Waldorfschulen erproben eigenes Qualitätsverfahren
Ein eigenes Verfahren zur Qualitätsentwicklung im Unterricht wurde in einem Modellprojekt des Bundes der Freien Waldorfschulen entwickelt. Es begann im Sommer 2008, drei Schulen erprobten das Modell in der Praxis bis zum Herbst 2010. Prozessbegleitend wurde vom Institut für Empirische Sozialforschung der Alanus Hochschule eine Evaluation durchgeführt.
Jeder Qualitätsbegriff setzt voraus, dass geklärt ist, was man unter Bildung verstehen will. Der Bildungsbegriff der Waldorfpädagogik meint den Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten des Heranwachsenden, die auch die Entwicklung seiner gesamten Persönlichkeit umfasst. Dazu wird der Blick nicht nur auf die Schule, sondern auch auf die gesamte Lebenszeit mit all ihren beruflichen und privaten Herausforderungen gerichtet. Was bedeutet vor diesem Hintergrund Qualität im schulischen Lernprozess?
Unterrichtsqualität kann nur dann entstehen, wenn der Lehrer diese selbst anstrebt und er bereit ist, seine Arbeit fortlaufend zu reflektieren. Dazu treten der Blick und die Anregung von außen. Das waldorfeigene Qualitätsverfahren baut daher auf zwei Säulen auf: Der Bildung von Intervisionsgruppen innerhalb des Kollegiums und den externen Hospitationen. Für die Arbeit in den Intervisionsgruppen ist eine Fortbildung im gesamten Kollegium vorgesehen. Ein wesentliches Element ist der Austausch von Kollegen auf Augenhöhe - unabhängig von Alter und Erfahrung. Die externen Hospitationen werden von einer Gruppe von Fachleuten durchgeführt, sie finden zweimal im Jahr statt. Die Gruppe setzt sich zusammen aus sowohl im Unterricht als auch in der Mentorierung erfahrenen Lehrern.
Erste Erfahrungen mit dem Qualitätsverfahren an den drei beteiligten Schulen zeigen, dass die Hospitationen im eigenen Unterricht von den Lehrern als „befreundeter Fremdblick“ grundsätzlich begrüßt wurden. Allerdings wurde auch die Bedeutung guter Kommunikationsstrukturen für den Ablauf des Qualitätsverfahrens deutlich. Insgesamt führt der Einsatz des Qualitätsverfahrens dazu, dass viele der beteiligten Lehrer ihren Unterricht mit größerer Wachheit wahrnehmen und reflektieren.
Zurzeit wird das nun ausgearbeitete Verfahren von drei weiteren Schulen durchgeführt und weitere Schulen werden im kommenden Schuljahr 2012/2013 folgen. Auch wurde in Zusammenarbeit mit einer akkreditierten Zertifizierungsagentur die Zertifizierung des Verfahrens vorbereitet und soll noch in diesem Sommer abgeschlossen werden.
Dr. Richard Landl


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