Aktuelle Lage
Aktuell bieten viele Waldorfschulen in Deutschland Ganztagsbetreuung an, je nach Bundesland unter Bezeichnungen wie Hort, Kernzeit oder offene Ganztagsschule. Damit wächst der Bedarf an Fachkräften, die den Tageslauf von Kindern pädagogisch fundiert gestalten und waldorfpädagogische Grundlagen mitbringen.
Eine Ausbildung zur Waldorferzieherin bzw. zum Waldorferzieher bieten die Ausbildungsstätten der Vereinigung der Waldorfkindergärten.
Ziel und Zielgruppe der Weiterbildung
Die Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ richtet sich an Menschen, die Kinder im schulischen Ganztag begleiten, insbesondere an Hortner:innen, Erzieher:innen, sozialpädagogische Fachkräfte und Lehrer:innen an Waldorfschulen. Sie qualifiziert für eine waldorfpädagogische Arbeit im Ganztag und unterstützt Schulen dabei, Ganztag an Waldorfschulen als pädagogisch durchdachten Tageslauf zu entwickeln.
Nur gemeinsam ist Bildung am ganzen Tag möglich
Im Ganztag gelingt Qualität nur im Zusammenspiel verschiedener Berufsgruppen. Lehrkräfte, Hortner:innen, Erzieher:innen und Sozialpädagog:innen entwickeln gemeinsam Leitlinien, stimmen Tagesabläufe ab und gestalten den schulischen Ganztag als multiprofessionelles Team. So entsteht für die Kinder ein verlässlicher Rahmen, in dem Lernen, Spiel und Erholung sinnvoll aufeinander folgen.
Mehr zur Idee von „Waldorf am ganzen Tag“ finden Sie im Interview in der Zeitschrift Erziehungskunst.
Im Dezember 2021 hat der Deutsche Bundestag das Ganztagsförderungsgesetz, GaFöG, beschlossen. Es regelt einen schrittweise eingeführten Rechtsanspruch von Grundschulkindern auf ganztägige Förderung und Betreuung.
Ab August 2026 haben zunächst alle Kinder der ersten Klassenstufe Anspruch auf ganztägige Förderung. In den Folgejahren wird dieser Anspruch jährlich um eine Klassenstufe erweitert, bis schließlich alle Kinder der Klassenstufen eins bis vier einbezogen sind.
Der Rechtsanspruch wird im achten Buch des Sozialgesetzbuchs, SGB VIII, verankert und umfasst in der Regel:
- eine tägliche Betreuungszeit von acht Stunden an fünf Werktagen,
- Angebote auch in den Ferien, mit Ausnahmen für einige Wochen im Jahr.
Die konkrete Ausgestaltung obliegt den Bundesländern und Kommunen. Begriffe wie ergänzende Förderung und Betreuung, eFöB, Hort oder Ganztagsschule werden regional unterschiedlich verwendet.
Waldorfschulen sind als Ersatzschulen formal nicht verpflichtet, das Ganztagsförderungsgesetz umzusetzen. Sie stehen jedoch vor der Aufgabe, vergleichbare Bildungs- und Betreuungsangebote zu entwickeln, um Kindern und Familien einen zeitgemäßen Ganztag im Sinne der Waldorfpädagogik zu ermöglichen.
Die Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ ist als berufsbegleitendes Angebot konzipiert und erstreckt sich in der Regel über zwei Jahre. Sie umfasst etwa vierhundert Unterrichtsstunden und wird von Dozent:innen durchgeführt, die auch in der Ausbildung von Waldorferzieher:innen tätig sind.
Zentrale Elemente sind:
- regelmäßige Seminarveranstaltungen in Modulen,
- eine begleitete praktische Tätigkeit im schulischen Ganztag,
- Praxisberatung und Praxisreflexion,
- eine Lehrprobe,
- eine schriftliche Facharbeit mit abschließendem Kolloquium.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer:innen ein Zertifikat. Die Weiterbildung schafft damit eine fundierte Grundlage für die pädagogische Arbeit im Ganztag an Waldorfschulen.
Das Curriculum der Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ orientiert sich an den Anforderungen einer waldorfpädagogischen Ganztagsbetreuung. Schwerpunkte sind unter anderem:
Allgemeine Grundlagen
- Menschenkunde und Entwicklungsaufgaben im Übergang vom ersten zum zweiten Jahrsiebt und weiter zum dritten Jahrsiebt,
- Bedeutung von Beziehung, Rhythmus und Sinneserfahrungen im Grundschulalter.
Methodisch didaktische Gestaltung
- Aufbau und Gestaltung des Tages im Ganztag,
- Bedeutung von Ritualen, Pausen, sowie Ruhe- und Bewegungsphasen,
- freies Spiel, Gruppen- und Bewegungsspiele.
Künstlerisches und handwerkliches Tun
- Sprachgestaltung, Musik und Eurythmie,
- plastisch bildnerisches Gestalten, Werken und Handarbeiten als Angebote im Ganztag.
Zusammenarbeit und Schulentwicklung
- Zusammenarbeit mit Eltern, Formen der Gesprächsführung,
- Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team,
- Grundlagen von Selbstverwaltung, Konferenzkultur und Qualitätsentwicklung.
Gesellschaftliches Umfeld und Recht
- Kind und Digitalisierung, Mediennutzung, Spielzeugkultur,
- rechtliche Grundlagen der Ganztagsbetreuung, zum Beispiel Aufsichtspflicht, Kindeswohl, Datenschutz.
Praxis und Reflexion
- kontinuierliche Praxis in der schulischen Ganztagsbetreuung,
- Praxisberatung und Praxisreflexion,
- Erstellung einer Facharbeit mit Präsentation.
Das vollständige Curriculum veröffentlichen die einzelnen Standorte der Weiterbildung auf ihren eigenen Webseiten.
Die Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ wird an mehreren Standorten angeboten, die jeweils regional verankert sind. Dazu gehören unter anderem:
- Waldorfbildungsseminar Berlin
- Seminar für Waldorfpädagogik Hamburg
- Seminar für Waldorfpädagogik Dortmund
- Waldorferzieherseminar Stuttgart („Gesunder Ganztag für das Schulkind“)
- Südbayerisches Seminar für Waldorfpädagogik und Erwachsenenbildung München
- Campus Mitte-Ost, unter anderem an der Freien Waldorfschule Leipzig
Aktuelle Termine, detaillierte Curricula und Anmeldemöglichkeiten finden sich auf den Webseiten der jeweiligen Einrichtungen.
Rahmenbedingungen, Finanzen und Organisation
Die Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ ist als mittelfristig angelegtes Qualifizierungsangebot konzipiert, das Waldorfschulen beim Ausbau ihrer Ganztagsangebote unterstützt.
Informationen zu Teilnahmegebühren, Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel Beteiligung des Schulträgers oder Förderprogramme, sowie zu konkreten Terminen und Anmeldemodalitäten erhalten Sie direkt bei den jeweils genannten Seminaren und Einrichtungen. Gemeinsam mit den Schulträgern können so tragfähige Lösungen gefunden werden, um die Qualifizierung von Mitarbeiter:innen im Ganztag zu ermöglichen.
Die Weiterbildung „Waldorf am ganzen Tag“ richtet sich insbesondere an:
- Hortner:innen an Waldorfschulen,
- staatlich anerkannte Erzieher:innen und Sozialpädagog:innen,
- Lehrer:innen und pädagogische Mitarbeitende im Ganztag,
- Personen, die bereits im Ganztag an Waldorfschulen tätig sind und ihre waldorfpädagogische Qualifikation vertiefen möchten.
Sie ist als Weiterbildung für berufserfahrene Fachkräfte gedacht, die die Qualität von Ganztag an Waldorfschulen aktiv mitgestalten wollen.

