik prägen. Auf der anderen Seite bedarf es der heutigen Lehrer, die die ständigen Veränderungen der Kinder, deren Impulse wahrnehmen und den Unterricht entsprechend neu gestalten. Kann man dies Tradition nennen? Eine Schule ist nur so gut, wie die aktuell unterrichtenden Lehrer.

Was beschäftigt die Schule denn aktuell am meisten?

Kötter-Hahn: Da ist natürlich als ein Thema das der Flüchtlinge zu nennen. Wir hatten gerade eine Veranstaltung, die „Blick in die Zeit“ heißt, das machen wir immer zum Anfang des Jahres. Diesmal hatten wir den Kinderarzt Martin Straube eingeladen, um über das Flüchtlingsthema zu sprechen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Flüchtlingskinder dort am besten aufgehoben sind, wo eben die traditionellen Elemente der Waldorfpädagogik hoch gehalten werden wie Rhythmus und Struktur. Das wäre für mich so ein Beispiel, bei dem man sieht, wie wichtig es ist, Traditionen der Waldorfpädagogik zu bewahren.

Hat die Waldorfschule Uhlandshöhe denn schon Flüchtlingskinder aufgenommen?

Kötter-Hahn: Die Schule hat ziemlich schnell beschlossen, sich an der Beschulung der Flüchtlingskinder zu beteiligen, als klar war, wie viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen würden in 2015. Wir haben derzeit zehn Flüchtlingskinder in den Klassen eins bis elf, weitere acht stehen auf der Warteliste. Eine eigene Willkommensklasse haben wir nicht, die Flüchtlingskinder werden direkt in die Klassen integriert. Wir haben drei ehemalige Lehrerkollegen engagiert, die sich nachmittags um sie kümmern und Förder- bzw. Deutschunterricht erteilen. Zu zwei Dritteln läuft es gut, wie die Kollegen berichten, je jünger die Kinder sind, umso besser. Wir haben zu dem Thema auch eine pädagogische Konferenz veranstaltet und uns intensiv vorbereitet z.B. auch durch den Vortrag von Martin Straube. 

Und welches sind die anderen Themen, die die Schule derzeit beschäftigen?

Kötter-Hahn: Ein weiteres Zukunftsprojekt ist der Neubau. Wir leben ja zum Teil mit Gebäuden, die wirklich nicht mehr zeitgemäß sind. Das wird einem bei jeder Führung bewusst, wieviel historische Substanz wir hier oben haben, Gebäude, die zum Teil noch Provisorien aus den 20er-Jahren sind. Die Heileurythmiebarracke z.B. ist von Anfang an in Gebrauch, also seit fast 100 Jahren. Der ganze Naturwissenschaftsbereich braucht dringend neue Räume, sie sind viel zu klein und entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen der Schüler in der heutigen Zeit. Das Bauvorhaben ist auf dem Weg, der Architekt ist Stefan Behnisch, ein ehemaliger Schüler unserer Schule.

Wann genau wird die Baumaßnahme starten und wann rechnen Sie mit der Fertigstellung?

Kötter-Hahn: Das kann man im Augenblick noch nicht sagen. Sicher ist nur, dass dem einen oder anderen etwas wehmütig zumute ist: Geht es doch um das Gebäude, in welchem die ersten 256 Schüler 1919 mit dem Unterricht begonnen haben. Auf der anderen Seite muss man trotz der historischen Bedeutung den Mut haben, für die jetzigen und zukünftigen Schülergenerationen zu planen und nicht an Vergangenem festhalten.

Der Neubau wird Räume für die Naturwissenschaften, Malen und Eurythmie bieten, auch Oberstufenklassen sollen dort Klassenzimmer bekommen. Die Mensa soll in den Neubau integriert werden, das wäre dann gewissermaßen ein Wiederaufleben der Geschichte durch die Bewirtung – 1919 war es ja ein Restaurant, in das die Schule eingezogen ist. Die jetzige Mensa wird dann Betreuungshaus bzw. Hort, die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist enorm groß. Unser Wunsch ist natürlich, dass der Neubau bis zum Jubiläum 2019 weitgehend fertig ist. Damit wären wir beim dritten Thema, das uns gerade beschäftigt.

Und wie geht die Schule mit dem Jubiläum "100 Jahre Uhlandshöhe" um?

Kötter-Hahn: Wir sind derzeit in der Planung, das ist gar nicht so einfach, denn das Jubiläum soll ja auch Inhalte in die Öffentlichkeit tragen und eine gewisse Größe haben, aber nicht nur öffentlich-repräsentativ wirken. Wir planen mit dem BdFWS zusammen, der das Waldorf-Weltfestival auf dem Programm hat, aber wir haben auch unsere eigenen Impulse. Das Jubiläum ist gedacht als eine Art Öffnung auch auf globaler Ebene, aber es ist – wie gesagt – noch nichts fest, sondern alles in Planung.

Zum Schluss noch die Frage, die an alle Schulen gestellt wird: Wie sieht es denn bei Ihnen mit der Lehrergewinnung aus, haben Sie da einen Standortvorteil?

Kötter-Hahn: So allgemein kann man das nicht sagen, sicherlich haben wir immer viele Studierende des Stuttgarter Seminars als Praktikanten, weil es direkt nebenan ist. Aber wir haben auch Fächer wie z.B. Musik, die wie überall schwer zu besetzen sind. Was der Schule sicherlich zugute kommt, ist ihr Umfeld, sie hat einen großen Kreis von Menschen um sich, in dem wir immer wieder nachfragen können, wenn Stellen zu besetzen sind. Eine regelrechte Kampagne zur Lehrergewinnung mussten wir bisher nicht starten.

Was auch viele Lehrer anzieht, ist der gute Zusammenhalt in unserem Kollegium. Dies wird nicht zuletzt in der Konferenzarbeit deutlich: Wir arbeiten mit der klassischen Dreiteilung Pädagogische, Technische und Interne Konferenz. Trotz der beträchtlichen Zahl an Kollegen in den Konferenzen sind die Gespräche auf einem sehr guten Niveau. Dafür kann man in der heutigen Zeit nur dankbar sein.

Wenn ich jetzt mal ein Fazit ziehen darf – alles in allem scheint mir die Uhlandshöhe doch schon ein besonderer Ort zu sein, auch wenn Sie als Schule das nicht so herausstellen wollen...

Kötter-Hahn: Was wir jetzt noch gar nicht angesprochen haben, ist unser Schulgarten, das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes: Das ist schließlich das erste Fleckchen Erde, das biologisch-dynamisch bewirtschaftet worden ist. Seit fast 100 Jahren ist dort kein Gramm Gift eingesetzt worden.

Spätestens dort betritt man dann also wirklich historisches Terrain auf der Uhlandshöhe... Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Durch Messeauftritte den Kontakt mit dem Pubikum suchen

Schuelerdarbietungen auf der dicacta 2013 in Köln
Ministerin Löhrmann an unserem didacta-Stand 2013
Gemeinschaftsstand mit der Waldorfkindergartenvereinigung auf der Leipziger Buchmesse 2015 (alle Fotos Copyright: BdFWS)

(CU) Im Februar beginnt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BdFWS die jährliche Messezeit. Für die Abteilung bieten die Messeauftritte immer viele Gelegenheiten, Informationen zur Waldorfpädagogik unter den Besuchern zu verbreiten und auch in zahlreichen Gesprächen am Stand zu hören, welche Fragen die Menschen zu den Waldorfschulen haben. „Der direkte Kontakt mit dem Publikum ist ganz wichtig für uns, auch um zu planen, welche Themen wir das ganze Jahr über nach außen tragen“, betont dazu Celia Schönstedt, die Pressesprecherin des BdFWS. 

Auftritte der Waldorfpädagogik auf der Bildungsmesse didacta und der Buchmesse in Leipzig gehören von daher schon seit langem zum festen Jahresprogramm der Abteilung. Eine Ausnahme bildete dabei das vergangene Jahr, bei dem der didacta-Auftritt auf der Hannover Messe wegen ungünstiger Bedingungen ausgesetzt worden war. In diesem Jahr steht die didacta aber wieder auf dem Programm: Geeigenete Themen werden ausgesucht, Referenten gebucht, Pressemappen gepackt und Pressemitteilungen versandt. Bei der didacta sind immer auch Schulen der jeweiligen Region mit verschiedenen Darbietungen am Stand vertreten.

Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr die BIOFACH, die Weltleitmesse der Biobranche, die vom 10.-13. Februar 2016 in Nürnberg stattfindet. Hier wird die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BdFWS präsent sein, weil die Messe dieselbe Zielgruppe anspricht, die die Abteilung sowohl bei der Gewinnung neuer LehrerInnen als auch der Ansprache von Eltern bzw. SchülerInnen im Blick hat. Außerdem spielt die ökologische Erziehung an Waldorfschulen eine große Rolle (z.B. in der Ackerbauepoche, dem Fach Gartenbau oder im Landbaupraktikum). Zwei Veranstaltungen sind auf der BIOFACH geplant zum Thema "Ökologische Erziehung an Waldorfschulen" und zu "Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik".

Die didacta findet vom 16.-20. Februar 2016 in Köln statt. Auch hier steht das Thema Medienmündigkeit auf dem Programm am Stand der Waldorfschulen. Außerdem ist ein Vortrag von Bernd Ruf von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. zur Notfallpädagogik geplant und eine Diskussion zur Frage, wie gut die Waldorfschulen für die Aufnahme von Flüchtlingskindern gerüstet sind. Schließlich geht es um Bienen auf dem Schulgelände und Interessenten können sich ausführlich über Wege zum Beruf des Waldorflehrers informieren. Am Elternsamstag thematisiert die Vereinigung der Waldorfkindergärten, die bei der didacta immer Mitveranstalter ist, die Erwartungen der heutigen Kinder gegenüber den Erwachsenen. 

Auf der Leipziger Buchmesse vom 17.-20. März 2016 ist die Waldorfpädagogik durch die Pädagogische Forschungsstelle des BdFWS mit ihrem Bücherangebot vertreten, auch hier in Kooperation mit der Vereinigung der Waldorfkindergärten. Gemeinsam mit den anthroposophischen Verlagen auf der Buchmesse wird jedes Jahr ein interessantes Programm zusammengestellt, basierend auf neu erschienenen Büchern.

Ein Thema in diesem Jahr ist die Sprachpflege. „Wie können Eltern die Sprachentwicklung ihrer Kinder bewusst fördern“ wird bei einer Veranstaltung im Rahmen von Fokus Bildung gefragt, außerdem geht es um Spiritualität in der Pädagogik. Erstmals ist dabei auch eine Kooperation der Pädagogischen Forschungsstelle mit dem Verlag Barbara Budrich zustande gekommen, der das Buch zum Thema „Spiritualität in Lebensbereichen der Pädagogik“ herausgebracht hat. In ihm sind viele namhafte Autoren aus der Waldorfschulbewegung vertreten.

Mit ihrem Material und den Veranstaltungen möchte die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BdFWS nicht zuletzt auch die zahlreichen Medienvertreter ansprechen, die die verschiedenen Messen bevölkern. Der Absatz der Pressemappen zeigt deren Interesse an: Auf der didacta werden regelmäßig ca. 50 Pressemappen nachgefragt, auf der Leipziger Buchmesse rund 35, die Tendenz ist steigend.

Rückblick auf den Thementag Gewaltprävention

Quelle: Privat

(CMS) Rund 100 TeilnehmerInnen kamen am 22. Januar 2016 ins Anthroposophische Zentrum nach Kassel zum Thementag „Missbrauch und Gewalt – Prävention/Intervention“, den die Verbände Bund der Freien Waldorfschulen, Vereinigung der Waldorfkindergärten und Anthropoi, Bundesverband anthroposophisches Sozialwesen, gemeinschaftlich veranstalteten. Frau Prof. Dr. Mechthild Wolff, Leiterin des Studiengangs Kinder- und Jugendhilfe an der Hochschule Landshut mit den Lehrgebieten Pädagogik, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie Kinderschutz in Institutionen begleitete die Veranstaltung als externe Beobachterin und fasste in ihrem Abschlussvortrag die Ergebnisse zusammen. Die Newsletter-Redaktion sprach im Anschluss daran mit ihr über ihre Eindrücke während des Thementages.

Frau Prof. Wolff, wie haben Sie die gesamte Veranstaltung empfunden?

Prof. Wolff: Mich hat der offene, unerschrockene und enttabuisierende Diskurs über schwierige Themen wie der Machtmissbrauch in Institutionen und der Umgang mit Krisensituationen sehr beeindruckt. Ich habe nicht wahrgenommen, dass etwas schöngeredet wurde, oder man von diesen Dingen nichts wissen wollte. Es gab ein Ringen um Lösungen im Sinne eines guten und achtsamen Umgangs miteinander. Die waldorfpädagogischen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sind offenbar schon einige Schritte weiter und ich hoffe, dass deren Erfahrungen im positiven Sinne auch auf die Waldorfschulen ausstrahlen und sich dort ähnliche Strukturen etablieren werden. 

Hatten Sie das erste Mal mit VertreterInnen von Waldorfschulen zu tun?

Prof. Wolff: Ja, im professionellen Sinne schon. 

Und wie war das für Sie? Gab es da etwas Befremdliches?

Prof. Wolff: Naja, ich habe am Anfang gefragt, ob es denn auch Technik gibt für eine Powerpoint-Präsentation, da war ich mir nicht so sicher. Das wurde aber direkt mit Humor aufgefasst und man antwortete mir, ich müsse meinen Vortrag natürlich tanzen. Aber am Ende lief alles ganz professionell mit Medieneinsatz.

Welche Themen haben Ihnen bei den Arbeitsgruppen womöglich gefehlt?

Prof. Wolff: Mir hat die Gefährdungsanalyse gefehlt, also der Blick nach innen und auf das Spezifische der Waldorfpädagogik. Denn aus ihren Besonderheiten können eventuell ganz spezielle Risiken erwachsen, derer man sich bewusst werden muss. Darauf aufbauend sollten dann Regeln entwickelt werden, die das Risiko für die Jugendlichen minimieren, damit sie nicht schutzlos ausgeliefert sind. Dabei geht es immer um eine Stärkung der Rechte der Kinder und Jugendlichen. Auch fehlte der Bereich der Aufarbeitung in den Arbeitsgruppen. Da geht es darum, sich die Frage zu stellen, was man aus den Geschehnissen lernen kann für zukünftige verbesserte Prävention und Intervention. Auch wäre ein noch stärker partizipativ ausgerichteter Kinderschutz anzudenken, wo es um die Information und verstärkte Einbeziehung der Jugendlichen geht. Das ist zwar heikel, denn es kann Verunsicherung hervorrufen, aber es muss zumindest bedacht und in den Institutionen thematisiert werden. 

Was ist Ihnen das Wichtigste am Thema Gewaltprävention?

Prof. Wolff: Mir ist wichtig, dass man in alle Richtungen partizipative Strukturen schafft, also mit Eltern, Kindern und anderen Institutionen an dem Thema arbeitet. Dass wir uns alle noch mehr öffnen und mit anderen zusammenarbeiten, denn wir können hier nur gemeinsam vorankommen. Es geht um Probleme, die immer mehrere Menschen betreffen, also kann auch nicht einer allein für deren Lösung zuständig sein. Man muss es auch als Schule nicht alleine stemmen, sondern sollte sich vielmehr Hilfe holen, sobald man nicht mehr weiterkommt.
Außerdem liegt mir am Herzen, dass die Kinder und Jugendlichen gut über diese Themen informiert werden und in ihren eigenen Wahrnehmungen und Rechten bestärkt werden. Die Erwachsenen sind zwar die Verantwortlichen und müssen in den Institutionen für Schutz und Sicherheit sorgen, doch gleichzeitig müssen Kinder wissen, dass sie auch selbst über Rechte verfügen und Dinge anmahnen können. Sie sind zu integrieren in die Prozesse, damit es durchschaubar und transparent wird und keine Mauscheleien stattfinden!

Was hat Ihnen besonders gut gefallen an unserem Thementag?

Prof. Wolff: Mir gefiel besonders das gute Miteinander in den Arbeitsgruppen. Obwohl Menschen aus ganz verschiedenen Arbeitsbereichen zusammen kamen (aus Schulen, Kindergärten und heilpädagogischen Einrichtungen), haben sie trotzdem eine homogene Gruppe gebildet, in der eine gemeinsame offene Diskussionen möglich war.
Darin spiegelt sich möglicherweise die Bildung aus einer Hand wider, die die Waldorfpädagogik vom Kleinkind bis zum Erwachsenen bietet (Anmerkung der Redaktion). 

Was möchten Sie den Waldorfschulen noch abschließend mit auf den Weg geben?

Prof. Wolff: Ich möchte ihnen empfehlen, dass sie sich in den einzelnen Schulen oder übergreifend um einen „Code of conduct“ kümmern und einen Diskurs darüber führen, was pädagogisch angemessene Verhaltensweisen sind. Eine gemeinsam abgestimmte Sichtweise für diese Pädagogik zu beschließen, halte ich für ganz zentral, zumal gerade reformpädagogische Ansätze in den letzten Jahren stark in die Kritik geraten sind und dies bisher versäumt hatten. Es wird also höchste Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was man den professionellen Lehrkräften abverlangen kann und muss, es geht darum, „No Gos“ zu formulieren! Gerade in dieser beziehungsorientierten Pädagogik ist das eindeutig zu formulieren, sonst wird es beliebig und willkürlich. Sobald jeder es für sich allein definieren kann, erhöhen sich die Risiken für Machtmissbrauch und Intransparenz.

Neues Handbuch: Schule in der Migrationsgesellschaft

(CU) Die Ankunft der vielen Kinder und Jugendlichen aus den Flüchtlingsfamilien hat ein Thema in den Vordergrund der bildungspolitischen Debatte gerückt, das eigentlich schon viel länger im Fokus der Aufmerksamkeit in Deutschland stehen müsste: die angemessene schulische Förderung von Schülern aus Einwandererfamilien.

„Laut Mikrozensus von 2011 haben inzwischen ein Drittel aller SchülerInnen in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund – in jüngeren Jahrgängen stellen sie je nach Gemeinde oder Stadt "eine mehr oder minder große Mehrheit dar“. So wird die Sachlage im neuen Handbuch „Schule in der Migrationsgesellschaft“ beim Namen genannt. Das zweibändige Standardwerk, das sich an Studierende des Lehramts, aber auch an alle an der Thematik interessierte LehrerInnen wendet, ist die vollständig überarbeitete und um viele Beiträge erweiterte Neuausgabe des Standardwerks „Schule in der Einwanderungsgesellschaft“ aus dem Debus Verlag, Schwalbach/Ts. In zwei Bänden bietet das Buch auf ca. 900 Seiten einen kompletten Überblick über die Herausforderungen und Chancen, die für das Bildungswesen und den Schulalltag mit der Migrationsthematik verbunden sind.

Am Anfang der Analyse steht die Erkenntnis eines Versagens: Bis zum Ende der 90er Jahre haben Politik und Gesellschaft sich anhaltend geweigert zur Kenntnis zu nehmen, dass Deutschland zu einem Einwanderungsland geworden ist. Vor allem für das Arbeitsfeld Schule müsse auch heute noch konstatiert werden, schreiben die Herausgeber Rudolf Leiprecht und Anja Steinbach in ihrem Vorwort, dass „Migration nach wie vor nicht als ‚Normalfall’ betrachtet wird".

Das Bildungssystem in Deutschland hätte die SchülerInnen mit Migrationserfahrungen im Durchschnitt vernachlässigt, von daher seien „erhebliche Schieflagen“ hinsichtlich der Förderung dieser Schülergruppe zu vermelden: In den Förderschulen sind sie überrepräsentiert, sie schließen ihre Schullaufbahn häufiger ohne Schulabschluss ab, in Bezug auf niedrige Schulabschlüsse sind sie über-, hinsichtlich höherer Schulabschlüsse unterrepräsentiert.

Die Zugänge zur Schule und die Übergänge zwischen den Schulstufen zeichnen sich in Deutschland durch eine „massive Bildungsbenachteiligung“ aus, immer wieder wird Deutschland im internationalen Vergleich eine sehr enge Koppelung zwischen sozialer Herkunft und schulischen Kompetenzen nachgewiesen. Die institutionelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund führt auch dazu, dass die Zusammensetzung der Lehrerkollegien sich in naher Zukunft nicht zugunsten von mehr Lehrern mit Migrationshintergrund verändern wird.

Um diese strukturelle Situation zu verändern, setzt das Handbuch bei der Grundbildung der Lehrkräfte an, die ihr Augenmerk stärker auf den Umgang mit sozialer, kultureller und sprachlicher Heterogenität richten und die dabei wirkenden Mechanismen der Ausgrenzung in den Blick nehmen sollen.

Die Beiträge des Handbuchs beziehen sich auf nahezu alle Aspsekte, die im Zusammenhang mit der Migrationsthematik wichtig sind – vom bildungspolitischen Diskurs über die Lebenssituation der Eingewanderten und die Frage der Wirksamkeit von Rassismus im schulischen Alltag bis hin zu Fachdidaktik und pädagogischer Professionalität. So erfährt der/die LeserIn auf breiter Ebene, wie die Anforderungen genau beschaffen sind, denen sich pädagogisch Handelnde in der Migrationsgesellschaft stellen müssen.

Ein professioneller Umgang mit der Thematik umfasse eine „reflexive Auseinandersetzung mit Inklusions- und Exklusionspraktiken sowie mit bestehenden Macht- und Ungleichheitsverhältnissen, unter denen pädagogisches Handeln stattfindet", betonen die Herausgeber Leiprecht und Steinbach. Das Handbuch bietet für diesen Reflexionsprozess eine solide und umfassende Grundlage und gehört von daher in jede Schul- und Hochschulbibliothek – auch im freien Schul- und Hochschulwesen.

Literaturhinweis: Leiprecht, R./Steinbach, A.: Schule in der Migrationsgesellschaft – Ein Handbuch, Band 1 und 2, Schwalbach/Ts. 2015

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