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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

nun wird es täglich sommerlicher und wir bewegen uns mit großen Schritten auf die Sommersonnenwende zu und auf Johanni, die sonnenlichtreichste Zeit des Jahres. Ein wunderbarer Moment, um das Leben mit Freude zu feiern und zu tanzen, wie wir finden.

Das spiegelt sich aktuell zum Beispiel in unserer neuen Kampagne LEBEN TANZEN wider, die neben der Schönheit und Vielfalt der Eurythmie auch ihre große Bedeutung für die Entwicklung junger Menschen zeigt – und wie wichtig es ist, dass neue begeisterte Eurythmielehrer*innen an die Waldorfschulen finden. Wir freuen uns also über rege Verbreitung, Teilen und Einbetten in Ihre Kanäle.

Einen weiteren Beitrag zur Stärkung des Zukünftigen, Lichtvollen in unserer Welt kann der Film "TOMORROW – Die Welt ist voller Lösungen" leisten, der am 2. Juni 2016 bundesweit in den deutschen Kinos gestartet ist. In diesem französischen Dokumentarfilm geht es neben neuen Lösungen für Landwirtschaft, Energieversorgung, Wirtschaft und Demokratie um die Bildung von morgen und darum, Schule neu zu denken, weshalb wir gerne Förderer geworden sind. Denn aus einem Traum wird die Realität von morgen, sobald Menschen sich aktiv engagieren, und das kann jeder Einzelne von uns täglich tun.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen tätigen, engagierten und lebensfroh tanzenden Sommerbeginn mit viel Freude beim Lesen,

Ihre Newsletter-Redaktion

Waldorf inside: Erlebnisreisen mit Lukas Diekamp

Messestand auf der didacta: Philip Wefelnberg, Lukas Diekamp, Tristan Rehbach (von links, alle Fotos Copyright: Karibu-Touristik)
Zwei Kanufahrer in einer Stromschnelle auf der Ardèche
Klippensprung beim Canyoning
Badespaß in den Kaskaden von Sautadet

(CMS) Heute stellen wir Ihnen einen ehemaligen Waldorfschüler vor, der seinen Traum zum Beruf gemacht hat: Mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, reisen, in der Natur zusammen Abenteuer erleben und das alles in stabiler Gemeinschaft. Seinen Weg dahin beschreibt uns Lukas Diekamp im Gespräch und erklärt, was das Besondere an diesen Fahrten ist, die auch bestimmte Werte vermitteln sollen.

Sie sind Campleiter bei Karibu, wie sind Sie dazu gekommen?

Lukas Diekamp: Den ersten Kontakt hatte ich in der achten Klasse. Unsere Klassenfahrten in der Waldorfschule wurden immer von der Firma Karibu Touristik organisiert, der Aufenthalt im Naturreservat der Ardèche hat mich direkt begeistert. Südfrankreich ist unglaublich schön, man ist mit seinen Freunden unterwegs und verbringt viel Zeit in der Gruppe. Das alles hat mir so gut gefallen, dass ich im nächsten Sommer mit meinen Freunden unabhängig von der Schule in eines der Karibu Sommercamps gefahren bin, wo sich mein toller erster Eindruck nochmal bestätigte. Dort wurde mir angeboten, im Sommercamp als Betreuer mit zu fahren, was ich daraufhin nach dem Ende der Schulzeit auch öfters tat. Als mich der Firmeninhaber nach einigen Jahren fragte, ob ich Teil dieses Unternehmens werden möchte, stand die Antwort für mich fest. Nun arbeiten wir seit einigen Jahren im Team zusammen daran, den Kindern und Jugendlichen eine einmalige erlebnisreiche Zeit im Süden Frankreichs zu bieten.

Welche Ausbildung haben Sie dafür gemacht?

Diekamp: Paralell zum Einstieg als Betreuer bei Karibu absolvierte ich eine Ausbildung zum Sozialhelfer, da mir das Arbeiten mit Menschen und insbesondere Kindern sehr viel Spaß bereitet. Schon früh wusste ich, dass ich diese Leidenschaft zu meinem Beruf machen möchte. Während der Ausbildung habe ich sehr viele Erfahrungen im Umgang mit Menschen sammeln können, die nicht immer leicht für mich waren. Auch im Camp gibt es immer Momente, in denen sich die in meiner Zeit als Sozialhelfer gewonnene Erfahrung auszahlt. Für die Dauer des Aufenthalts übernehme ich die Verantwortung und Aufsichtspflicht der Eltern und bin in sämtlichen Belangen für die Kinder da. Eine besonders große Hilfe ist mir dabei mein Schulfreund und Arbeitskollege Tristan, der ausgebildeter Erlebnispädagoge ist, meine Faszination für Karibu teilt und ebenfalls Mitglied unseres Teams ist.

Was ist Ihnen das Wichtigste an Ihrer jetzigen Aufgabe?

Diekamp: Das Wichtigste ist, individuell und persönlich auf jeden Einzelnen einzugehen. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ein Junge während des Canyonings zu mir kam, weil er schreckliche Angst davor hatte, an einem Felsen herunter zu klettern. Alle anderen Kinder warteten schon unten und ihm war die Situation sehr unangenehm. Ich setzte mich zu ihm und redete mehrere Minuten mit ihm, bis er schließlich seine Angst überwand und den Felsen hinunter stieg. Ihn erfüllte das mit sehr viel Stolz und mir bleibt es stets in Erinnerung, weil es ein besonderer Moment für mich war zu erleben, wie der Junge in dem Moment über seine Grenzen und sich selbst hinausgewachsen ist.

Welche Arten von Reisen bieten Sie genau an?

Diekamp:
Wir nutzen die Kulisse der Natur, weil das ganz persönliche Erlebnisse und Erfahrungen ermöglicht. Unsere Reisen bieten einen guten Mix aus Erlebnis, Sport und Kultur. Ob Schulklassen, Jugendgruppen, Familien oder eine Fortbildungsveranstaltung für Erwachsene, wir unterstützen die Teamentwicklung und fördern durch unser Programm das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen Teilnehmers nach dem Motto: Gemeinsam mehr erleben. Dabei stellen wir uns auch individuell auf jede Gruppe ein und reagieren flexibel auf die verschiedenen Programmwünsche. 

Was war Ihr bisher spannendstes Erlebnis auf einer Tour?

Diekamp: Da wir ein täglich abwechselndes Programm mit vielen Aktivitäten haben, kann es für den einen die Kanutour über die Ardèche sein, anderen wiederum gefallen die Wanderungen durch Jahrtausende alte Höhlen am besten, die wir abseits vom Massentourismus auf unsere eigene Art und Weise erforschen. Für mich jedoch ist der Besuch der Kaskaden von Sautadet immer wieder ein besonderes Erlebnis, da es ein einmalieges Naturschauspiel aus Wasserfällen, natürlichen Swimmingpools und wunderschönen Felsformationen darstellt.

Sehen Sie eine Verbindung zwischen Ihrem aktuellen Beruf und Ihrer Waldorfschulzeit?

Diekamp: Ja, klar! In meiner Waldorfschulzeit habe ich gelernt, mit Menschen umzugehen und führende Positionen zu übernehmen, sei es in einer Projektarbeit oder bei einem Klassenspiel. Ich habe gelernt, offen auf Menschen zuzugehen und gut mit Problemsituationen umzugehen. Auch meine Kenntnisse, die ich mir im Gartenbauunterricht angeeignet habe, waren mir durchaus schon im Naturreservat der Ardèche behilflich. Durch den starken Klassenzusammenhalt in Waldorfschulen entstehen gute Freundschaften, die wir bei Karibu auch außerhalb der Schule festigen wollen. 

Welche Werte möchten Sie den Kindern und Jugendlichen durch Ihre Reisen mit auf den Weg geben?

Diekamp: Karibu Touristik setzt sich mit viel Engagement dafür ein, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Dabei wollen wir die Heranwachsenden von Fernsehern, Smartphones und Laptops “loseisen” und sie wieder für die Schönheit und Vielfalt der Natur begeistern. Miteinander kommunizieren, spielen, Spaß haben und gemeinsam Erfahrungen sammeln – das fördet den Teamgeist der Gruppe. Wir möchten allen Teilnehmern die Chance geben, eine unvergessliche Zeit in Südfrankreich zu erleben, die Freundschaften entstehen lässt und sie danach auch festigt. Da sich dieses Jahr 70 Prozent der Teilnehmer des Vorjahres erneut angemeldet haben, glauben wir, dass uns das auch ganz gut gelingt. Karibu ist weit mehr, als nur ein Urlaub, viele Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene bedanken sich danach mit den Worten "Dies war ein unvergessliches Erlebnis", was uns natürlich sehr stolz macht. 

Anruf in: Bochum – Waldorfschule mit ältestem "Bewegten Klassenzimmer"

Hier dienen die Bänke als Sitzmöglichkeit (alle Fotos Copyright: Rudolf-Steiner-Schule Bochum-Langendreer)
Klassenlehrer Tobias Jungermann in Aktion
Diese Schule hat das "Bewegte Klassenzimmer" erfunden

(VS) Der „Anruf in“ gilt heute der Waldorfschule, die als erste das sogenannte „Bewegte Klassenzimmer“ eingeführt hat und inzwischen seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen damit machen konnte: die Rudolf Steiner Schule Bochum-Langendreer. Was genau es damit auf sich hat, erzählt uns Tobias Jungermann, derzeit Klassenlehrer der 8. Klasse an der Schule.

Herr Jungermann, was verstehen Sie genau unter dem „Bewegten Klassenzimmer“?

Jungermann: Beim „Bewegten Klassenzimmer“ handelt es sich um eine alternative Unterrichtsform, in der die Ansprache der Sinne bei den Kindern im Vordergrund steht. Dabei spielen die Bewegung und Beziehungspflege zum Kind sowie ein rhythmisierter Unterricht eine große Rolle. Die Kinder haben vielfältige Bewegungsmöglichkeiten, so dass frontaler Unterricht praktisch nicht mehr stattfindet. Vielmehr wird das Chaos zugelassen und dem Spiel Raum gegeben. Das gelingt heutzutage besonders gut durch das prägnante Mobiliar in den Klassenräumen: Die kleinen Bänke lassen sich beliebig als Tisch oder Stuhl verwenden, zu Balancier-Parcours umbauen oder übereinander stapeln – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Waren Sie selbst dabei, als in der Rudolf-Steiner-Schule Bochum-Langendreer  das „Bewegte Klassenzimmer“ entwickelt wurde?

Jungermann: Ja, wir waren damals ein Team aus erfahrenen Lehrer*innen, einer Schulärztin und mir, die das Konzept entwickelt haben. Bereits im Jahr 1997 haben wir an unserer Schule mit dem „Bewegten Klassenzimmer“ begonnen. Deshalb ist die Unterrichtsform auch bekannt als das „Bochumer-Modell“. 

Gab es dabei für Sie besondere Herausforderungen?

Jungermann: Ja, denn ich selbst kam damals direkt vom Waldorflehrerseminar Witten-Annen an die Schule und als junger Lehrer war es für mich eine besondere Herausforderung mit dem damals noch unbekannten und sehr innovativen Modell zu arbeiten. Eine große Aufgabe war es auch, die Eltern für das „Bewegte Klassenzimmer“ zu begeistern.

Warum wurde die neue Unterrichtsmethode ins Leben gerufen?

Jungermann: Auf Grund dessen, was wir an den Kindern in unserer heutigen Zeit beobachtet haben: Sie brauchen nichts Starres, sondern sie brauchen viel Bewegung. Das zeigt sich für mich auch darin, dass Diagnosen wie ADHS immer mehr Raum einnehmen. Sie sind Ausdruck einer Bewegungsarmut, der durch das „Bewegte Klassenzimmer“ auf gesundende Weise begegnet wird. Gerade das beständige Erproben und sich selbst Spüren durch Gleichgewichts- oder Geschicklichkeitsübungen ist für die Kinder eine enorm wichtige Erfahrung, um sich im eigenen Körper beheimatet zu fühlen. Durch bestimmte Spiele wird die Sinnestätigkeit angeregt und der Bewegungsdrang der Kinder kann sich voll entfalten.

Für welches Schulalter ist das „Bewegte Klassenzimmer“ denn geeignet?

Jungermann: Der Schwerpunkt liegt in der ersten und zweiten Klasse. Im dritten und vierten Schuljahr werden nur noch einzelne Elemente übernommen, wie zum Beispiel der Tagesabschluss, da die Kinder in ihrer seelischen Reife einen weiteren Entwicklungsschritt durchmachen.

Was wird beim Tagesabschluss gemacht?

Jungermann: Im Tagesabschluss werden die Konflikte, in denen sich die Kinder befinden, offen besprochen und gelöst. Dadurch nehmen die Kinder keine ungelösten Konflikte mit nach Hause. Wie hilfreich dies für ihr seelisches Gleichgewicht ist, bekommen wir auch von den Eltern gespiegelt.

2019 wird die Waldorfbewegung 100 Jahre alt. Was wünschen Sie sich bis dahin für das „Bewegte Klassenzimmer“?

Jungermann: Bei unserem Modell gibt es keine „Rezepte“ für den Unterricht. Vielmehr findet dieser intuitiv statt. Ich wünsche mir, dass bei den Lehrer*innen noch stärker die Intuition für das Handeln gegenüber dem Kind wirken möge. Die Kinder signalisieren uns permanent, was sie brauchen und was für sie richtig ist. Das Schöne an der Waldorfpädagogik ist, dass sie uns die Freiheit gibt, auch wirklich solch einen intuitiven Unterricht durchzuführen. Es gibt keine starren Vorgaben aus Lehrbüchern.

Die Rudolf-Steiner-Schule Bochum-Langendreer liegt im Herzen des Ruhrgebietes. Welche Besonderheiten bringt die größte Metropolregion Deutschlands für die Schule mit sich?

Jungermann: Im Ruhrgebiet gibt es einen bunten Mix aus verschiedenen Menschen, was stark auf unsere Schule abfärbt. Wir haben ein sehr gemischtes Klientel, von bildungsnahen bis bildungsfernen Elternhäusern. Aktuell besuchen auch 25 Flüchtlingskinder unsere Schule. Genau diese Heterogenität macht die Arbeit an der Schule so interessant und lebendig. Durch die Vielfalt der Menschen ist an der Schule ein hohes Maß an Toleranz vorhanden – dadurch konnte das „Bewegte Klassenzimmer“ überhaupt erst realisiert werden.

Vielen Dank für die informativen Einblicke in das innovative Bochumer-Modell. 

Gegen das Vergessen

Kesselhaus mit Schornstein (erbaut 1941) des Klosters Blankenburg (alle Fotos Copyright: Christian Hauck-Hahmann, 2015)
Wege und Grünflächen im Umkreis nehmen die Kirchhoffläche ein
Lageplan des Friedhofs (grafische Bearbeitung Klaas Wilkens, 11. Klasse)
Klasse der FWS Oldenburg bei Ortstermin vorm Kesselhaus

(CU) Es begann alles mit einer Exkursion nach Weimar und endete jetzt mit zwei öffentlichen Vorträgen und viel Lob von den zuständigen Kommunalpolitikern in Oldenburg. Mehrere Jahre lang haben die Schüler*innen aus der damaligen 9., mittlerweile 11. Klasse, der Freien Waldorfschule Oldenburg das Schicksal von Menschen erkundet, die in der NS-Zeit in Oldenburg Opfer von „Euthanasie“ geworden sind. Durch ihr Engagement werden die Opfer jetzt vor dem Vergessen bewahrt – alle Fraktionen des Stadtrats sprachen sich dafür aus, ein Monument zum Gedenken zu errichten.

Wie Deutsch- und Geschichtslehrer Christian Hauck-Hahmann erläutert, kam das Projekt dadurch in Gang, dass die Schüler*innen bei der Klassenfahrt in Weimar auf das Gebäude des ehemaligen „Amts für Rassewesen“ stießen – ganz in der Nähe von Bauhaus-Universität und Goethehaus war darüber entschieden worden, was aus NS-Sicht als „unwertes Leben“ zu gelten hatte. Die Schüler*innen befassten sich daraufhin mit „Euthanasie“ in der NS-Zeit und stießen in Oldenburg dann auf ein schlimmes Beispiel.

Dabei geht es um ein Klostergelände in Oldenburg, das seit dem Mittelalter zur Unterbringung behinderter Menschen genutzt worden war. Neuere Forschungen verfolgten das Schicksal der Bewohner*innen des Klosters Blankenburg in der NS-Zeit und stellten fest, dass durch harte Arbeit und schlechte hygienische wie medizinische Versorgung unter den Insassen des Klosters in den Jahren 1937-1941 eine extrem hohe Sterblichkeitsrate herrschte. Die behinderten Menschen im Kloster waren nicht direkt umgebracht worden wie z.B. in anderen Anstalten, aber es wurde am Essen gespart und das Geld für andere Zwecke verwendet, wie der Forscher Dr. Ingo Harms herausgefunden hatte. So starben sie qualvoll aufgrund von Mangelernährung, vernachlässigt und unterversorgt. „Das war ganz schockierend für unsere Schüler*innen: Wir haben auch einen heilpädagogischen Teil unserer Schule nebenan und es wechselt öfters einmal eine Schülerin oder ein Schüler von dort in eine unserer Klassen oder wir machen gemeinsame Feiern und Projekte – da konnte man sich das alles hautnah vorstellen“, erläutert Hauck-Hahmann.

Das Projekt ging nun so vor, dass die Schüler*innen sich auf die Spuren der Opfer begaben – unter anderem in vier kirchlichen, städtischen und staatlichen Archiven. Sie fanden 95 Namen heraus, die sorgfältig in den Archiven vermerkt worden waren. „Dadurch kam frischer Wind in die Sache, denn für die interessierten Jugendlichen öffneten sich viele Türen, die sonst geschlossen geblieben wären“. Bis heute gibt es auf dem – inzwischen an einen Privatinvestor verkauften und als Flüchtlingsunterkunft genutzten – Anwesen keine Gedenktafel für die Opfer der NS-Zeit. Mindestens 103 Menschen starben dort, viele von ihnen waren Kinder oder Jugendliche. Nur ein Teil wurde auf einen Friedhof umgebettet, die sterblichen Überreste der meisten anderen befinden sich zum Teil noch auf dem Gelände oder unter den Gebäuden, da der Friedhof des Klosters einfach überbaut worden war. Einmal sei auch plötzlich ein Totenschädel gefunden worden, wie die Schüler*innen jüngst von einer Mitarbeiterin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erfuhren, schildert Hauck-Hahmann ein Beispiel des bisher unwürdigen Zustands. Es sei für die Schüler*innen bitter gewesen, dass die Oldenburger Geschichte bis heute so ein dunkles Kapitel nicht angemessen aufgearbeitet hat.

Dies wird sich nun ändern, denn mit ihrem Vortrag auf einer öffentlichen Veranstaltung in der Lamberti-Kirche in Oldenburg am 27. Januar 2016, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und einem zweiten Vortrag am 19. April 2016 vor dem Kulturausschuss des Stadtrates haben zwei Schüler*innen der 11. Klasse, Charlotte-Luise Gott und Rasmus Helwig, die Kommunalpolitiker aufgerüttelt. Lehrer Christian Hauck-Hahmann hat damit auch sein Ziel erreicht: „Zum einen wollte ich den Schüler*innen zeigen, dass diese Zeit keinesfalls so weit weg ist und erledigt. Zum andern war mir wichtig, dass sie erleben, wie sie durch ihr Engagement etwas bewirken können“, erläutert der Pädagoge.

Warum Kinderrechte in die Schule gehören

(CMS) Das im Frühjahr 2016 erschienene Buch "Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben" befasst sich mit der noch sehr mangelhaften Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in den deutschen Schulen und den notwendigen Schritten, um die Förderung des Kindeswohls als zentrales Ziel zu implementieren und die Kinderrechte fest in der Schulpraxis zu verankern.

In insgesamt 18 Aufsätzen beschreiben Wissenschaftler und Praktiker genau, was im Argen liegt, welche pädagogischen Aufgaben zu bearbeiten sind, wo man praktisch ansetzen kann und welche Partner für die Entwicklung einer kindgerechten Schule benötigt werden.

Eine solche Institution darf sich dabei "nicht auf kognitive Förderung beschränken", sondern Jugendliche brauchen heutzutage "vor allem auch mitbürgerlich-demokratische und lebenskluge Kompetenzen. Bildung ist ohne diese (...) Kompetenzen in einer Sozialwelt und in einer Demokratie, die auf sich frei informierenden, urteilenden und handelnden Individuen beruhen, nicht vorstellbar und wirksam." Schule sollte für Heranwachsende der Ort sein, an dem sie Können, Verständnis und Selbstvertrauen entwickeln und sich deshalb auch mit der Gemeinschaft in ihrer Bildungsinstitution verbunden fühlen.

Doch leider mangelt es daran noch in den meisten Schulen, wie das Buch zeigt. Nach wie vor herrscht der defizitäre Blick auf Kinder vor, verbunden mit früher Selektion, individuelle Lernwege finden zu wenig Berücksichtigung, der Bildungsbegriff ist nicht ganzheitlich geprägt, sondern eindimensional. Außerdem fehlt fast überall eine sich auf alle Aspekte des Schullebens beziehende Beteiligungskultur (siehe auch Interview mit Prof. Dr. Mechthilf Wolff zu partizipativem Kinderschutz).

Die Schule der Zukunft braucht also eine Kultur der Augenhöhe, denn wer Kinder zu verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft erziehen will, muss sie auch so behandeln und ihnen von Anfang an Verantwortung für ihr Handeln übertragen und sie Selbstwirksamkeit erfahren lassen.

Lothar Krappmann, Christian Petry (Hrsg.): Worauf Kinder und Jugendliche ein Recht haben. Kinderrechte, Demokratie und Schule: ein Manifest. Debus Pädagogik Verlag, Schwalbach 2016. 304 Seiten, 29,90 Euro

Beitrag zur Papierwende

(CMS) Unter dem Motto „Schulstart mit dem Blauen Engel“ beginnt im Sommer wieder die Recyclingpapier-Kampagne, die Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt, Jury Umweltzeichen und RAL gGmbH gemeinsam tragen. Jedes Jahr werden in Deutschland über 200 Millionen Schulhefte verbraucht, nur jedes zehnte davon ist aus Recyclingpapier. Eine Umstellung ist nicht nur leicht, sondern schützt die Umwelt auch gleich dreifach: 100% Recyclingpapier ist gut für Wald, Klima und Wasser.

Gerade der Recyclingpapierkreislauf eignet sich hervorragend, um Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf die Umwelt zu veranschaulichen und so Kinder und Jugendlichen für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Dabei hat „die Bedeutung der Lehrerinnen und Lehrer als Wertevermittler (...) laut aktuellen Studien zugenommen. Es wurde beobachtet, dass besonders die im schulischen Kontext durchgeführte Bildung für nachhaltige Entwicklung zu einer Steigerung umweltfreundlichen Denkens und Handelns von Schülerinnen und Schülern führt“, so Volker Teichert von der Jury Umweltzeichen. „Deshalb rufen wir neben Umwelt- und Verbraucherbänden insbesondere Bildungseinrichtungen dazu auf, über die Umweltvorteile von Recyclingpapier zu informieren und mit uns die Papierwende in Gang zu setzen.“

Die Kampagne „Schulstart mit dem Blauen Engel“ will auch in diesem Jahr Schüler*innen dazu motivieren, sich für einen umweltfreundlicheren Konsum von Papierprodukten einzusetzen und ruft deshalb zu gezielten Mitmachaktionen auf. Zum Beispiel können Schulklassen und Umweltgruppen in den Geschäften ihrer Stadt Recyclingpapier-Marktchecks durchführen und Schreibwarenläden ohne Recyclingpapier die „Blaue Karte“ zeigen. Ein Leitfaden und Aktionsmaterialien zum Marktcheck sowie weitere Infomaterialien stehen hier zum Download bereit und können kostenlos angefordert werden. Wo bereits Papierprodukte mit dem Blauen Engel erhältlich sind, zeigt der Online-Papier-Finder. Alle Aktionen und Neuigkeiten zum Thema Recyclingpapier finden sich in den Sozialen Medien unter dem Hashtag #papierwende.

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