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Waldorfschule Online-Shop

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

draußen scheint die Sonne, es ist warm und um uns herum macht sich zunehmend eine Sommer-Sonnen-Urlaubsstimmung breit. Doch wohin soll es gehen in dieser "schönsten Zeit des Jahres"? Und worum soll es gehen in den arbeitsfreien Wochen? Die Natur schenkt uns überschwänglich ihre bunten Farben und vielseitigen Formen und inspiriert uns vielleicht, ihr ein wenig mehr Zeit zu widmen und sich eingehender mit ihr zu beschäftigen. Oder ein anderes uns am Herzen liegendes Thema erhält endlich die Zuwendung, die es verdient, da es doch im Alltag so oft zu kurz kommt. Zum Beispiel das Lesen besonderer Bücher, von denen wir Ihnen weiter unten auch eines vorstellen möchten.

In jedem Fall geht es wohl darum, dass unsere "Herzen nicht verhungern", wie der bekannte Familientherapeut Jesper Juul kürzlich in einem bewegenden Artikel zur Mediennutzung in Familien schrieb und "Smartphones haben (deshalb) auf der Familieninsel nichts zu suchen".

In diesem Sinne wünschen wir allen eine smartphonearme, beziehungsreiche und erholsame Urlaubszeit zum Auftanken und Regenerieren, so dass Sie danach mit frischem Schwung Ihre Vorhaben angehen können,

Ihre Newsletter-Redaktion!

Waldorf inside: Lynn Marie Wendt


(Foto: privat)

(CMS) Wir haben mit der 13-jährigen Lynn Marie Wendt von der Freien Waldorfschule Prien am Chiemsee ein Gespräch über ihre Achtklassarbeit geführt, für die sie ein wunderbares "Kinderbuch" geschrieben hat. Es trägt den Titel "Selma aus Damaskus", ist im Mai 2016 erschienen und kann direkt über den Kilian Andersen Verlag für 4,95 € erworben werden (ISBN 978-3-9813623-3-6).

Lynn Marie, Du hast als Jahresarbeit in der 8. Klasse ein Buch über syrische Flüchtlinge geschrieben und bebildert. Wie kam es dazu?

Lynn Marie: Ich habe schon immer gerne gelesen. Das Flüchtlingsthema habe ich in der Kindersendung LOGO und auch in Dein SPIEGEL verfolgt. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich trotz der vielen Informationen das Thema nicht wirklich verstehe. Zum Beispiel: Warum flüchten denn so viele Menschen aus bestimmten Ländern? Was passiert dort? Und eine Begegnung mit Flüchtlingskindern bei einem Basketballspiel hat dann den Ausschlag gegeben.

Wie bist Du bei der Recherche für dieses sensible und aufwühlende Thema vorgegangen?

Lynn Marie: Zuerst habe ich im Internet recherchiert und dabei unglaubliche Geschichten von Flüchtlingen gelesen. Manche Geschichten hatten ein gutes Ende, viele waren aber auch mit schrecklichen Erlebnissen gefüllt. Zum Glück habe ich die Berichte mit meiner Mutter zusammen gelesen und wir konnten dann darüber sprechen. Parallel habe ich versucht, hier Kontakt mit Flüchtlingen aufzunehmen, aber das war extrem schwierig.

Wie hast Du Deine Hauptfigur Selma entwickelt?

Lynn Marie: Ich wollte mir als erstes gerne einen Namen überlegen und habe dafür im Internet syrische Namen recherchiert. Dabei hat mich der Name SELMA sofort angesprochen. Später habe ich dann die Übersetzung nachgeschlagen und es bedeutet „Harmonie, Frieden“. Ein Titelbild von Dein SPIEGEL vom letzten Frühsommer gab mir eine optische Vorlage für Selma. Ihr Alter und ihre Geschichte haben sich im Laufe des Projektes immer weiterentwickelt.

Was hat die Beschäftigung mit diesem Thema in Dir selbst ausgelöst?

Lynn Marie: Dankbarkeit – ich bin so froh, dass ich das Glück habe, hier in Deutschland geboren zu sein. Uns geht es so gut. Aber auch das Gefühl, dass wir diesen Menschen helfen müssen. Und wir haben ja auch so viel, dass wir locker etwas davon abgeben können. Und ich bin echt sauer, dass Herrscher wie dieser Baschar- al Assad so mit der syrischen Bevölkerung umgehen dürfen und niemand kann ihn stoppen.

Wie hat sich Dein Umgang damit seitdem verändert?

Lynn Marie: Auf jeden Fall. Besonders schlimm finde ich, dass wir diesen Menschen jetzt unsere Türen/Grenzen vor der Nase zumachen, nachdem sie so langwierige und gefährliche Reisen auf sich genommen haben. Und jetzt ertrinken wieder so viel mehr Menschen (und vor allem Kinder) im Mittelmeer. Und wir schauen zu.

Wie sah die Unterstützung für dieses Projekt durch Deine Schule aus?

Lynn Marie: Mein Klassenlehrer Herr Asam hat im Vorfeld mit uns unsere Wünsche und Ideen besprochen. Die finale Entscheidung lag aber bei uns. Wir hatten auch einen zeitlichen Plan von ihm erhalten, nachdem wir arbeiten sollten. Parallel dazu hatte auch jeder Schüler noch einen selbst gewählten Tutor.

Welche Bedeutung hat es für Dich, dass Du auf eine Waldorfschule gehst?

Lynn Marie: Meine Freunde auf den staatlichen Schulen lernen für Noten. Und Noten legen dann auch fest, ob sie als cool gelten oder nicht. Ich hingegen lerne für mich und mein Leben. Außerdem lerne ich auch noch andere Dinge wie Gartenbau, Theater und Werken. Und wir machen tolle Projekte und Klassenfahrten. Überhaupt haben wir als Klasse einen tollen Zusammenhalt. Das finde ich cool! Auf der anderen Seite muss man aber auch aushalten, dass die Freunde aus den staatlichen Schulen ständig abfällige Bemerkungen über die Waldorfschule machen (ohne sie überhaupt zu kennen). Das ist bis heute schwierig für mich.

Wie sieht Dein Fazit der Jahresarbeit insgesamt aus?

Lynn Marie: Die Achtklassarbeit war eine wahnsinnige Herausforderung für mich und manchmal habe ich gedacht, ich schaffe das nicht. Besonders vor der öffentlichen Präsentation in der Schule hatte ich richtig Angst. Aber alles lief gut und rückblickend bin ich jetzt auch richtig stolz, dass ich es geschafft habe. Und ich habe gemerkt, dass ich auch im Schulalltag besser mit größeren Aufgaben umgehen kann.

Welche Botschaft ist Dir am wichtigsten, die Du mit diesem Buch in die Welt tragen möchtest?

Lynn Marie: Es ist sicherlich schrecklich, seine Heimat verlassen zu müssen, besonders für Kinder. Ich sehne mich ja schon nach meinem Zuhause, wenn ich nur ein paar Tage auf Klassenfahrt gehe. Deshalb macht mich das auch so traurig und betroffen, was all diese Flüchtlingskinder gerade durchmachen müssen. Um so wichtiger ist es, dass wir ihnen hier das Gefühl geben, dass sie willkommen sind!

Anruf in: Neuwied – Aufbau nach dem Schulbrand

So sah das Hauptgebäude nach dem Brand aus (Foto: Ralf Steube)
Das Containerdorf, in dem dieses Schuljahr der Unterricht stattfand
Das Fest zur Grundsteinlegung für den Neubau
So soll das neue Gebäude einmal aussehen (alle weiteren Fotos Copyright: Freie Waldorfschule Neuwied)

(VS) Vor gut einem Jahr berichteten wir vom verheerenden Gebäudebrand an der Freien Waldorfschule Neuwied. Das gesamte 30 Jahre alte Schulgebäude fiel den Flammen zum Opfer und musste abgerissen werden. Mit Nicole Gomber, Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule Neuwied, sprechen wir über die Folgen  des Brandes und über die Zukunft der Schule.

Was hat sich seit dem Gebäudebrand an der Waldorfschule Neuwied verändert?

Gomber: Nachdem das alte Hauptgebäude der Schule abgebrannt ist, wurden in einem Kraftakt durch die Schulgemeinschaft Container organisiert, in denen dieses Schuljahr der Unterricht stattgefunden hat. Beeindruckend war für mich, wie in den letzten Sommerferien die Schulgemeinschaft zusammen gerückt ist und gemeinsam das Containerdorf aufgebaut hat. Noch am letzten Tag vor dem Schulbeginn haben die Eltern die Klassenräume gestrichen, um eine Wohlfühlatmosphäre herzustellen. Ich erinnere mich auch, wie schwierig es war, überhaupt Container zu bekommen, da sie derzeit an vielen Orten in Deutschland benötigt werden.  

Wie ist es zu dem Gebäudebrand gekommen?

Gomber: Kurz vor den Sommerferien 2015 haben zwei Jugendliche auf dem Schulhof gezündelt, was zu einem verheerenden Brand führte. Die Feuerwehr konnte damals das Gebäude nicht mehr vor den Flammen retten. Bei einem der beiden jugendlichen Brandstifter läuft derzeit das juristische Verfahren. Der andere Jugendliche ist noch nicht strafmündig. Beide sind keine Schüler unserer Schule gewesen, das hatten wir direkt als allererstes geklärt.

Welchen Einfluss hatte der Brand auf das Schulleben?

Gomber: Zunächst gab es eine Art Schockstarre. Das Schulgebäude war das Herzstück der Schule, da es auch von vielen Gründungseltern mit aufgebaut wurde, die noch heute an der Schule aktiv sind. Der Blick richtete sich aber mit dem Beginn der Planung des neuen Schulgebäudes schnell wieder nach vorne.

Ist ein neues Gebäude schon im Bau?

Gomber: Ja, gleich zu Anfang des Schuljahres hat unser Architekt einen Entwurf für das neue Schulgebäude vorgestellt. So wurde mit der Verabschiedungsfeier des alten Gebäudes der Neubau beschlossen. In der Schulgemeinschaft entstand eine Art Aufbruchstimmung, die noch immer anhält. Besonders froh sind wir darüber, dass wir mit der Fertigstellung des neuen Schulhauses genügend Räumlichkeiten für den Ganztagsunterricht haben werden. Hierfür fehlte uns bisher der Platz.

Wann soll das neue Schulgebäude fertig sein?

Gomber: Spätestens zum Schuljahr 2017/18 soll der erste Unterricht dort stattfinden. Wir hoffen, vielleicht schon Ostern 2017 in das Gebäude einziehen zu  können.

Wie wird das neue Schulgebäude finanziert?

Gomber: Zum einen durch die öffentlichen Baukostenzuschüsse und zum anderen durch die Versicherung. Einen erheblichen Teil haben wir aber durch Spendengelder erhalten. Es gab zahlreiche Benefizveranstaltungen, sowohl von umliegenden Waldorfschulen als auch von der Stadt Neuwied. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Beteiligten nochmals ganz herzlich für die enorm große Unterstützung bedanken und freuen uns über jede weitere Spende.

Für den Einzug in das neue Schulgebäude wünsche ich Ihnen alles Gute. Vielen Dank für das interessante Gespräch ein Jahr nach dem Schulbrand!

Spendenkonto: 

IBAN DE 85 5745 0120 0030 2637 35
BIC  MALDE51NWD
Sparkasse Neuwied 
Kto Nr. 302 637 35 
BLZ 574 501 20

"Bin ich Faust?" Jugendtagung in Dornach

Faust 1: Gretchen im Kerker
Faust 1: Der Nachbarin Haus mit Marthe und Mephisto
Faust 2, Akt I: Gärtnerinnen in der Kaiserlichen Pfalz
Faust 2, Akt II: Felsbuchten im Ägäischen Meer

(CMS) Die Jugendsektion der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum lädt junge Menschen aus aller Welt vom 25.-29. Juli 2016 zu einer einmaligen Erfahrung bei der Faust Jugendsommertagung am Goetheanum ein, die anlässlich der Inszenierung von Goethes Faust 1 & 2 in ungekürzter Fassung stattfinden wird (mit Simultanübersetzung der Aufführungen ins Englische und Spanische). Das ist eine seltene Gelegenheit mit 17 Stunden Theater. Viele Workshops und Vorträge werden wesentliche Themen aufgreifen, die in Goethes Meisterwerk vorkommen. Es geht zum Beispiel um die Entwicklung der Identität und um die Menschwerdung, "wer bin ich?, bin ich Faust?" – das ist hier die Frage! Die Tagung bietet jungen Menschen die Möglichkeit, diese existentiellen Fragen mit Gleichaltrigen zu vertiefen und darüber zu reflektieren. 

Frederic Häner, ein ehemaliger Teilnehmer, der dieses Jahr auch wieder mit dabei ist, erzählt rückblickend: "`Es wird ein Mensch gemacht` – Die schaurige Laborszene der ungekürzten Faustaufführung 2004 hat mich als Jugendlicher nicht mehr losgelassen. Intensiv beschäftigte ich mich im Anschluss mit dadurch aufgekommenen Lebensfragen. Weiter kann ich mich erinnern, dass wir in den drei Tagen (!) Theater oftmals Tränen gelacht haben. Nun, 12 Jahre später, betrachte ich das Werk als nicht weniger zukünftig. Ich bin sehr gespannt und in grosser Vorfreude auf die Neuinszenierung! Bestimmt werden sich erneut völlig neue Perspektiven eröffnen! Vielleicht sehen wir uns schon bald, um stunden- und nächtelang mit vielen hundert weiteren jungen Menschen spannenden Fragen nachzugehen – und viel zu lachen:-)."

Die Tagung richtet sich an Schüler*innen, Studierende und Auszubildende unter 35 Jahren, die als Klassengemeinschaften, Gruppen oder Einzeln teilnehmen können. Dank einer großzügigen Spende von Stiftungen wurde es möglich, die Tagungsgebühr auf nur 150 CHF all inclusive (Aufführung, Übernachtung und Verpflegung) zu reduzieren. Es haben sich bereits Hunderte von jungen Menschen aus über 20 Ländern angemeldet, doch einige wenige Plätze sind noch frei. Im Internet finde sich weitere Informationen zu den Faust-Aufführungen und der Link zur Anmeldung. Zur Einstimmung gibt es vorab bereits zwei Videos zu sehen: Eins von der Jugendsektion über die Tagung "Bin ich Faust?" und ein Trailer zu den Aufführungen. Für weitere Fragen ist Olivia Girard unter der Mailadresse faust@youthsection.org die richtige Ansprechpartnerin.

Jetzt anmelden zum 22. WOW-Day

Aktion am WOW-Day im Colegio Waldorf Micael in Sao Paulo (zwei Bilder)

Der WOW-Day in Moldawien
Auch die Waldorf School in Seoul hat sich am WOW-Day beteiligt
So sah der WOW-Day in Münchenstein (Schweiz) aus (alle Bilder Copyright: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners)

(JNR) „Waldorf One World-Day, das ist so, als ob die Welt für alle wäre. Ohne Unterschiede.“ So beschreibt eine Schülerin des Colégio Micael in São Paulo (Brasilien) den sogenannten „WOW-Day“ (Waldorf One World-Day). Mit Begeisterung organisierte die ganze Schulgemeinschaft ein großes Fest, dessen Highlight ein Benefizfrühstück war. Zusammen wurden Armbänder hergestellt, Kerzen gezogen und frische Fladen gebacken. Nach der gemeinsamen Stärkung griffen die älteren Schüler zu Pinsel und Farbeimer und gaben den faden Betonwänden rund um das Schulgelände einen ganz neuen Anstrich. Als es geschafft war, leuchteten die Wände und Säulen in allen Farben des Regenbogens. Warum das Ganze? „Um anderen Schulen zu helfen, die noch am Anfang und im Aufbau sind“, berichtet ein Schüler stolz, denn „mit dem Erlös unterstützen wir unser Partnerprojekt in São Paulo und noch andere Waldorfschulen weltweit.“

Die Aktivitäten des Colégio Micael in São Paulo sind nur ein Beispiel der vielfältigen Aktionen, die im vergangenen Jahr anlässlich des WOW-Days rund um den Globus stattgefunden haben. An diesem Tag richten Menschen von jung bis alt gemeinsam ihren Blick in die Welt und setzen sich dafür ein, dass auch Kindern und Jugendlichen aus ärmeren Ländern eine glückliche Schulzeit, eine schützende Gemeinschaft oder einfach eine warme Mahlzeit geschenkt werden können. Dabei sind die Aktionen, die an den unterschiedlichsten Orten stattfinden, so bunt wie die neuen Wände des Colégio Micael. Inzwischen organisieren sogar immer mehr Waldorfschulen einen Aktionstag, die einst selbst durch den WOW-Day unterstützt wurden – für alle Beteiligten eine wirklich schöne Entwicklung.

Das diesjährige Motto „Gemeinsam füreinander“ möchte diesen Gemeinschaftsimpuls unterstreichen und ruft Schüler*innen weltweit dazu auf, durch eigenes Handeln die Welt zu einem besseren Ort zu machen: Für alle – ohne Unterschiede.

In Deutschland lädt der Bund der Freien Waldorfschulen Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern ganz herzlich dazu ein, an einem Tag zwischen Michaeli am 29. September und dem 29. November eine Aktion zu organisieren. Der Erlös wird von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners zu 100 Prozent an bedürftige Waldorfschulen und Sozialprojekte weitergeleitet. Vielfältige Anregungen für Aktionen, das Anmeldeformular sowie kompakte Infos zu den weltweiten Projekten finden sich auf der Internetseite der Freunde der Erziehungskunst.

Jana-Nita Raker (JNR), WOW-Day Koordinatorin bei den Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners

Bund der Freien Waldorfschulen e.V. | Wagenburgstraße 6 | D-70184 Stuttgart | Telefon: +49 (0)711 21042-0 | Telefax: +49 (0)711 21042-19 | E-Mail: bund@waldorfschule.de |