Langzeitdokumentation von Maria Knilli

Die drei Filme aus dem Leben und der Entwicklung einer Waldorfschulklasse vom 1. bis zum 8. Schuljahr faszinieren von der ersten Filmminute an. Es lässt sich im ersten Teil "Guten Morgen, liebe Kinder" mitverfolgen, wie die Kinder mit den Lern- und Arbeitsherausforderungen des Schreiben- und Rechnen-Lernens umgehen. Es gibt viele Stellen, in denen man sogar richtig miterleben kann, wie die Gedankenbildung bei den Kindern gelingt. Weiterhin ist es faszinierend zu verfolgen, wie die Klassenlehrerin Christiane Umbach die Lernherausforderungen aus den Themen- und Arbeitsfeldern der Waldorfpädagogik wählt, für diese ihr anvertrauten Kinder individualisiert und auch neue Aufgabenstellungen erschließt. Die einfühlsame und von der Klasse in kürzester Zeit als selbstverständlich zum Schulleben dazugehörende Kameraführung von Maria Knilli trägt unglaublich viel dazu bei, dass man merkt, dass keinem Kind und keiner Lehrerin zu nahe getreten wird.

Die Regie von Maria Knilli schafft es weiterhin, dass nicht nur die großen und spektakulären Projekte, wie vor allem die Tour von Landsberg nach Venedig für Spannung im Film sorgen, sondern es werden vor allem auch die vielen Unterrichts- und Arbeitsszenen in den Klassenräumen nie langweilig, weil man die Kreativität und Phantasie der Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrerin mitverfolgen kann.

Und es sind absolut ehrliche Filme. Zwar durften die Eltern der Klasse mit einem großen Verantwortungsgefühl ihren Kindern gegenüber immer die Rohfassungen der Filme anschauen und sicher wird auch keine der Lehrerinnen und Lehrer in einer misslungenen Stunde gezeigt, aber man wird als Zuschauer mit Unterrichtssituationen konfrontiert, in denen man erkennen darf, wie gut die Zügel gehalten werden müssen, um dieser aufgeweckten Klasse wirklich gerecht zu werden. Die Klassenlehrerin erklärt in vielen eingeschobenen Interviews ihre Motive als Lehrerin und ihren großen Respekt vor der Besonderheit eines jeden Kindes. Weiterhin zeigt sie, wie der Spagat zwischen der klaren Führung und den Freiräumen für selbständiges Arbeiten ermöglicht werden kann.

Während der zweite Film „Eine Brücke in die Welt“ vor allem durch die Projekte begeistert, die Christiane Umbach für ihre Klasse und deren Entwicklungs- und Lernschritte wählt, kann der dritte Film die Ernte aus den 8 Jahren einfahren. Wenn ein Zuschauer sich vielleicht in den ersten beiden Filmen noch gefragt hat, wo das denn hinführen soll, wenn eine Klasse so streng geführt wird – wie kann dadurch eine individuelle Entwicklung gefördert werden? – so kann er eben in den Interviews sehen, wie klar und selbstbewusst die jungen Menschen jetzt auftreten und ganz individuell ihre Sicht auf ihre Schulzeit, ihre Lernmotivation und auch ihre Lehrerinnen und Lehrer vortragen können. Hier sprechen Achtklässlerinnen und Achtklässler so klar und deutlich, dass man sich sicher sein kann, dass sie ihren Weg im Leben finden werden. Schon jetzt kann man die Aussage wagen, dass diese jungen Menschen mit einem ganz sicheren Fundament aus Selbsterfahrung und -sicherheit in ihr Leben gehen werden. Besonders beeindruckend ist es auch, die wunderbare Vielfalt der Jahresarbeiten der Klasse erleben zu dürfen. Hier schafft es Maria Knilli, den Zuschauer den Verlauf von der ersten Idee über die handwerklichen Schritte bis hin zur öffentlichen Präsentation der Ergebnisse mitverfolgen zu lassen.

Christian Boettger

Die Filme können einzeln als DVD erworben werden, oder ab demnächst auch in einem Komplettpaket als Sonder-Edition.

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