200 WaldorfschülerInnen ergreifen „Macht“ in Kassel

 

 

Kassel/Stuttgart/Hamburg, 27. Mai 2015/CMS. Vom 4. – 7. Juni 2015 tagt das 12. Kasseler Jugendsymposion, bei dem rund 200 WaldorfschülerInnen aus ganz Deutschland das Thema „Macht“ bearbeiten werden. Das vom Lehrerseminar für Waldorfpädagogik Kassel in Kooperation mit dem Bund der Freien Waldorfschulen veranstaltete Symposion spannt inhaltlich den Bogen von den Stasi-Strukturen in der ehemaligen DDR über populistische, demokratiefeindliche Protestbewegungen und die Instrumentalisierung von Religionen bis hin zum Machtmissbrauch durch Passivität und der Macht über sich selbst.

Die Jugendsymposien stellen stets einen aktuellen und facettenreichen Begriff mit Vorträgen, Seminaren und Trainings zur Diskussion und schließen damit an die bereits behandelten großen Themen der letzten Jahre an, wie z.B. „Bewusstsein“, „Menschheit“, „Leben“, oder „Freiheit“ im Dezember 2014. So wird engagierten SchülerInnen und Studierenden ein Forum geboten, sich außerschulisch im Austausch mit namhaften Referenten und Dozenten einem Thema interdisziplinär und multiperspektivisch zu nähern. So sprechen beim 12. Jugendsymposion auch wieder bekannte und kompetente Redner aus Politik, Wissenschaft und Kunst.

Nach dem Einführungsreferat zum Machtbegriff  von Professor M. Michael Zech (Lehrerseminar Kassel, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter) hält der Bürgerrechtler und jetzige Leiter der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (BStU, ehemals bekannt als „Gauk-Behörde“) Roland Jahn den Eröffnungsvortrag „Zwischen Anpassung und Widerspruch“. Er spricht über seine ganz persönlichen Alltagserfahrungen als Jugendlicher mit den politischen Machtstrukturen der DDR und thematisiert die wesentlichen Gegensätze von Diktatur und Demokratie.

Professor Horst Teltschik, ehemaliger außen- und sicherheitspolitischer Berater von Helmut Kohl und Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz von 1999  bis 2008, gibt in seinem Vortrag „Der Kampf um Macht in den internationalen Beziehungen – ein Faktor des Friedens oder der Zerstörung?“ profunde Einschätzungen sowie Einblicke hinter die Kulissen der Machtpolitik.

Ekaterina Poljakova (Universität Greifswald) analysiert aus philosophischer Sicht den Wandel des Machtbegriffs in verschiedenen historischen Kontexten und Management Coach Suzanne Grieger-Langer behandelt die Frage, wie mit Macht konstruktiv umgegangen werden kann. Damit spricht sie ein wesentliches Aufgabenfeld des modernen Soziallebens an und zeigt gleichzeitig die verschiedenen Spektren und praktischen Anwendungen von Machtstrategien im Berufs- und Alltagsleben auf.
Von der dunklen Seite der Macht berichtet in Wort und Bild die für ihre Fotoarbeiten mehrfach ausgezeichnete Fotografin Katrin Krämer, die auf Ihren zahlreichen Reisen durch Afrika die zerstörerischen sozialen und ökologischen Auswirkungen des Rohstoffabbaus durch multinationale Unternehmen recherchiert und dokumentiert hat.

Den Abschlussvortrag „Macht der Religion“ hält Professor Albert Schmelzer (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter), der vor dem Hintergrund der katastrophalen Situation im Nahen Osten und des jüngsten Zeitgeschehens in Frankreich thematisiert, wie notwendig und unabdinglich es ist, sich die Verquickungen von Macht und Religion zu vergegenwärtigen und zu hinterfragen, wie religiöse Weltanschauungen zur Machtausübung instrumentalisiert, legitimiert und gerechtfertigt werden.

Die Tagung ist thematisch auch auf die kommende Verleihung des Kasseler Bürgerpreises, dem sog. „Glas der Vernunft“, ausgerichtet, der in diesem Jahr an den israelischen Diplomaten Avi Primor vergeben wird. Die Jugendlichen haben wie im September 2014 wieder Gelegenheit, mit dem Preisträger im Rahmen einer eigens für sie konzipierten Podiumsdiskussion ins Gespräch zu kommen und anschließend dem Festakt der Preisverleihung beizuwohnen.

Über das Kasseler Jugendsymposion
Zweimal im Jahr wird Kassel zum kulturellen Begegnungspunkt, wenn rund 250 Jugendliche aus ganz Deutschland auf den vom Bund der Freien Waldorfschulen unterstützten Jugendsymposien intensiv an aktuellen Zeitfragen arbeiten. So können die SchülerInnen und Studierenden mit wegweisenden Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur ihre Visionen teilen und lebhaft diskutieren. Dadurch soll der Wunsch und das Bedürfnis nach aktiver zivilgesellschaftlicher Beteiligung geweckt und zur Übernahme der Verantwortung für die eigenen Bildungs- und Lernprozesse angeregt werden. Die Symposien verstehen sich in diesem Sinne als Zukunftswerkstatt.
Das 13. Kasseler Jugendsymposion findet vom 10. - 13. Dezember 2015 zum Thema „LIEBE“ statt. Ansprechpartner: Prof. Dr. Michael Zech und Esther Guggenbichler (projektleitung@jugendsymposion-kassel.de).

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die derzeit 234 deutschen Waldorfschulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen, wo 1919 die erste Waldorfschule eröffnet wurde. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr.