Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

auf den Relaunch unserer Website folgt nun auch der erste Newsletter in neuem Kleide. Währenddessen stecken wir schon mitten in den Vorbereitungen für das Waldorfjubiläum 2019 und arbeiten an dem Projekt Waldorf 100.

Außerdem hat der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) bei der Mitgliederversammlung (MV) im März seinen neuen Vorstand gewählt. Pünktlich zur MV in Mannheim ist der neue Reader "Struwwelpeter 2.1 für Eltern" zum Thema Medienmündigkeit erschienen.

Vor diesem Hintergrund teilen wir auch das besorgte Anliegen unseres befreundeten Verbandes, der Vereinigung der Waldorfkindergärten, die Kitas und Kindergärten möglichst digitalfrei zu erhalten. Deshalb möchten wir Sie hier noch einmal auf die Online-Petition hinweisen und darum bitten, sie bei Interesse nicht nur zu unterzeichnen, sondern auch gerne weiter zu verbreiten. 

Zu guter Letzt haben wir heute für Sie noch einen wundervollen Filmtipp parat, denn der dritte Teil der ersten Langzeitdokumentation über Waldorfschüler*innen ist fertiggestellt und am 16. Mai im Bayerischen Rundfunk zu sehen. Mehr über die Hintergründe der Langzeitdokumentation und die Dreharbeiten dazu erfahren Sie auf unserer Internetseite

Nun aber erst einmal viel Freude beim Lesen,
Ihr Newsletter-Team!

Waldorf inside: wal-di.com von Anke and Andreas Patzelt

(CMS) Heute möchten wir Ihnen weniger eine Person, als vielmehr ein spannendes internationales Netzwerk vorstellen, das den Austausch zwischen Waldorfschüler*innen weltweit ermöglichen soll und darüber hinaus noch weitere Funktionen bereit hält. Um mehr über wal-di.com zu erfahren, haben wir mit den Initiator*innen und Betreiber*innen Anke und Andreas Patzelt gesprochen.

Was genau ist wal-di.com?

Anke Patzelt: wal-di.com ist das soziale Netzwerk für einen weltweiten Austausch unter Waldorfschülerinnen und -schülern in einem geschützten Rahmen, in dem man einfach nur miteinander kommunizieren oder auch Austauschpartner*innen suchen kann.

Wie lange gibt es das schon?

Andreas Patzelt: Seit etwa drei Jahren ist die Website online, doch zu Beginn haben wir vor allem viel Zeit dafür benötigt, um die Rahmenbedingungen (Verträge, Finanzierung, etc.) für die Plattform zu schaffen, zumal wir das Ganze „neben“ unserer Berufstätigkeit umgesetzt haben. Seit letztem Jahr konnten wir dann, zusammen mit einer neuen Programmierungsfirma, richtig Fahrt aufnehmen und die Plattform deutlich bekannter machen.

Was war Eure Motivation dafür, wal-di.com ins Leben zu rufen?

Anke Patzelt: Zu Beginn der Initiative waren wir noch Eltern an der Rudolf Steiner Schule Lüneburg und haben im Bekannten- und Freundeskreis mitbekommen, dass viele Schüler*innen gerne einen Auslandsaufenthalt machen wollten. Die Kosten dafür waren jedoch sehr hoch, wenn es über eine professionelle Organisation laufen sollte, und trotzdem konnte meist kein Einfluss auf die Gastfamilie oder den Zielort genommen werden und die Hilfe vor Ort war nicht ausreichend. Kostengünstigere Alternativen waren unserer Kenntnis nach kaum vorhanden, es sei denn, man würde an einem Kurzaustausch über eine vorhandene Partnerschule teilnehmen.

Was ist Euch das Wichtigste an dieser Initiative?

Andreas Patzelt: Wir finden einen Auslandsaufenthalt oder die Aufnahme von Gastschüler*innen in vielerlei Hinsicht bereichernd: Da sind das Kennenlernen anderer Sprachen, Lebensweisen und kultureller Unterschiede, das über den eigenen Tellerrand Hinausschauen, andere Menschen am eigenen Leben teilhaben Lassen und vieles mehr... Da es keine geeignete Plattform für die Umsetzung dieser Anliegen gab, haben wir beschlossen, diese selbst zu entwickeln. Das Wichtigste war uns dabei, den Kontakt unter Waldorfschüler*innen auf der ganzen Welt zu ermöglichen und zu beleben und hierfür einen sicheren Rahmen zur Verfügung zu stellen. Außerdem möchten wir dieses Angebot kostenfrei für die Schüler*innen zur Verfügung stellen. Dabei soll eine Bandbreite ermöglicht werden, die vom Schreiben miteinander, über einen kurzen Besuch bis hin zu einem längeren Austausch reicht. Darüber hinaus bietet die Plattform die Möglichkeit eines generellen Informationsaustauschs zwischen den Schulen und ebnet den Weg für Schulpartnerschaften. 

Kann die Plattform auch von Nicht-Waldorfschüler*innen genutzt werden?

Anke Patzelt: Nein, sie ist nur für Waldorfschüler*innen konzipiert, weil uns der "familiäre" Rahmen sehr wichtig ist. Um dies zu gewährleisten, wird die Zugehörigkeit der jeweiligen Schüler*innen zu ihrer Schule von einer/einem Schuldelegierten bestätigt und deren/dessen Zugehörigkeit wiederum vorher vom Schulbüro. Dies ist im Alltag der Waldorfschulen gut umsetzbar.

Ab welchem Alter ist ein Austausch über wal-di.com möglich?

Anke Patzelt: Teilnehmen können Schüler*innen ab 14 Jahren. In diesem Alter sehen wir insbesondere die „Brieffreundschaften", für die weltweit Kontakte aufgenommen werden können. Seit kurzem steht dafür auch ein Messenger-Tool innerhalb der Plattform zur Verfügung. Dabei geht es unter anderem darum, sich im Englischen zu erproben und vielleicht auch einmal mit den Eltern während der Ferien eine andere Familie zu besuchen. Für ältere Schüler*innen kann dann über wal-di.com der Kontakt für einen Schüleraustausch genutzt werden.

Welches Land ist denn am beliebtesten für die von Euch organisierten Austauscherfahrungen?

Andreas Patzelt: Hierzu ist vielleicht erst einmal zu sagen, dass wir den Austausch nicht organisieren, sondern dass wal-di.com die Plattform dafür bietet, diesen selbst zu initiieren, was zu unserer Freude auch schon des öfteren geklappt hat, z.B. von Kanada nach Deutschland, von der Schweiz nach Australien oder auch von Israel in die USA. Vielen geht es darum, ihre Englischkenntnisse zu vertiefen und so stehen die englischsprachigen Länder „hoch im Kurs“. Hier möchten wir mit wal-di.com den Impuls geben, den Blick zu weiten und die englische Sprache auch als Möglichkeit zu sehen, um mit Jugendlichen aus anderen Ländern in Austausch zu treten. So können z.B. Jugendliche aus Brasilien, Deutschland, Russland, Frankreich oder Südafrika miteinander in Englisch kommunizieren und so das in der Schule Erlernte praktisch anwenden. Gleichzeitig gewinnen sie Einblicke in andere Kulturen, Denkweisen und das Alltagsleben in anderen Ländern und Waldorfschulen. Gerade in der heutigen Zeit ist dies eine wunderbare Möglichkeit, Schranken und Vorurteile abzubauen, neue Bekannte und Freunde zu gewinnen und Menschen auf der ganzen Welt dauerhaft miteinander zu verbinden. Derzeit haben sich rund 228 Schulen registriert, zum größten Teil aus Europa, doch auch Schulen aus Nord- und Südamerika, Afrika, Australien und Asien sind vertreten.

Ihr ward letzte Woche auf der Internationalen Schülertagung in Dornach und habt wal-di.com vorgestellt. Was für Reaktionen bringt Ihr von dort mit?

Andreas Patzelt: Das ausschließlich tolle Feedback seitens der Schüler*innen aus den unterschiedlichen Ländern freut uns riesig. Allerdings kannten zahlreiche Schüler*innen die Plattform auch noch gar nicht – selbst, wenn deren Schulen schon bei wal-di.com registriert sind und obwohl wir alle Waldorfschulen weltweit angeschrieben hatten. Daher bitten wir die Lehrer*innen/Schuldelegierten, ihre Schüler*innen und auch gerne Partnerschulen im Ausland über diese kostenfreie Plattform zu informieren, damit sie noch mehr Leben erhält – nur dann kann wal-di.com die gewünschte Bekanntheit und das zum Sommer avisierte Ziel von 300 Schulen/900 Schüler*innen erreichen.

Zum Abschluss noch die Frage, was Ihr Euch von den Schüler*innen am meisten wünscht, die wal-di.com nutzen?

Anke Patzelt: Wir wünschen uns, dass sie viele Kontakte auf der ganzen Welt knüpfen und damit lebendige Vertreter*innen der weltweiten Waldorfbewegung werden. So sehen wir die Website auch im Rahmen von Waldorf 100, da sie der gegenseitigen Wahrnehmung und Vernetzung eine Plattform bietet und ebenfalls  zur lebendigen internationalen Verbundenheit beitragen kann, die ursprünglich der Motor zur Entwicklung von wal-di.com war.

Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch und alles Gute für die Zukunft von wal-di.com!

Anruf in: Michaeli-Schule Köln – Das erste barrierefreie Schulgebäude

(VS) In Sachen Inklusion leistet die Michaeli-Schule in Köln seit dem Jahr 2000 vorbildliche Arbeit. Das neue Schulgebäude liegt im Herzen der Kölner Südstadt und ist das erste barrierefreie Waldorf-Schulgebäude. Wir sprachen mit Greta Dörries, Klassenlehrerin, über die Schule, das pädagogische Konzept und über ihren Weg zur Waldorfpädagogin.  

Hallo Frau Dörries, was ist das Besondere an dem neuen Schulgebäude an der Michaeli-Schule?

Dörries: Endlich haben wir ein Gebäude, das zu unserer Schule passt. Seit der Gründung der Schule im Jahr 2000 arbeitet die Schule mit einem inklusiven Unterrichtskonzept. Weil wir darum auch immer wieder mit kleineren Gruppen räumlich differenzieren, brauchen wir viele zusätzliche Räume. Nun hat jeder Klassenraum einen Nebenraum, mit einer Glasscheibe zum eigentlichen Klassenraum. Hier kann eine*r der beiden Klassenlehrer*innen mit einer kleineren Gruppe arbeiten, oder Schüler*innen, die viel Ruhe brauchen, können sich hierher zurückziehen und dennoch zum Beispiel einen Text von der Tafel abschreiben. Natürlich ist auch unser gesamtes Gebäude barrierefrei und somit auch für Rollstuhlfahrer bestens geeignet.

Seit wann sind Sie mit Ihrer Klasse in dem neuen Gebäude und haben Sie sich schon eingelebt? 

Dörries: Wir sind vor ziemlich genau einem Jahr in das neue Gebäude gezogen. Da sich der Neubau nur wenige Meter von unserer alten Schule entfernt befindet, konnten wir den Bau gut mitverfolgen und mit den Klassen immer wieder die Baustelle besuchen. Und natürlich waren die meisten Menschen der Schulgemeinschaft auch am Bau beteiligt. Daher sind wir irgendwie schon vor den Umzug ein wenig im neuen Gebäude heimisch gewesen. Als wir dann umgezogen sind, haben wir uns daher wahnsinnig schnell eingelebt und sind nun sehr froh endlich richtig „zu Hause“ zu sein.

Welches besondere Konzept liegt hinter der Architektur und der Barrierefreiheit?

Dörries: Wir verfolgen das Ziel, bestmögliche Voraussetzungen für die Inklusion zu schaffen. Dazu gehören natürlich die äußeren Voraussetzungen, wie eben ein barrierefreies Schulhaus. Das geschieht, indem wir versuchen, unsere Klassen so zusammen zu stellen, dass in jeder Klasse fünf von 25 Schüler*innen sind, die eine besondere Förderung benötigen. Die Klassen werden von zwei Klassenlehrer*innen unterrichtet, von denen in der Regel eine*r zusätzlich eine sonderpädagogische Ausbildung hat oder eine spezielle Fachberatung erhält. Hinzu kommen Therapieangebote, die momentan immer weiter ausgebaut werden.

In welcher Umgebung liegt Ihre Schule? Ist die Schule in das Bezirksleben des Stadtteils einbezogen?

Dörries: Der Standort ist wirklich ein wahrer Glücksfall. Obwohl wir uns mitten in der Kölner Südstadt, einem belebten "Vedel" befinden, liegen wir quasi im Grünen, da das Gelände am Rande eines Parks liegt. Da wir einfach mittendrin sind, gibt es bereits Kontakte zu unserer Nachbarschaft.

Wie sind Sie auf den Waldorflehrerberuf aufmerksam geworden?

Dörries: Mit der Waldorfpädagogik bin ich bereits seit dem Kindergarten in Unterlengenhardt vertraut. Danach habe ich 13 Jahre die Waldorfschule in Pforzheim besucht. Als ich mich nach meinem geisteswissenschaftlichen Studium und einer Zeit in einer PR-Agentur dazu entschied, dass ich Lehrerin werden möchte, kam für mich gar nichts anderes in Frage. Ich war zwar froh, durch mein Studium in Konstanz auch ein anderes Bildungssystem kennengelernt zu haben, aber für mich persönlich gibt die Waldorfpädagogik einfach die meisten Antworten auf die Erziehungsfragen unserer Zeit.

Der Beruf des Waldorflehrers ist etwas Besonderes und setzt sich vom „normalen“ Pädagogen ab. Was ist für Sie das Besondere an Ihrem Beruf?

Dörries: Für mich ist der Blick, den wir auf die Kinder haben, etwas ganz Besonderes. Nicht das Vermitteln von Unterrichtsstoff steht im Vordergrund, sondern den Kindern Anlässe zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu geben. Als Lehrerin muss ich daher die Schüler*innen sehr wach beobachten und kreativ an die Arbeit gehen, um herauszufinden, was sie brauchen und wie ich sie unterstützen kann. Den Unterricht versuche ich so zu gestalten, dass sich immer wieder Räume für das künstlerische Gestalten öffnen können, denn so können sich die Schüler*innen besonders gut selbst erleben.

Wie verlief Ihre Ausbildung zur Waldorflehrerin?

Dörries: Da ich ja bereits gearbeitet habe, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, die Klassenlehrer-Ausbildung berufsbegleitend hinzubekommen. Fündig wurde ich an der Alanus Hochschule in Alfter. Hier konnte ich berufsbgleitend einen Master in Pädagogik machen und im Rahmen dessen am Lehrerseminar in Kassel die Klassenlehrerausbildung. Natürlich war es nicht so einfach Beruf und Studium unter einen Hut zu bekommen, aber da ich das Studium wirklich spannend und bereichernd fand, hat es dann doch geklappt.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin gutes Einleben im neuen Schulgebäude! 

Bald im Kino: "Zwischen den Stühlen" – Dokumentarfilm über den Weg zum Pädagogen

(VS) Um in Deutschland Lehrer*in zu werden, muss nach dem theoriebeladenen Studium ordnungsgemäß das Referendariat absolviert werden. Eine Feuerprobe, welche die angehenden Lehrer*innen in eine widersprüchliche Position bringt: Sie lehren, während sie selbst noch lernen. Sie vergeben Noten, während sie ihrerseits benotet werden. Zwischen Problemschülern, Elternabenden, Intrigen im Lehrerzimmer und Prüfungsängsten werden die Ideale der Anwärter*innen auf eine harte Probe gestellt.

ZWISCHEN DEN STÜHLEN begleitet drei von ihnen auf ihrem steinigen Weg zum Examen. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm gibt einen einfühlsamen wie humorvollen Blick hinter die Kulissen des Systems Schule und wirft dabei nicht zuletzt die Frage auf, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen.

Der Bund der Freien Waldorfschulen ist Partner des Filmprojektes „Zwischen den Stühlen“. Der Film macht deutlich, dass es Alternativen zur Lehrerausbildung in Deutschland bedarf. Die Waldorflehrerausbildung kann eine solche Alternative sein, denn in der Waldorfschule gestalten die Lehrer*innen kreativ ihren Unterricht und ihre Schule selbst, unabhängig von staatlichen Lehrplänen, Erlassen und Verordnungen, in voller Selbstverwaltung. 

Der Film wird beim Dokumentarfilmfestival (DOK) vom 03. bis 14. Mai in München vorgestellt. Am 18. Mai startet „Zwischen den Stühlen“ dann offiziell in den deutschen Kinos.

Von der Waldorfschule ans Filmset: Leonie Benesch blickt zurück

(VS) Mit dem Film "Das weiße Band" (2009) kam die junge Schauspielerin groß raus. Danach spielte sie unter anderem in einem Tatort mit und ist aktuell in der Netflix-Produktion "the crown" zu sehen. Wir haben mit der ehemaligen Waldorfschülerin über ihre Schulzeit und die Zukunftswünsche für die Waldorfschule gesprochen.

Hallo Frau Benesch, was nimmt aktuell die meiste Zeit in Ihrem Leben ein? Woran arbeiten Sie gerade in Ihrem Beruf? 

Benesch: Ich habe die letzten Jahre studierenderweise an der Guildhall School of Music and Drama verbracht und seit Mai bis vorletzte Woche "Babylon Berlin" gedreht und verbringe die meiste Zeit damit, von Berlin nach London zu reisen und mich zwischen meinen zwei Welten zurechtzufinden. Die kommende Zeit werde ich mich mit meinem Umzug zurück nach London beschäftigen und dann mit dem guten alten Vorsprechen und Jobs Suchen und Arbeiten und all dem, was mir eben so einfällt. 

Das klingt nach einer spannenden Lebensphase. Sie waren ja auf der Waldorfschule: Inwiefern hat Sie denn Ihre Schulzeit geprägt und auf welcher Waldorfschule waren sie?

Benesch: Ich wurde in Göppingen eingeschult, bin Ende der ersten Klasse mitsamt Familie nach Bielefeld gezogen und war dort auf der Schule bis zur achten Klasse und ab der Neunten war ich bis zum Abitur nach einem weiteren Umzug an der Schule in Tübingen.

Ich komme aus einer "Voll-Öko-Familie" und war schon im Waldorfkindergarten. Ich bin der Meinung, dass Erziehung einen in jeder Hinsicht prägt. Besonders wichtig für mich waren natürlich die Klassenspiele und das viele Draussensein. Und ich denke, ich habe gelernt, mich in einer Gruppe zu verhalten.

Die Waldorfschule wird 2019 ja 100 Jahre alt. Stellen Sie sich vor, Ihre alte Schule wäre ein guter Freund – Was wünschen Sie ihm für die Zukunft?

Benesch: Hm. Guter Freund? Ich würde Waldorfschulen wünschen, dass sie Menschen weiterhin helfen können, den richtigen Weg zu finden. Dass sie es schaffen, der Grundidee treu zu bleiben und sich dabei aber trotzdem der Realität unserer modernen Welt anzupassen. Viel Glück!!

Vielen Dank, Frau Benesch, und viel Erfolg bei den nächsten Filmprojekten!

Kongress Soziale Zukunft in Bochum

(CMS) Der Kongress Soziale Zukunft findet vom 15. bis 18. Juni 2017 im Bochumer RuhrCongress statt. Alle Verbände, die in den anthroposophischen Lebensfeldern Rang und Namen haben, sind als Veranstalter neben der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland mit dabei: von anthropoi, der Vereinigung der Waldorfkindergärten, dem Bund der Freien Waldorfschulen und den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners bis zu Software AG Stiftungdemeter, GLS Bank und dem Bürger- und Patientenverband gesundheit aktiv

Grundlagen für eine lebenswerte Zukunft
Sie alle arbeiten bereits beständig daran, eine soziale und nachhaltige Zukunft zu gestalten – sei es in der Begegnung mit Schüler*innen, alten Menschen oder Pflegebedürftigen, bei der Arbeit im ökologischen Landbau, der Gestaltung von Unternehmen und Banken oder bei der Umsetzung globaler Entwicklungsaufgaben wie der Inklusion. Doch einfache Lösungen gibt es nicht und Veränderung anzupacken, erfordert zunächst den Mut zur Frage: "Wie sieht eine soziale Zukunft aus, in der wir leben wollen – persönlich, als Organisation oder als Zivilgesellschaft?" Eine Zukunft, die die globalen Krisen der letzten Jahre mit den wieder aufflammenden Kriegen und der ökonomischen und ökologischen Rücksichtslosigkeit überwinden hilft.

Intentionen des Kongresses
Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen soll während des Kongresses gemeinsam daran gearbeitet werden, gesellschaftliche Aufgaben zu erforschen und zu hinterfragen, um dann trag- und zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln. Dabei geht es vor allem darum, Frieden zu stiften, was nur gelingen kann, wenn auch im eigenen Denken Offenheit gewagt wird. Es geht darum, individuell Verantwortung zu übernehmen und auf der Grundlage direkter menschlicher Beziehungen Zusammenarbeit in neuer Weise zu gestalten, um eine lebendige Gesellschaft zu entfalten. So richtet sich der Kongress an alle, die sich sowohl persönlich als auch in ihren Organisationen für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Er möchte dazu ermutigen, an der Neugestaltung in freier, mündiger und unternehmerischer Weise mitzuwirken.