Bildungsdaten und -analysen

Unsere Arbeit

Bereits seit 1978 besteht an der Freien Hochschule Mannheim das Institut für Bildungsökonomie (bis 2007 „Arbeitsbereich Bildungsökonomie“) - gewissermaßen als „ökonomisches“ Pendant zu den anderen pädagogisch ausgerichteten Instituten der Hochschule. Die Kern-Ausgangsfragestellung für die Arbeiten des Institutes lautet: Was ist unserer Gesellschaft - ökonomisch gesehen - Bildung wert? Über die Betrachtung und Analyse wirtschaftlicher Daten und Sachverhalte wird dieser Frage nachgegangen. Durch drei Konkretisierungsstufen hindurch wird auf drei Betrachtungsebenen (Makro-, Meso- und Mikroebene) zu zeigen versucht, welche unmittelbaren Auswirkungen nationale Bildungspolitik für die einzelne Schul- bzw. Schülersituation haben und wie aussagekräftig internationale Vergleiche (bspw. OECD-Studien) dem gegenüber sind. Im Sinne eines Zwischenfazits kann konstatiert werden: Die Frage nach der Wertschätzung für Bildung wird offensichtlich – auf allen drei Ebenen (international, national, lokal). Mit „abnehmender Ebene“ wird sie – allerdings – erst greifbar und unmittelbar spürbar; erst auf der kleinsten Ebene, der Ebene des einzelnen Schülers, der Ebene der einzelnen Familie werden die ökonomischen und bildungsmäßigen Folgen sichtbar.

In der Grundausrichtung versteht sich das Institut nicht nur als „Think Tank“, sondern auch als praktischer Umsetzer – je nach Anforderung. Im Sinne des unmittelbaren „Anschaulichmachen der kleinsten Ebene“ werden vom Institut für Bildungsökonomie seit mehr als drei Jahrzehnten im Sinne einer Auftragsforschung die bildungsökonomischen Sachverhalte der deutschen Waldorfschulen erforscht, dokumentiert und in der Öffentlichkeit darstellt (siehe dazu auch die Literaturliste). Damit unterstützt das Institut die sachgemäße Beurteilung der Existenzbedingungen dieser Schulen und fördert ein ökonomisches Selbstverständnis der Waldorfschulbewegung in Deutschland. Zu den Forschungs- und Dokumentationsaufgaben gehören

  • die jährliche Aufstellung des Gesamtjahresabschlusses der deutschen Waldorfschulen 1)
  • dessen interne und externe Auswertung in bildungsökonomischer Sicht
  • die Erhebung und Aufbereitung von statistischen Einzelkennwerten
  • das Erarbeiten weiterer für die Lebensvorgänge der Schulbewegung wichtiger Daten und Fakten sowie
  • die Hilfestellung bei gesellschaftlichen und politischen Klärungsprozessen

Mit der öffentlichen Dokumentation dieser Forschungsergebnisse aus den wirtschaftlichen Sachverhalten der deutschen Waldorfschulen durch das Institut für Bildungsökonomie übernimmt das Institut bereits seit Jahrzehnten eine besondere und bislang einzigartige Vorbildfunktion hinsichtlich Transparenz und Kommunikation in der Bildungslandschaft. Dies entspringt einer Grundhaltung des Instituts, nach dem der Öffentlichkeit ein (moralisches) Recht auf Dokumentation und Transparenz öffentlicher Mittelempfänger zusteht. Zwar wird jede einzelne Schule bereits von der für sie zuständigen öffentlichen Stelle im Sinne eines Verwendungsnachweises auf Herz und Nieren geprüft, aber ein konsolidierter Jahresabschluss aller Mitgliedschulen kommt dieser gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung nach Transparenz weitergehend nach.

Das Institut befördert darüber hinaus auch die kritische Bewusstseinsbildung hinsichtlich der genannten Sachverhalte in der und für die deutsche Waldorfschulbewegung und trägt durch Stellungnahmen für Behörden und Gerichte zur bildungsökonomischen Entwicklung bei. 2)

Ausblick:

Mit Übernahme der Leitung des Instituts durch Prof. Dr. Steffen Koolmann (Alanus Hochschule, Alfter b. Bonn) zu Beginn des Jahres 2008 hat das Institut einen neuen Entwicklungsimpuls erhalten – dieser befindet sich aktuell noch in der Phase der weiteren und näheren Ausgestaltung.

Die grundlegend handlungsleitende Perspektive des Instituts für Bildungsökonomie besteht in einer Sichtweise einer inhaltlich engen Verzahnung zwischen den (sich wechselseitig bedingenden) Themenbereichen Schulökonomie, -organisation, und -kultur; daher wird es zunehmend seine Aktivitäten und Forschungsfragen in diesem Gesamtbereich entwickeln.

Das Institut strebt an, auch eine Plattform für Menschen und Institutionen zu bilden, die Aktivitäten im Sinne des Instituts entfalten. Neben eigenen Arbeiten durch institutseigene Mitarbeiter sollen ergänzend für die Bearbeitung von Spezialfragen Fremdaufträge vergeben werden.

1 ) Der Gesamtjahresabschluss ist eine Grundlage der jährlichen Pressekonferenzen des Bundes der Freien Waldorfschulen. Durch seine Erarbeitung trägt das Institut auch dazu bei, dass Autonomiebeispiel der Waldorfschulen für einen sachgerechten und sparsamen Umgang mit den wirtschaftlichen Ressourcen des Bildungswesens exemplarisch für das Schulwesen insgesamt zu erschließen.

2) Beispiele sind die vom Bundesverfassungsgericht erbetene Stellungnahme für Grundsatzprozesse und die daraus folgende höchstrichterliche Feststellung z.B. der finanzhilferechtlichen Hilfsbedürftigkeit freier Schulen als „empirisch gesicherte Befunde“ (BverfGE 75 vom 8.4.1987, 40ff.), die Bedeutung der Wartefrist als Errichtungssperre für die Gründung neuer Schulen („Wartefristurteil“ vom 9.3.1994, BverfGE 90, 107) und die Herausarbeitung der Kriteriensachverhalte für die Feststellung der Schulbauförderpflicht des Staates („Baukostenurteil“, BverfGE vom 9.3.1994, BverfGE 90, 128).