Ein Forschungsprojekt für Schulen in freier Trägerschaft
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius, und Dr. Denise Weckend, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Es verbindet wissenschaftliche Forschung mit Fragen, die für die tägliche Arbeit in Schulen besonders relevant sind: Wie erleben Kollegien ihre gemeinsame Verantwortung? Wie können sie durch ihre Zusammenarbeit ihre Wirksamkeit stärken? Und welche Rolle spielt Demokratiebildung in Schulen in freier Trägerschaft?
Gefördert wurde das Projekt durch die Software AG - Stiftung und die Mahle-Stiftung.
Was wurde untersucht?
Im Mittelpunkt der ersten Erhebung standen zwei Themenfelder: die kollektive Wirksamkeitserwartung eines Kollegiums und die Demokratiebildung an Schulen in freier Trägerschaft.
Die kollektive Wirksamkeitserwartung beschreibt die gemeinsame Überzeugung eines Kollegiums, pädagogische Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen und die Lernentwicklung der Schüler:innen wirksam unterstützen zu können. Internationale Forschungsübersichten – die Arbeiten von John Hattie und Klaus Zierer – weisen diesem Faktor eine hohe Bedeutung für schulische Entwicklungsprozesse zu.
Die erste Erhebung: „WiW 1.0“
An der ersten Studie „Das Wir in Waldorf“, kurz WiW im Jahr 2025 beteiligten sich knapp 1.500 Lehrkräfte aus 56 Waldorfschulen. Diese Schulen haben das Angebot genutzt, ihre Zusammenarbeit und ihre gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten wissenschaftlich fundiert in den Blick zu nehmen.
Neben den Waldorfschulen waren auch der Verband Deutscher Montessori Schulen und der Bundesverband der Freien Alternativschulen an dem Gesamtprojekt beteiligt. Die Erhebungen und Auswertungen erfolgen jedoch jeweils getrennt nach Verbänden. Ein Vergleich zwischen den verschiedenen Schulformen ist nicht Ziel des Projekts.
Verlässlich anonym – im Dienst der einzelnen Schule
Für den Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) ist entscheidend, dass die Teilnahme den Schulen selbst zugutekommt. Der BdFWS erhält daher keine schulscharfen Auswertungen und kann keine Rückschlüsse auf einzelne Schulen ziehen. Die Verbindung zwischen den Daten und einer konkreten Schule liegt ausschließlich bei der Universität Augsburg.
Die Ergebnisse der ersten Erhebung liegen inzwischen vor. Im Mittelpunkt steht nunmehr die Frage, wie die Erkenntnisse für die Weiterentwicklung kollegialer Zusammenarbeit und für die Arbeit der teilnehmenden Schulen genutzt werden können. In drei Präsenz- und einem Online-Workshop wurde den Teilnehmenden im Nachgang eine „Lesehilfe“ für die eigenen Daten angeboten und erste Schritte für Veränderungen vorgestellt. Die Resonanz darauf war durchweg positiv, da die Maßnahmen als wirklichkeitsnah und praktikabel erlebt wurden.
Was bedeutet kollektive Wirksamkeitserwartung?
Kollektive Wirksamkeitserwartung richtet den Blick nicht auf einzelne Lehrkräfte, sondern auf das Kollegium als Ganzes. Sie fragt danach, ob sich Kolleg:innen auf gemeinsame Werte, pädagogische Kompetenzen und verbindliches Handeln verständigen können. Gerade in einem herausfordernden Schulalltag kann dies eine wichtige Grundlage dafür sein, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und Entwicklung zu gestalten. Die Validität der schulformübergreifenden, internationalen und kontinuierlich erhobenen Datengrundlage ergänzt anekdotische Evidenz mit einem fundierten Blick auf Schul-Alltagsphänomene.
In der Erhebung wurden fünf Bereiche betrachtet:
- Affektives Erleben: Welche Gefühle verbinden die Kollegen mit dem eigenen Beruf – und wie werden diese im Kollegium kommuniziert?
- Ergebniserwartung: Inwieweit besteht die gemeinsame Überzeugung, dass Schüler die gesetzten Lernziele erreichen können?
- Kompetenzerleben: Wie wird die gemeinsame fachliche, didaktische und pädagogische Kompetenz des Kollegiums eingeschätzt?
- Aktivitätserleben: Wie stark engagiert sich das Kollegium gemeinsam dafür, möglichst viele Schüler zu erreichen?
- Einflusserwartung: Wie groß wird der eigene Einfluss auf den Lernerfolg der Schüler eingeschätzt?
Demokratiebildung als gemeinsamer Auftrag
Die Fragen zu Demokratiekultur und -bildung waren ein weiterer Schwerpunkt des Projekts. Schulen in freier Trägerschaft brauchen die freiheitlich-demokratische Grundordnung; zugleich bereichern sie den Bildungsdiskurs durch ihre pädagogische Vielfalt und ihr Engagement.
Wie geht es weiter?
Der BdFWS plant, das Projekt weiterzuentwickeln und künftig weiteren Waldorfschulen eine Teilnahme zu ermöglichen. Mit dem Ziel noch mehr Schulen regelmäßig von dem Angebot profitieren zu lassen, soll dabei insbesondere geprüft werden, wie sich der Zeitraum zwischen Erhebung, Auswertung und der Arbeit mit den Ergebnissen verkürzen lässt. Auch die Frage, in welcher Form Schulen bei der Umsetzung konkreter Entwicklungsschritte unterstützt werden können, gehört zur weiteren Planung.
Die konkreten nächsten Schritte werden im Laufe des Jahres 2026 entwickelt. Interessierte Waldorfschulen können sich schon jetzt an Hans-Georg Hutzel, Vorstand des BdFWS wenden.

